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Aufwärts
Jahrgang 15, Nr. 7 (July 15, 1962)

Naglbin, Jurij
Licht im Fenster,   pp. 6-7


Page 7

ucKt von der nerrmcnen AussiaTu 
r, verlor sie jegliche Lust zum P 
Und nachher konzentrierte sich 
mier der ganze Sinn ihrer Existenz 
b sich der neuen Tätigkeit mit 
eldenschaft ihres Herzens hin. 
ildete sich in ihrem Bewußtsein 
ig legendäre Gestalt dessen hera 
en und in diese Herrlichkeit tre 
e glaubte, daß es ein ungewöl 
mandem ähnlicher Mensch s 
m man so viel Fürsorge erweise, v 
sichtbar dazu nötigte, täglich, stüÜ 
hn nachzudenken. Für Nastja gab 
lere Freude, als sich um die Zimr 
rn, die ihn einmal aufnehmen mi 
sie vernachlässigte auch ihre 
chten nicht. Mit ihrer üblichen 
en Gewissenhaftigkeit räumte sie 
n Stockwerken des Hilfsblocks a 
te die Fußböden, leerte die As 
dlierte Glas, Badewanne und Was 
f Hochglanz, wechselte das Was 
affen, schüttelte Bettumrandung u 
wei15ichen Auge an; oie iaile, aie aas monen 
ung   vergessen hatten, schienen auf dem gras- 
ro-  grünen Tuch des Billards fett zu werden; der 
auf   schöne Spiegel im handgeschnitzten Rahmen 
spiegelte kein menschliches Antlitz wider 
der   außer dem blaß-bräunlichen Gesicht mit den 
Al-  festbespannten  Backenknochen  und den 
die   schwarzen, ein wenig tiefliegenden Augen 
us,   Nastjas, kein Kopf hat in seiner Schlaftrunken- 
ten   heit die prallgefüllten, kühlen Kissen berührt. 
hn-   Das vergebliche Warten, die vergeudete 
ein   Mühe, der nutzlos verschwendete Eifer erzeug- 
weil  ten in Nastja allmählich Haß. Sie war betrogen 
nd-   worden, nicht vom Direktor - was ging sie der 
es   schon an -, sondern von jenem, den sie mit 
mer    solcher Leidenschaft und Ungeduld erwartet 
Üß-   hatte. 
an-   Darüber nachdenken, daß der erwartete Gast 
un-   nicht gekommen war, bedeutet neues Warten. 
in   Aber das konnte sie nicht - sie wollte nicht 
uf:   mehr warten. Sie hörte auf, die Sachen zu ord- 
ch-   nen, in den Räumen etwas umzustelen, und 
ch-   Wassilij Petrowitsch schien es, daß sich Nastja 
ser   ihren Pflichten gegenüber nachlässig verhielt. 
und   Er strich mit seiner Hand über das Fernseh- 
ich   gerät, über die Stuhllehnen, aber nirgends war 
Jas   ein Stäubchen; er strich mit dem Finger über 
irte  das spiegelblanke Glas - alles sauber; er 
)en   stampfte auf dem Teppich, aber vergeblich 
sie   versuchte er ihm ein Staubwölkchen zu ent- 
nd   locken. Nichts gab es, was man zum Vorwand 
hn-   eines Tadels nehmen könnte. Aber trotzdem 
hre   vermißte er irgend etwas, und Wassilij Petro- 
witsch zog unzufrieden die Augenbrauen zu- 
ian   sammen. 
so    Nastjas Mißachtung vor dem unsichtbaren 
ig,  Einwohner wuchs inzwischen, sie ergriff ihr 
mit   ganzes Wesen. Ihr erschien es jetzt als gewal- 
es   tige Ungerechtigkeit, daß ,ihm" die großen 
,er-  Räume voller Licht und Luft, alle diese schönen 
zu    und nützlichen Sachen gegeben wurden. 
im    Eines Nachts kehrte Wassilil Petrowitsch nach 
geruhsam und sorglos in einem warmen Bett 
einschlafen kann, ohne zu befürchten, daß man 
mitten in der Nacht geweckt werden würde; 
daß in den Beziehungen zwischen den Men- 
schen der Geist des gegenseitigen Verstehens 
und Vertrauens immer mehr gefestigt wird; 
daß man, ohne der Angst vor Mißgünstigen 
ausgesetzt zu sein, wirklich von Herzen etwas 
unternehmen konnte, um das Leben der Er- 
holungsuchenden besser, satter, friedlicher 
und fröhlicher zu gestalten, genauso wie das 
eigene Leben ... 
Wassilij Petrowitsch bog um die Ecke des 
Hauses und erstarrte plötzlich; er zuckte zu- 
rück, den Kopf zur Seite gewandt, wie ein 
Pferd, das einen Zaun angerannt hat; in den 
Fenstern des unbewohnten Flügels brannte 
Licht. Genauer: im Arbeitszimmer brannte 
Licht, im Schlafzimmer und im Billardzimmer, 
von wo ein trockenes, beinernes Anschlagen 
der Bälle zu ihm drang. Im Gästezimmer war es 
dunkel, aber dort klang Musik. Als Wassllij 
Petrowitsch die augenblickliche Erstarrung 
überwunden und ein paar Schritte nach vor- 
wärts gemacht hatte, sah er auf der den Fen- 
stern gegenüberliegenden Wand des Gäste- 
zimmers blasse, behende Lichtreflexe, und er 
begriff, daß das Fernsehgerät eingeschaltet 
war. 
Ein seltsames Gefühl durchdrang Wassilij 
Petrowitsch. Für einen Augenblick dünkte es 
ihn, daß die Sachen, ihrer Unnützigket müde, 
zu meutern und ohne menschliche Hilfe ein 
eigenes Leben zu leben begonnen hätten: Die 
Petrowitsch. Er schwieg und t 
wunderung das sonderbare, n( 
Empfinden wahrzunehmen, d 
breitmachte, in seinem Innei 
wuchs und bis in die Fingers; 
war das Gefühl einer unerträ 
vor sich selbst. 
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