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The History Collection

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Aufwärts
Jahrgang 15, Nr. 12 (December 15, 1962)

Ott, Günther
Besuch bei Joachim Braatz,   pp. 18-19


Page 19

Jer von Braatz sehr geliebt und bewundert 
vird. Klee? Dem Stil nach ist er in der Dorma- 
jener Wohnung kaum anwesend. Paul Klee 
st abstrakter, auch in seinen anscheinend 
ioch stark gegenständlichen Bildern. Aber 
Lyrik und Dramatik - nicht etwa Formen und 
'arben - könnten bei den Bildern Braatz' Pate 
jestanden haben. 
,Die Leute sehen zuviel Literatur in Klee, euch 
der abstrakten Kunst", sagt Braatz ganz 
ichtig. Man sollte In jenen Gemälden eher auf 
las Wie achten. So ergibt sich eine Brücke 
um .lllustrator" Braatz. und wir begreifen 
;einen Wunsch, seine Befürchtungen, ~nur" 
als Illustrator verstanden zu werden. 
,In meinen Bildern passiert wenig Im anekdo- 
ischen Sinn. Sie sind meistens statisch ge- 
baut", meint der Künstler. In der Tat, nicht 
Der Dreispitz 
daß etwas ~passiert", ist wichtig, sondern wie 
alles gemacht wird. Von diesem Wie kommt 
schließlich die Spannung, kommt der Aus- 
druck, und das löst in uns das Erlebnis aus. 
Joachim Braatz bereitet sich gerade für eine 
Einzelausstellung vor. Er hat bisher nicht allzu 
oft ausgestellt. ~Gelegenheiten wären schon 
da", bekennt dieser Künstler. <Aber Ausstel- 
lungen kosten viel." Und dann eine Weile spä- 
ter: ~Im übrigen möchte man nicht alles ver- 
kaufen!" Dieser Ausspruch scheint uns für 
Braatz charakteristisch. Ein Maler, der weitab 
vom Managertum unserer Zeit lebt. 
Nun, für diese nächste Schau, für den Katalog 
und nicht zuletzt für die Besucher müssen 
Bildunterschriften festgelegt werden. <Wir ha- 
ben gesucht, meine Frau und ich", erfahren 
wir. <Aber es ist nicht einfach, Titel zu finden, 
die schön klingen und das Richtige treffen." 
Auch hier also: fort von der Anekdotel 
Und dann noch eine Bemerkung, eine viel- 
sagende: ~Ich will nur die zur Ausstellung 
schicken, die am wenigsten erzählen, die nur 
Bilder sind!" 
Allmählich haben wir diesen <lllustrator", der 
keiner sein will und im althergebrachten Sinn 
auch keiner ist, begriffen. Und nun wundern 
wir uns nicht mehr, als er eine Mappe mit 
16 Radierungen zu Frangois Rabelais' ~Gar- 
gantua und Pantagruel" bringt. Es könnten 
selbständige Bilder sein, allerdings angeregt 
von jenem größten französischen Satiriker aus 
dem 16. Jahrhundert. 
Wir sehen uns ferner die Serie, man möchte 
sagen, Variationen nach dem Thema Don 
Aus Schlrasades Nächte 
Quichotte, an und die Folge der Köpfe biblil- 
scher Könige und Gestalten. Stets war das 
Wort Ausgangspunkt, nicht das eModeil, nicht 
die optische Realität. Stets entwickelten sich 
Bilder aus dem Wort. 
Wenn wir nächstens wieder eine Erzählung, 
<illustriertvon Joachim Braatz",Im <aufwärts" 
finden, werden wir prüfen, ob das. was uns 
der Dormagener Künstler gelehrt hat, stimmt. 
Was wir hier erfahren haben, leuchtet uns 
jedenfalls ein. 
Günther Ott 
Xerxes 


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