University of Wisconsin Digital Collections
Link to University of Wisconsin Digital Collections
Link to University of Wisconsin Digital Collections
The History Collection

Page View

Aufwärts
Jahrgang 15, Nr. 7 (July 15, 1962)

Sulzmann, Rudolf
Das erste Lebenszeichen von Heinz Brandt,   p. 3


Page 3

Text und Fotos: Rudolf Suizmann 
Das erste Lebenszeichen von Heinz Brandt 
m 16. Juni 1961 ist der Journalist Heinz 
Brandt von West-Berlin aus mit Gewalt in 
die Zone entführt worden. Am 12. Juni 1962 
traf bei seiner Frau in Frankfurt der erste Brief 
von ihm ein. Absender: Zuchthaus Bautzen. 
Zwischen diesen beiden Daten liegt ein Jahr 
der Ungewißheit über das Schicksal Heinz 
Brandts, liegt das Schandurteil von 13 Zucht- 
hausjahren, liegt schließlich eine Welle der 
Empörung und des Protestes in allen Ländern, 
In denen die Menschen sich noch einen Fun- 
ken Rechtsgefühl bewahrt haben. 
Einen Tag nach Eintreffen des ersten Briefes 
aus dem Bautzener Zuchthaus haben wir Frau 
Anneliese Brandt und ihre Kinder in ihrer 
Frankfurter Wohnung besucht. 
~Sie können sich denken, eine wie große 
Spannung von uns fiel, als wir ,dieses erste 
direkte Lebenszeichen nach einer Zelt so zeh- 
render Ungewißheit in den Händen hielten. Die 
Kinder waren ganz aufgeregt und Reginas 
erstes Wort war: Wann kommt Pappi? Natür- 
lich hat Heinz nur private Dinge geschrieben. 
Kein Wort über den Prozeß oder über Politik. 
Er macht sich Gedanken über die Erziehung 
der Kinder und gibt mir dafür Ratschläge. Aber 
er kann sich auf mich verlassen, und ich stehe 
ja auch nicht allein. So viele helfen mir. Ich 
habe den Eindruck, mein Mann Ist nicht zer- 
brochen. Jetzt ist die Hauptsache, er bleibt 
gesund." 
Wie konnte es nur zu dieser Verhaftung im 
Sommer 1961 kommen? War es Leichtsinn 
von Heinz Brandt selbst, Vertrauensseligkeit 
in alte Freunde, eine illusionäre politische Vor- 
stellung? 
Frau Brandt verwirft alle diese Möglichk~ . 
~ich bin fest davon überzeugt, daß er set- 
sam entführt worden ist. Sehen Sie, aus sein 
Briefen an frühere Freunde in der Zone, de er 
gleich nach unserer Emigration in die Bun- 
desrepublik zur Erklärung und Rechtiergun 
seines Verhaltens schrieb, geht seine Elnebi- 
lung klar hervor. Er schreibt hier, daß er nict 
die geringste Lust habe, von der Stasi  m.: 
Abkürzung für Staatssicherheitsdies  der 
Zone) ins Zuchthaus gesteckt zu werden. 
Wem sollte das denn nutzen? Kein Mensch ist 
dort an ehrlicher Diskussion Interessiert, gei- 
stige Auseinandersetzung ist nicht edut, 
die SED reformieren zu wollen Ist elne Ilusion. 
Und seine politische Einstellung kannte da- 
mals doch jeder, der mit Ihm zu tun hefte. Er 
wollte auf jeden Fall das unsinnige Hoch- 


Go up to Top of Page