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The History Collection

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Aufwärts
Jahrgang 20, Nr. 12 (December 15, 1967)

Wange, Willy B.
Kleine Geschichten um den großen Sport,   p. [24]


Page [24]

M an hat den Sport ~die herrlichste 
Nebensache der Welt" genannt. Lei- 
der nehmen ihn viele Zeitgenossen längst 
weit wichtiger als eine Nebensache. Im 
Stuttgarter Neckarstadion konnte man 
kurzlich ein makabres Rekordergebnis 
notieren. Als im Spiel gegen Borussia 
Dortmund der Ausgleich fiel, erlitt ein 
73jähriger Anhänger des VfB Stuttgart 
einen Herzinfarkt und war sofort tot. Er 
war das achte Opfer der Begeisterung für 
die Bundesliga in Stuttgart. 
W enig Glück hatte der Deutsche 
Amateurboxverband mit der Ver- 
gabe seiner Olympiapässe. Er hatte diese 
Urkunden bei den letzten Titelkämpfen 
spontan allen 20 Endkampfteilnehmern 
gegeben, die damit in den Genuß der 
Förderungsmaßnahmen des Verbandes, 
des Sportbundes und privater Mäzene 
kommen sollten. Einer dieser ~Olympia- 
kandidaten" hing inzwischen die Box- 
handschuhe an den Nagel. Ein anderer 
wurde für eineinhalb Jahre, also bis nach 
Mexiko, gesperrt; ein Dritter liegt im 
Krankenhaus und wird kaum bis zu den 
Spielen wieder fit sein. Zu allem Unglück 
mußte ein weiterer Inhaber eines Olym- 
piapasses inzwischen im  Gefängnis 
~einsitzen". 
ieder scheiterte ein Deutscher im 
Kampf um eine Boxweltmeister- 
schaft. Nach Max Schmeling, der am 12. 
Juni 1930 sich gegen Jack Sharkey den 
Weltmeistertitel im  Schwergewichts- 
boxen der Profis holte, steuerten das 
hohe Ziel weitere vier deutsche Boxer an. 
Am 10. März 1933 verlor Adolf Heuser 
gegen den Weltmeisterim Halbschwerge- 
wicht, Maxie Rosenbloom, nach Punkten. 
Am 23. Juni 1962 verlor Gustav Scholz 
gegen Halbschwergewichts-Weltmeister 
Harold Johnson nach Punkten. Am 10. 
September 1966 unterlag Karl Milden- 
berger gegen  Schwergewichts-Welt- 
meister Cassius Clay in der 12. Runde 
durch Abbruch. Am 16. November 1967 
unterlag im Kampf um den Titel im 
Junior-Weltergewicht Willi Quatuor dem 
Japaner Paul Fuji in der vierten Runde 
durch k.o. 
ine Revolution scheint sich im Tennis- 
sport anzubahnen. Wimbledon, die 
traditionsreiche Austragungsstätte der 
inoffiziellen  Weltmeisterschaften  im 
Tennis, will im nächsten Jahr erstmals 
keine Trennung von Amateuren und 
Profis durchführen. Das hat den Ameri- 
kanern Mut gemacht. In Miami will man 
im Februar erstmals ein sogenanntes 
~offenes Turnier" veranstalten, an dem 
Tennisspieler aus beiden Lagern spielen 
dürfen. Es soll der Auftakt von 80 offenen 
Turnieren sein, in denen es um Geld- 
preise von insgesamt 800000 Dollar geht. 
Man darf auf die Reaktion der führenden 
Männer des Amateurtennissports ge- 
spannt sein. 
F ür Deutschlands Fußball-Amateure 
ist das Olympische Fußballturnier 
schon zu Ende, ehe es begann. Die 
Mannschaft der Bundesrepublik schei- 
terte in der Qualifikation an den Ama- 
teuren Englands. Eine Chance haben 
dagegen noch die Fußballer aus Mittel- 
deutschland, die in Ostberlin gegen 
Rumänien 1:0 gewannen. ,Nur 1:0", 
schrieben unsere Zeitungen. Inzwischen 
unterlagen unsere Profis gegen die glei- 
che Elf der Rumänen in Bukarest 0:1. Man 
muß gespannt sein, wie die Mitteldeut- 
schen im Rückspiel am 6. Dezember in 
Bukarest abschneiden. 
n Finnland haben sich bekannte Sport- 
ler in eine Werbekampagne gegen den 
Alkohol eingeschaltet. In der ,Nüchtern- 
heitswoche" hielt der bekannte Olympia- 
sieger im Skilanglauf, Eero Mäntyranta, 
mehrere Vorträge und verzichtete dafür 
sogar auf die Teilnahme an einem Vor- 
bereitungslehrgang für die Olympischen 
Winterspiele in Grenoble. Man verspricht 
sich von solch populären Beispielen da- 
für, daß man seine Männlichkeit auch 
ohne Alkohol beweisen kann, gerade bei 
der Jugend großen Erfolg. 
sterreichs Skiläufer brachen ihr 
Olympiatraining ab, weil die Ski- 
industrie nicht rechtzeitig die vereinbarte 
finanzielle Unterstützung für die Vorbe- 
reitungen auf Grenoble zahlte. Deutsch- 
lands alpine Skiläufer stiegen auf 
deutsche Skier um. Auch sie sollen dafür 
von der Industrie Zuwendungen be- 
kommen. 
Willy B. Wange 


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