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The History Collection

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Jahrgang 20, Nr. 12 (December 15, 1967)

Hanck, Frauke
Jet Generation - modisch attraktiv,   p. 23


Page 23

Mann, jahrelang Filmkritiker in München 
-~Kritiken habe ich geschrieben, weil ich 
nicht gleich Filme drehen konnte" -, ist 
seit einiger Zeit fleißiger Drehbuch- 
schreiber und nun auch erstmals sein 
eigener Regisseur bei einem abend- 
füllenden Spielfilm in Farbe. Zwei Kurz- 
filme gingen voran: <Nachmittag" und 
~Flucht". Zwei weitere fertige Spielfilm- 
Bücher liegen in der Schublade, und 
Marran Gosov wird noch in diesem Jahr 
Schmidts Action-Stoff <Nach Amerika" 
verfilmen. 
Eckhart Schmidts erster Spielfilm hat den 
modischattraktiven Titel ,JetGeneration" 
und erzählt eine Geschichte aus dem 
schicken Milieu der jungen Leute von 
heute. Im Mittelpunkt steht ein ebenso 
brillant aussehender wie skrupelloser 
Fotograf, der vorzugsweise Mannequins 
und andere hübsche Mädchen vor dem 
Generation" ist der 31jährige Roger Fritz, 
Fotograf und Regisseur des Films <Mäd- 
chen Mädchen". Im UFA-Nachwuchs- 
studio sammelte er einst schauspiele- 
rische Erfahrungen. Befragt, warum er 
sich entschlossen hat, diesen Debütfilm 
zu produzieren, sagt Fritz: <Mir hat das 
Buch auf Anhieb gefallen, und es fiel 
mir deshalb auch nicht schwer, mein 
nächstes eigenes Projekt auf den kom- 
menden Sommer zu verschieben." <Jet 
Generation" ist übrigens völlig frei 
finanziert, hat weder Verleih-Unterstüt- 
zung noch eine Prämie vom Kuratorium 
Junger Deutscher Film; <Mädchen Mäd- 
chen" hat inzwischen so viel eingespielt, 
daß Roger Fritz den Film von Eckhart 
Schmidt produzieren konnte. Ernsthafte 
Auseinandersetzungen zwischen Haupt- 
darsteller-Produzent und Regisseur hat 
es nicht gegeben, aber ein Besuch bei 
gearbeitet. Dginn Moeller stach Chrissie 
Shrimpton aus, die Schwester des eng- 
lischen Starmodells Jean Shrimpton, die 
Schmidt und Fritz nach einer Woche 
Drehzeit nach Hause schicken mußten. 
Offensichtlich hatten sie sich von Chris- 
sies Talent zuviel versprochen. 
Schauplatz des Farbfilms ist München, 
und zwar nicht nur Schwabing, sondern 
auch das Hofbräuhaus, das Donisl, das 
Gelände an der Theresienwiese, der 
Flughafen Riem, die von Baustellen wim- 
melnde Innenstadt. ~Das Interesse an 
München steigt international immer mehr. 
Die Stadt hat heute schon die meisten 
Touristen in Europa, und die Olympiade 
steht vor der Tür*', sagt Eckhart Schmidt. 
Und weiter: <Ich mache einen europä- 
ischen Film für den amerikanischen 
Markt. Das soll nicht heißen, daß ich 
mich einer amerikanischen Machart be- 
LSD und der Hippie-Bewegung. Aber es 
hat auch eine innere Umwälzung statt- 
gefunden: es gibt keinen Protest der 
Jugend mehr gegen die Eltern, weil sich 
die Jugend einfach ihre eigene Welt auf- 
baut, in der die ältere Generation gar 
nicht mehr existent ist. Auch die Bürger 
haben sich geändert, sie sind indifferent 
gegenüber der Jugend geworden." Letz- 
teres sieht Schmidt als eine rein positive 
Entwicklung an. Er geht sogar so weit zu 
vermuten, daß die heutige Jet-Jugend in 
zehn Jahren verspießert sein wird. Das 
allerdings interessiert ihn nicht, auch 
nicht für seinen Film, der lediglich den 
gegenwärtigen Zustand zeigen soll, ohne 
kritische Reflexion. 
Frauke Hanck 
Dginn Moeller und Roger Fritz in ,Jet Generation" 


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