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The History Collection

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Aufwärts
Jahrgang 19, Nr. 4 (April 15, 1966)

Willi
Wenn die Neuen kommen...,   pp. 12 and 13-[15]


Hoppe, Günther
Wer einen Lehrling einstellt...,   p. [15]


Hoppe, Günther
Der Lehrherr als Boxer,   p. [15]


Page [15]

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ein offen zu, daß wir alle daraus 
aben. Inzwischen sind Heidi und 
c n andern längst nicht mehr die 
Schon nach kurzer Zeit kamen 
Ei mit uns zur Gewerkschafts- 
g uppe. Und weil es Ihnen da von 
an gefallen hat, lassen sie sich 
Kaum mal einen Gruppenabend 
ei. Sie sind dabei, wenn wir einen 
p machen, oder eine Urlaubsfahrt, 
hnen teil an Vorträgen und Dis- 
ngn - kurz, sie machen alles mit, 
der Gruppe geboten wird. Und 
nicht wenig, das dürft ihr mir 
zem wurde Heidi sogar in die 
enleitung gewählt, was ein Beweis 
s daß sie in der Gruppe auch sehr 
ist. Der Gruppenleiter war sofort 
einverstanden, weil er sagt, daß 
bestimmt gute Vorschläge machen 
wo sie doch in der Firma als Be- 
ugendsprecherin schon Erfahrun- 
sammelt hat. Kein Zweifel, die Heidi 
k!ich ein feines Mädel, und außer- 
at sie ~was im Kasten", wie wir 
sagen. 
ter Letzt noch ein Wort an all jene, 
rade jetzt eine Lehre anfangen. Ihr 
a selbst, daß Lehrjahre keine Her- 
re sind, wie das im Volksmund so 
heißt. Aber keine Bange, so 
m ist es nun auch wieder nicht. 
immer daran, daß ein jeder einmal 
klein angefangen hat, selbst der 
er. Und wenn es mitunter auch mal 
Stunden gibt - es geht meistens 
recht schnell vorbei. Die schaurigen 
inde, wie sie in früheren Zeiten noch 
er Tagesordnung waren, die sind 
Glück vorbei. Dafür haben schon die 
.,rkschaften gesorgt. Heute gibt es 
i Lehrvertrag, der die Rechte und 
iten des Lehrherrn und des Lehr- 
festlegt. Außerdem sind die Arbeits- 
fie Pausen, der Besuch der Berufs- 
le, die Bezahlung und vieles andere 
Tarifvertrag oder Gesetz geregelt. 
eht, ganz so schlecht stehen die 
ere gar nicht. Man muß es nur wis- 
Freilich wäre das zuviel verlangt, 
hr das gleich alles im Kopf haben 
Das braucht ihr auch gar nicht, 
dafür wird In jedem Betrieb ein 
ndvertreter gewählt. Das ist mai- 
ein junger, aufgeweckter Gewerk- 
fter, der in all diesen Dingen be- 
gen ist. Und der gute Beziehungen 
Betriebsrat hat. Er wird euch gerne 
n, wenn mal Not am Mann ist. 
as dürfte fürs erste genug sein. Und 
noch alles Gute zum Start ins Be- 
ben - toi-toi-toi - das wünscht euch 
Wilfl 
Wer einen Lehrling einstellt, muß mit 
Fehlern der menschlichen Unzu- 
länglichkeit rechnen, in Anbetracht der 
Verschiedenheit der menschlichen Natur. 
Er kann nicht erwarten, den Idealtyp eines 
Lehrlings zu erhalten, sondern nur einen, 
der die im Lehrvertrag erforderten Lei- 
stungen erbringt. Die kleinen Vorfälle des 
täglichen Lebens, mögen sie auf Inter- 
esselosigkeit oder einem  gewissen 
Hang zur Lüge und dergleichen beruhen, 
sind* nicht ohne weiteres ein Grund zur 
fristlosen Kündigung, sondern sie sind 
Erziehungsfehler oder Erziehungsmän- 
gel, die zunächst vom Lehrherrn mit den 
Eltern behoben werden müssen. Es ge- 
hört deshalb auch auf seiten des Lehr- 
herrn ein gewisses Verständnis für die 
Psychologie des Lehrlings und eine An- 
passungsfähigkeit zur richtigen Behand- 
lung und Anleitung des Lehrlings dazu. 
Diese Ansicht wird durchweg in der 
arbeitsgerichtlichen Rechtsprechung ver- 
treten. Bereits in einer Entscheidung des 
LAG Düsseldorf vom 9. 2. 1955 - 3 Sei 
103/54 - ist ausgeführt, daß nicht einmal 
ein Diebstahl des Lehrlings ein Ent- 
lassungsgrund sei, denn es wäre in 
erster Linie Pflicht des Lehrherrn, den 
Lehrling zu erziehen. Fehler in den Ent- 
wicklungsjahren würden sich bei jedem 
Lehrling zeigen, so daß es Sache des 
Lehrherrn sei, diese Fehler abzustellen. 
In einem kürzlich vor dem Arbeitsgericht 
Düsseldorf anstehenden Fall war einem 
Lehrling etwa drei Monate vor Ablauf des 
Lehrvertrages fristlos gekündigt worden. 
Der Lehrling hatte den Lehrherrn am 
4. 1. 1965 für den folgenden Tag um 
Arbeitsbefreiung gebeten, um zur Be- 
erdigung seiner Patentante fahren zu 
können. Der Lehrherr verweigerte dies 
unter Hinweis auf die angespannte Per- 
sonallage. Dennoch blieb der Lehrling 
zum Zwecke der Teilnahme an der Be- 
erdigung am 5.1. 1965 dem Betrieb fern. 
Das Arbeitsgericht Düsseldorf stellte am 
13. 10. 1965 - 4 Ca 69/65 - die Unwirksam- 
keit der fristlosen Kündigung fest. Der 
Lehrherr sei verpflichtet, über den Zeit- 
punkt der fristlosen Kündigung hinaus 
die Lehrlingsvergütung fortzuzahlen. Der 
Lehrvertrag wäre nicht durch die gegen- 
über dem Lehrling ausgesprochene frist- 
lose Kündigung erloschen, denn der 
Lehrling habe zu einer fristlosen Kündi- 
gung keinen ausreichenden Anlaß ge- 
geben. Soweit sich der Lehrherr darauf 
berufe, daß der Lehrling am 5. 1. 1965 der 
Arbeit fern geblieben sei, erscheine es 
schon äußerst fraglich, ob unter Berück- 
sichtigung der besonderen Umstände, 
die zu einem derartigen Fernbleiben ge- 
führt hätten, überhaupt ein Grund zur 
fristlosen Kündigung vorgelegen habe, 
zumal, da ein Lehrverhältnis im wesent- 
lichen durch erzieherische Momente ge- 
kennzeichnet sei und sich die Kündi- 
gungsgründe nicht ohne jede Einschrän- 
kung aus der allgemeinen Arbeitswelt 
auf ein Lehrverhältnis übertragen ließen. 
Der Arbeitgeber könne sich im übrigen 
aber auch schon allein deshalb nicht zur 
Begründung der fristlosen Kündigung 
auf das Fernbleiben des Lehrlings vom 
Dienst am 5. 1. 1965 berufen, weil dieser 
Vorfall für sich allein genommen nach 
seinem eigenen Vorbringen nicht zum 
Anlaß einer fristlosen Kündigung ge- 
nommen worden wäre. Hieraus würde 
ersichtlich, daß der Lehrherr selbst das 
Fernbleiben des Lehrlings von der Arbeit 
am 5. 1. 1965 nicht als eine erhebliche 
Pflichtverletzung angesehen habe, son- 
dern sie nur als einen äußeren Anlaß zum 
Ausspruch der fristlosen Kündigung 
wahrgenommen hätte. Daraus lasse sich 
aber nicht herleiten, daß dem Lehrherrn 
die Fortsetzung des Lehrverhältnisses 
nicht mehr zuzumuten gewesen wäre, 
worauf es allein ankäme. 
Der Lehrherr könne sich auch nicht auf 
die von ihm vorgetragenen, sonstigen 
Pflichtvergessenheiten des Lehrlings be- 
rufen. Es könne dahinstehen, ob die 
Schulversäumnisse und die schlechten 
schulischen Leistungen des Lehrlings 
überhaupt einen Grund zur fristlosen 
Kündigung darstellten. Ein solches Recht 
könne der Lehrherr hieraus schon des- 
halb nicht mehr herleiten, weil ihm diese 
Gründe länger als zwei Wochen vor Aus- 
spruch der fristlosen Kündigung bekannt 
gewesen seien. Insoweit wäre die Frist 
des § 127b der Gewerbeordnung ver- 
strichen. 
Günther Hoppe 
Günther Hoppe 
Der Lehrherr 
als Boxer 
Ein Lehrherr boxte und trat einen Lehr- 
fing. Das ergab sich aus einer Ver- 
handlung vor dem Arbeitsgericht Duis- 
burg am 2. Februar 1966 in einem Ver- 
fahren - 1 Ca 21/66. Die Zeugenverneh- 
mung, die noch nicht abgeschlossen Ist, 
ergab, daß der Lehrling, weit er eine Ar- 
beit falsch gemacht hatte, von seinem 
Lehrherrn deswegen in die Seite geboxt 
und anschließend mit dem Fuß getreten 
wurde. Die hierzu vernommene Zeugin 
erklärte weiter, daß der Fußtritt und auch 
der Boxhieb sehr heftig gewesen seien. 
Nach der Züchtigung habe der Lehrherr 
den Lehrling rausgeworfen. Ein anderer 
Lehrling sagte aus, daß er am 28. August 
1965 von seinem Lehrherrn so stark ge- 
schlagen worden sei, daß er einen Un- 
fallarzt hätte aufsuchen müssen. 
Ein Sonderfall, so meinen wir, nein, lei- 
der eine oft zu verzeichnende Tatsache. 
Die Prozeßfälle vor den Arbeitsgerichten 
beweisen es. Die körpprliche Züchtigung 
von Lehrlingen nimmt trotz der Existenz 
des Jugendarbeitsschutzgesetzes und 
dem darin ausdrücklich enthaltenen Ver- 
bot, wonach auch die Eltern dem Lehr"- 
herrn ein Züchtigungsrecht nicht mehr 
wirksam übertragen können, bedrohlich 
zu. Woran liegt das, so fragt man sich. 
Auch hier ist offensichtlich die immer 
stärker werdende Tendenz autoritären 
Denkens und Handelns die Ursache. Nur 
durch Zufall werden derlei Vorgänge be- 
kannt. Die Eltern schweigen meist, sie 
befürchten im Falle einer Anzeige, spä- 
ter berufliche Nachteile ihrer Kinder. 
Denken diese Eltern nicht darüber nach, 
daß sie damit ihren Kindern, sich selbst, 
und dem Volksganzen keinen guten 
Dienst erweisen. Die jungen Menschen, 
die heute als Lehrlinge ausgebildet wer- 
den, aus ihnen soll in 20 Jahren die Füh- 
rungsschicht der deutschen Wirtschaft 
geschaffen sein. Dieses Ziel kann man 
nur erreichen, wenn der Lehrherr jugend- 
lichen Unverstand, mangelnde Reife, 
Dummejungenstreiche, die wir alte ge- 
macht haben, typische Jugendverfeh- 
lungen, Nachlässigkeiten und dergl. mit 
Besonnenheit, Verständnis und Lang- 
mut begegnet. Reden muß man mit den 
Jungen, ansprechen muß man sie; sie 
lassen mit sich reden, unsere Söhne 
und Töchter, man muß sie aber auch zu 
verstehen suchen. Ja, sie haben häufig 
einen großen Mund, sie geben sich 
manchmal großspurig und  nehmen 
Dienstverspätungen nicht so tragisch. 
Das ist nicht richtig, und das darf nicht 
sein, aber man muß sich schon die Mühe 
geben, diesen Kindern das in Ruhe ver- 
ständlich zu erklären. Daran aber lassen 
es viele Lehrherrn fehlen. Wer die Ge- 
duld nicht hat, die erforderlich ist, um 
junge Menschen auf den rechten Weg 
zu bringen, soll die Finger von Lehrlingen 
lassen. Die künftige deutsche Führungs- 
schicht will nicht zu ihrer Leistung ge- 
prügelt worden sein, sie schafft es mit 
einer entsprechend sinnvollen Erziehung 
und dem uns angeborenen Fleiß. 
Jedenfalls wird der boxende und tretende 
Lehrherr nur noch kurze Zeit die Lehr- 
lingr.haltu ngsbefugnis  besitzen. Ge- 
werbeaufsichtsamt, Arbeits- und Straf- 
gericht werden ihm einen Denkzettel er- 
teilen, der sich sehen lassen kann. 
Jeder Lehrherr soll sich merken, wer 
sich an jungen Menschen, die, wie der 
Gesetzgeber sagt, seiner ~väterlichen 
Obhut" anvertraut sind, vergreift, wird 
vor die Instanzen gebracht werden, die 
unser Staat zur Sicherung der Würde 
der Persönlichkeit, des Schutzes der 
Jugend, der sozialen Ordnung und der 
Gesetzestreue geschaffen hat, 
Wer einen Lehrling einstellt... 


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