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The History Collection

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Jahrgang 15, Nr. 12 (December 15, 1962)

Plück, Hans
Neue Filme,   p. 22


Filmsplitter,   p. 22


Page 22

,1984" subventioniert 
in diesen Tagen erst wurde bekannt, daß die 
Regierung der USA seinerzeit den englischen, 
Film <1984", nach George Orwells gleich- 
namigem Roman gedreht, mit 100000 Dollar 
subventioniert hat, weil er antikommunistisch 
war. Diese Beihilfe hatte Washington das 
Recht eingeräumt, das Drehbuch zu kontrol- 
lieren und dafür zu sorgen. daß der Film über- 
all auf der Welt gespielt würde. Das Bekannt- 
werden dieses amerikanischen Schachzuges 
im kalten Krieg gegen die Sowjetunion brachte 
die englische Öffentlichkeit in eine späte und 
um so stärkere Erregung. Man befürchtet nun 
nämlich allenthalben, ein solches Beispiel 
könne auch von anderen politisch Interessier- 
ten nachgeahmt werden. 
Filmsonntag In Österreich 
Diesjährig zum drittenmal wurde in allen 
Diözesen Österreichs ein Flmsonntag ge- 
halten. Der festliche Tag stand unter dem 
Motto ~Der gute Film braucht auch dich". Wie 
schon im vergangenen Jahr hatte die ,Katho- 
lische Filmkommission für Österreich" wieder 
eine Liste mit wertvollen Filmen aus den letz- 
ten drei Jahren zusammengestellt. 
Film Ober skeptische Jugend 
Einen Film über die skeptische Jugend Euro- 
pas zwischen sechzehn und fünfundzwanzig 
Jahren wird der italienische Regisseur Paolo 
Cavara drehen. Cavara will mit seinem Auf- 
nahmestab durch die Lande ziehen und über- 
all dort dokumentarische Aufnahmen machen, 
wo gerade ausschreitende Handlungen un- 
zufriedener Jugendlicher registriert werden. 
Cavara möchte auch in Moskau filmen. Der 
russische Schriftsteller Jewtuschenko hat ihm 
schon seine Vermittlerdienste angeboten. 
Sicheres Gespür 
Zum erstenmal hat eine englische Karten- 
agentur fest einen Teil der Kinokarten für 
einen bis dato noch nicht aufgeführten Film 
übernommen. Der Film, der dieser Agentur 
das Risiko von immerhin fast vierhundert- 
tausend DM wert ist, heißt ,Lawrence von 
Arabien" und ist schon seit Monaten in aller 
Munde. Der Columbia-Flmverleih, der den mit 
viel Aufwand gefertigten Streifen unter seine 
Obhut genommen hat, hofft,daß dieseMethode 
des Vorverkaufs in England Schule machen 
wird. 
Neue Stummfllmära? 
Der englische Filmkomiker Monkhouse und 
sein Mitarbeiterstab wollen - um die Gunst des 
Publikums zu gewinnen - längst verlassene 
Filmpfade beschreiten. In einer Serie von über 
fünfzig Stummfllmstreifen sollen die alt- 
erprobten Späße und Spannungsmomente 
jener Tage vor der Erfindung des Tonfilms auf- 
poliert und neuerlich einem interessierten 
Publikum vorgestellt werden. 
Jeder Streifen wird eine Vorführungsdauer 
von zwanzig Minuten haben und mit Unter- 
beziehungsweise Zwischentiteln versehen sein. 
Mr. Monkhouse hat die Herstellungskosten 
mit etwa vier Millionen DM veranschlagt. 
Ob sich der Einsatz lohnen wird? 
Abgelehnt 
Abgelehnt hat der <Evangelische Film- 
beobachter" den US-Superf)lm ~Der längste 
Tag". Der Streifen sei wertlos, weil in ihm 
<unter Verfälschung der Kriegswirklichkeit 
und unter Vermeidung jeglicher Auseinander- 
setzung mit der Problematik des Krieges ein 
geschichtliches Ereignis zum reißerischen 
Schauobjekt mißbraucht wird". 
Film als Unterrichtsfach 
Flmgeschichte und Fimkunde, sollen in 
Schweden als neue Unterrichtsfächer in allen 
Schulen eingeführt werden. So veranlaßt vom 
Staatlichen Institut des Films In Schweden. 
Zur Zeit werden einzelne Punkte des Projekts 
geprüft. Wenn der Plan durchgeführt wird, ist 
Schweden das erste Land der Erde, in dem der 
Unterricht über das Filmwesen offiziell in den 
Lehrplan der Schulen aufgenommen wurde. 
Plakatstreik 
In fünfzehn italienischen Großstädten gibt es 
seit Mitte Oktober auf den Straßen keine Film- 
werbung mehr. So haben es die Spitzen- 
verbände der Theaterbesitzer, Verleiher und 
Produzenten beschlossen. Der Grund: die als 
überspitzt empfundene Preiserhöhung der 
städtischen Werbegesellschaften. 
Dergleichen Maßnahmen haben sich schon 
früher als erfolgreich erwiesen. Es war kein 
Besucherrückgang in den Kinos zu verzeich- 
nen gewesen, und die Werbegesellschaften 
hatten sich schließlich zu Tarifverhandlungen 
bereit erklärt. 


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