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The History Collection

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Aufwärts
Jahrgang 14, Nr. 5 (May 15, 1961)

Hadobu
"Samstagnacht bis Sonntagmorgen",   p. 15


Filmsplitter,   p. 15


Plück, Hans
"Die Diktatoren",   p. 15


H. P.
"Hohe Tannen",   p. 15


Page 15

10001,- DM Unterstützung 
Zum ersten Male hat das Land Nordrhein- 
Westfalen in die Kasse seines Kulturfilm- 
Förderungsfonds gegriffen, um ein Spielfilm- 
vorhaben materiell zu unterstützen. Für die 
geplante Verfilmung von Heinrich Bölis Roman 
~Brot der jungen Jahre" wurden 100000,- DM 
gespendet. 
Mehr Geld für gefährliche Arbeit. 
 r Film kommt aus England und verrät beste 
ý, 0  glische Filmschule. Wohl selten sind Arbei- 
nd  rwohnung, Fabrik und Kneipe so realistisch 
ihl  rgestellt worden. Realistisch ist auch die 
auptflgur des Films, ein junger Arbeiter, der 
da   seiner Revolverdrehbank viel Geld verdient, 
N   s er an den Samstagabenden durchbringt. 
lebt fast wie ein Tier an diesen Abenden, 
 ibt sich in fremden Betten herum, säuft maß- 
s, ist schnell zu Schlägereien bereit und lebt 
in <Leben" ohne Rücksicht auf andere. 
n eber einmal ist es zu Ende. Der Bruder eines 
1n ihm betroaenen Ehemannes veroaßt ihm 
bringt. Und da ist auch ein Arbeitermädchen, 
das sich seiner annimmt. Fast ist an ein Happy- 
End zu glauben. Der Film läßt noch eine Lücke 
offen. So weiß man nicht, was aus ihm wird. 
Soll der Film ein Spiegelbild der englischen 
Jugend geben? Es wäre falsch, wollte man 
hier im Plural antworten. Es ist ein Einzel- 
mensch und nicht besonders sympathisch. Ein 
Mensch ohne jede Bindung. Ein ~Held" des 
Wochenendes, großartig dargestellt von dem 
jungen englischen Schauspieler Albert Finney, 
der mit dieser Rolle zum Filmstar des Jahres 
wurde. 
In Hollywood unterzeichnete man dieser Tage 
neue Tarifverträge für die Cowboystatisten 
und ihre dazugehörigen Pferde. 
Während die Gage der Männer um 20 Dollar 
heruntergesetzt wurde, stieg die der Tiere um 
20 Dollar. 
~Was   soll das  Bäumchen-wechsel-dich- 
Spiel bedeuten, wandern doch die Scheine in 
die gleiche Tasche!?" werden Sie vielleicht 
verwundert einwerfen. Nun ja, die Kieinstdar- 
steller müssen nur ihre eigene Gage versteu- 
ern, die ihrer Tiere ist steuerfrei. Das dürfte 
wohl auf die Dauer ein erheblicher Aufschwung 
in den bestimmt keineswegs dicken Geidbör- 
sen der harten Männer bedeuten. 
Femshlme auf den Berliner Festspielen ? 
Die zuständigen Stellen in Washington sand- 
ten den amerikanischen Filmverleihern, die 
sich im Fernen Osten niedergelassen haben, 
vor einigen Wochen ein wichtiges Schreiben. 
Darin wurde den Firmen verboten, die beson- 
ders aufgeführten Filmtheater von Hongkong 
und Makao mit ihren Streifen zu beliefern. 
Nach Angaben aus Fachkreisen wird dieses 
Verbot, das politische Gründe haben soll, den 
Verieihflrmen einen jährlichen Verlust von 1 
Million Dollar bereiten. 
Witz 
Kennen Sie schon den neuesten Film-Fernseh- 
witz? 
Herr X und Herr Y sitzen im Kino. Das Pro- 
gramm läuft ab, die beiden Besucher gehen 
hinaus. Im Foyer meint X zu Y: ~ihr Fernseh- 
apparat ist wohl auch in Reparatur?' 
Hohe Spannung = Hochspannung 
In Paris gibt es einen Klub der Freunde des 
guten Kriminalfilms. Jedes Jahr verleihen die 
Mitglieder dem spannendsten Kriminalreißer 
den ~Preis der Hochspannung". In diesem 
Jahre wurde dem Film <Die Drohung" mit 
Robert Hossein die Ehre zuteil. 
Ja, ja, die Jugend von heutei 
Philosoph 
Federico Felllni über die Menschen des Atom- 
zeitaters: <Wir waren noch nie so nackt, so 
einsam wie gerade heute. Wir warten und war- 
ten, aber was wird kommen? Ein neues Wun- 
der oder etwa gar die Marabewohner?" 
Ob der Meister der Reglekunst uns wohl dem- 
nächst mit einem Zeitproblem utopisch-über- 
raschender Lösung aufwarten will? 
Nur kein Neid 
Jean Gabin hörte sich kurze Zeit die Tiraden 
über die Schlechtigkeit der heutigen Jugend 
an, die in seiner Umgebung abgeschossen 
wurden. Dann platzte ihm der Kragen, und Jean 
sagte unmißverständlich: ~Die Jugend von 
heute ist in der Tat furchtbar, aber das aller- 
furchtbarste dabei Ist, daß wir ihr nicht mehr 
angehörenl" 
SDie Diktatoren" 
Ein Film, der fast zwei Stunden läuft. Eugen 
Kogon, weltbekannt durch seinen eindring- 
ichen Bericht über den ,,SS-Staat, hat mit 
Hilfe dokumentarischen Filmmaterils die Dik- 
atoren der letzten 45 Jahre Revue passieren 
assen. Ein eindringliches Bild, in dem der 
Nährboden der Diktatoren dargestellt wird: 
Politische Gleichgültigkeit der Menschen, so- 
ziales Massenelend, ungeordnete Wirtschaft, 
Mangel an politischer Wachsamkeit Das sind 
einige der Faktoren, die die Herrschaft von Dik- 
tatoren ermöglichen. Wenn sie einmal an der 
Macht sind, ist nicht viel mehr gegen sie zu 
unternehmen. 
So ist dieser Dokumentarfilm trefflich dazu ge- 
eignet, aus der Geschichte zu lernen, solange 
noch Zeit dazu vorhanden ist. 
Ich bin noch Schüler - und muß mich nun au 
den Hosenboden setzen, um zu studieren, wi 
die einzelnen Diktatoren an die Macht kamer 
Und so bin ich Kogon dankbar, daß er mic 
zum Nachdenken anregte. 
Vielleicht genügt es nicht, wenn man den Fiin 
nur in Filmtheatern zeigt. Als ich ihn mir an e 
nem Samstagabend ansah, war das Kino fae 
leer. Nach einer Woche Laufzeit wurde er ak 
gesetzt. Aber alle jungen Menschen sollte 
ihn sehen. So wäre es wohl gut, wenn die Ku 
tusminister ihn in den Lehrstoff der Schule 
übernehmen würden. Darf man da hoffen? 
kamen die Fans in Scharen. Nachdem auch die 
letzte Autogrammbitte erfüllt war, sank Sabine 
erschöpft zurück. Da meinte ein Großmütter- 
chen, das neben dem Jungstar saß: ,Ja, so ist 
das heutzutage: zerrissene Strümpfe, zer- 
lumptes Kleid - aber beim Filml" 
Strenge Zensur 
im Schweizer Kanton Wallis verbot die Zensur 
die Aufführung folgender Filme: ,Das süße 
Leben", ,Hiroshima, mon amour', <Die grüne 
Stute", <Die Wahrheit" und <Schießen Sie auf 
den Pianisten". 
Mancherorts sind die Zensuren noch strenger 
als in Deutschland, wo die obengenannten 
Streifen <nur" für Jugendliche unter 18 Jahren 
verboten waren. 
<Hohe Tannen" 
An diesem Streifen stimmt aber auch nichts. 
Angefangen von der Story, den augenbeleidi- 
genden Farben, dem Klamauk, der doch end- 
lich vorbei sein sollte, bis zur goldblonden 
Haarpracht des Hauptdarsteliers Harald Detl. 
Nur die hohen, schlankgewachsenen Tannen, 
die sind echt. 
Ein berühmter Schlagerkomponist und sein 
nicht minder berühmter Textdichter-Freund 
verbringen ihre Ferien in einem von weiten 
Tannenwäldern umgebenen Schloß. Hier müs- 
sen sie sich zugkräftige Schlager einfallen las- 
sen. So will es der Chef. Jedoch mit dem ,Ein- 
fallen' hat es Schwierigkeiten. Und da kommt 
nun das Flüchtlingskind aus Schlesien. Und 
sie singt das Lied von den hohen Tannen. Das 
hilft. Großartig ist diese Hilfe. Dazu dann ein 
kleiner Ausflug in die Flüchtlingsprobleme - 
und die Heimatschnuize Ist fertig. 
Hans Plick 
Samstagnacht bis Sonntagmorgen" 
Politik und Finwitshaft 
H. P. 


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