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The History Collection

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Aufwärts
Jahrgang 15, Nr. 4 (April 15, 1962)

Breyer, Karl
Portugal will keine Zuschauer,   pp. 20-21


Interview mit Holden Roberto, dem Chef der Rebellion in Angola,   p. 21


Page 21

frika gegen die weißen Kolonialherren läßt 
ich nicht mehr aufhalten. 
lele Portugiesen sehen ihre letzte Rettung in 
iner einheitlichen Front des weißen Mannes, 
n der sich Angola, Mozambique, Südrhode- 
ien, Südwestafrika und die Südafrikanische 
nion beteiligen würden. Vielleicht sogar das 
atanga Molse Tschombes, der seit einiger 
Zeit engere Verbindungen mit Angola pflegt. 
,Wenn jeder Portugiese nur fünf Angolaner 
tet", so sagt man in Lunda, <dann haben 
ir das Problem sehr schnell gelöst." In Wirk- 
ichket spricht man bereits davon, daß zwi- 
schen 20000 und 46000 Schwarze während der 
Unruhen in Angola getötetwurden. Außerdem 
soll es rund 100000 Flüchtlinge aus Angola im 
südlichen Kongo geen. Das bedeutet eine 
neues Problem für die ohnehin schon über- 
mäßig belastete Regierung in Leopoldville, die 
jaaußerdem noch kaum in der Lage ist, ihre 
eigenen Probleme zu lösen. Die meisten 
Flüchtlinge befinden sich in der Nähe der 
Hafenstadt Matadi, andere wurden In Leopold- 
vill slbst untergebracht. Das Konglesiche 
Rote Kreuz hat sich inzwischen um erste Hilfs- 
maßnahmen bemüht. Viele der Flüchtlinge sind 
durch Kugelschüsse und Nepalbomben ver- 
wundet. Hunderte von ihnen starben auf dem 
Weg zur Kongogrenze. In Luanda dagegen 
spricht man von den nur rund 1000 weißen 
Opfern, die der Aufstand bisher forderte. 
Interview mit Holden Roberto, 
dem Chef der Rebellion in Angola 
D ie Berichte, die aus Portugiesisch-Angola 
an die Öffentlichkeit dringen, sind mehr 
als spärlich. Eine große Offensive portugiesi- 
scher Truppen im Norden des Landes hat den 
Aufstand der Kakongo-Krieger keineswegs 
niederschlagen können. Bei den Pflanzern, die 
in Luanda untätig herumsitzen und von einer 
geringen Unterstützung der portugiesischen 
Regierung leben, verschwinden mit jedem neu- 
en Tag immer mehr Hoffnungen. In Leopold- 
ville dagegen, der Hauptstadt des früheren Bel- 
gischen Kongo, hat inzwischen der stärkste 
Chef der Angola-Rebellen, Holden Roberto, 
sein Hauptquartier aufgeschlagen. Er empfängt 
in einer kleinen unscheinbaren Wohnung am 
Rande der weißen Stadt und dem Negerviertel 
Besucher und Journalisten und ist von einer 
zurückhaltenden Freundlichkeit. Sein Gesicht 
verrät eine wache Intelligenz, und In seinen 
Bewegungen und vielleicht auch in seinen 
Zügen gleicht er Patrice Lumumba, mit dem er 
sehr befreundet war. 
<Die Portugiesen haben von ihrer Seite gese- 
hen, nur noch diese Hoffnung, daß sie eben 
auf eine Generaloffensive setzen, die niemals 
mehr gelingen kann. Aber wie dem auch sei, 
wir werden welterkämpfen genauso wie die 
Aufständischen In Algerien. Und wir haben 
genau die gleichen Gründe wie die Algerier. 
Wir sind Angolaner. Wir kennen also das 
Land, jeden Baum, jeden Strauch. Besser als 
die Portugiesen. Wir können uns also In jedem 
Falle jeder portugiesischen Taktik anpassen. 
Wir bleiben in Angola, und eines Tages werden 
wir wirklich die Herren des Landes sein, ob es 
den Portugiesen paßt oder nicht." 
Holden Roberto spricht sowohl fließend fran- 
zösisch wie auch englisch. Er ist einfach, aber 
sauber gekleidet und hat die Gebärden eines 
gebildeten Engländers. Man merkt Ihm an, daß 
er lange Zeit Kontakt mit den Weißen pflegte. 
Viele Ihrer Sitten und Angewohnheiten hat er 
übernommen. Er redetleiese, und man muß sich 
bemühen, ihn genau zu verstehen. Er zeigt 
nicht die geringste Aufregung oder Nervosität. 
~Ich habe drei verschiedene Namen", sagt er 
leise und mit einem Lächeln," aber glauben Sie 
mir, mein richtiger Name ist Holden Roberto. 
Mein Familienname Ist Roberto und mein Vor- 
name Holden." Als ich ihn ein wenig erstaunt 
ansehe, weil ich glaube, sein Vorname sei 
Roberto, lächelt er wieder. ,Ja, ja", sagt er 
kes explodieren muß." 
Mit ausführlicher Genauigkeit beschreibt dann 
Holden Roberto die Aktionen der portugiesi- 
schen Armee in den Dörfern an der Kongo- 
grenze nach den ersten Zwischenfällen. Die 
Soldaten umzingeln die Dörfer, treiben Män- 
ner, Frauen und Kinder aus den Hütten heraus 
und zu den Ufern der Flüsse hin. Dort werden 
sie dann ohne Unterschied gnadenlos nieder- 
gemäht. Kein Wunder, daß heute der Angola- 
ner sagt: ~Auge um Auge, Zahn um Zahn." 
<Auch werden Tausende unserer Brüder gefol- 
tert und gezwungen, gegen unsere UPA- 
Armee zu kämpfen. Auch darüber haben wir 
Beweise", so behauptet der Führer der UPA 
denn. Er erzählt weiter, daß es heute noch Fälle 
gibt, In denen Portugiesen einem Dieb die 
Hände abschlagen und andere Gefangene in 
Ketten legen. ~Aber wir wollen nicht Gewalt 
mit Gewalt vergelten", so sagt Holden Roberto 
abschließend, ,wir wollen mit den Portugiesen 
guten Willens zusammenarbeiten. Sollten wir 
eines Tages in Luanda sein (und wir werden es 
erreichen), dann werden wir mit ihnen zusam- 
menarbeiten. Wir könnten heute bereits 
Beweise dafür vorlegen, daß es zahlreiche Por- 
tugiesen gibt, die unsere Bewegung unter- 
stützen. In Kürze werde ich mein Hauptquar- 
tier nach Angola verlegen, und dann werden 
Portugiesen mitzu meinen Beratern gehören..." 


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