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Aufwärts
Jahrgang 14, Nr. 5 (May 15, 1961)

Hadobu
[Der 5. Jugendkonferenz...],   pp. 8-9


Page 8

iferenz der Gewerkschaft 
legierte nach Braunschweig 
ging ein Vortrag des Bun- 
ten Peter Nellen voraus, 
auf die folgende Arbeite- 
tag des Rückblicks auf die 
id die Erarbeitung der Richt- 
Je Arbeit segensreich aus- 
tag war ein einziger Appell 
nschen, es mit der Demo- 
en. Was sich haute in unse- 
Leben als demokratischer 
ei vielfach kein gutes Bild. 
)lerungsstil" viele Gefahren 
Entwicklung, die mit der im 
itierten Menschenwürde oft 
:u bringen sei. Er skizzierte 
, die dem Staatsbürger in 
echtastaat offenstehen, an 
die mit Zähnen und Klauen 
zu verteidigen seien. Politik im besten Sinn des 
Worte sei Sorge für das Gemeinwohl. Aber 
nur allzuoft würde in unserem Staat Gemein- 
wohl mit Eigeninteressen verwechselt. Nelen 
wandte sich gegen die Emigrantenhetze und 
gegen die Bestrebungen, auf kaltem Wege die 
Grundrechte unseres Staates abzubauen. Be- 
geistert folgte die Jugend seinen Ausführun- 
gen, wußte sie doch, daß hier ein noch junger 
Politiker zu Ihnen sprach, der mehr als einmal 
bewiesen hat, daß Demokratie für Ihn nicht nur 
ein Lippenbekenntnis ist. 
In fünf Arbeitsgemeinschaften, an denen sich 
sämtliche Delegierte beteiligten, wurden die 
Probleme der Öffentlichkeitsarbeit, der Bil- 
dung, des Berufes, der Demokratie und der 
Entwicklungshilfe diskutiert und die Arbeits- 
ergebnisse in Entschließungen  niederge- 
legt, die dann vom Forum des Jugendtages 
angenommen wurden. 
Viele Gäste waren am anderen Tag anwesend, 
um die jungen Delegierten zu begrüßen und 
der Konferenz guten Erfolg zu wünschen. 
Allen voran die Oberbürgermeisterin der alten 
Stadt Braunschweig, die, selbst in der Arbeit 
für das Gemeinwohl ergraut, das Schicksal der 
Stadt im zweiten Weltkrieg schilderte, aber 
auch mit Stolz darauf hinweisen konnte, was 
an Wiederautbauarbeit - ganz besonders für 
die jungen Menschen - geleistet wurde. 
Die Diskussion, die nach der einstimmigen 
Wiederwahl des bisherigen Jugendsekretärs 
Max Jäger und der Wahl des Bundesjugend- 
ausschusses - in den leider keine Kollegin ge- 
wählt wurde - stattfand, zeichnete sich aus 
durch demokratische Härte,verbunden mitTole- 
ranz gegenüber dem Andersdenkenden. Kaum 
ein Antrag, der ohne Diskussion abgetan wur- 
de. Wo Entschiedenheit fehlte, da wurde sie 
noch in den Antrag hineingebracht, wo Schlag- 
worte und Ungenauigkeiten waren, wurden sie 
berichtigt. Hier wurde deutlich, wie sehr die 
Jugend der ÖTV demokratisch geschult ist. 
Für sie besteht kaum die Gefahr, daß sie politi- 
schen Schaumschlägern auf den Leim geht. 
Aus den Anträgen wurde ersichtlich, was die 
Jugend noch von unserem Staat zu verlangen 
hat. Klar, daß Im neuen Jugendarbeitschutz- 
gesetz noch wesentliche Verbesserungen zu 
fordern und durchzusetzen sind ;klar,daß dieJu- 
gend sich für das neunte und zehnte Schuljahr 
einsetzte; klar, daß sie den Vorstand ihrer Ge- 
werkschaft aufforderte, sich dafür einzusetzen 
daß den Personal- und Betriebsjugendvertre- 
tern Kündigungsschutz gewährt wird und dar- 
über hinaus die gesetzlich verankerte Teil- 
nahme an den Sitzungen der Personal- und 
Betriebsräte sicherstellt. Klar auch, daß Kritik 
geübt wurde am Verhalten mancher Betriebs- 
und Personairäte. 
An Mut zur Kritik an der eigenen Organisation 
fehlte es nicht. Und das ist gut so. Mut zur Kri- 
tik sollte den Demokraten besonders aus- 
zeichnen. So stellte die Jugend die Forderung 
an den DGB-Vorstand, sich beim IBFG dafür 
einzusetzen, daß Kontakte mit Polen und Ju- 
goslawien endlich zugelassen werden. Hier 
zeigte sich, daß die Delegierten die Ausein- 
andersetzungen mit Kommunisten nicht scheu- 
en und wohl zwischen den einzelnen kommuni- 
stischen Staaten differenzieren können. Ein 
Antrag enthält die Bitte an den DGB, noch ein- 
mal zu überprüfen, ob nicht doch eine aus- 
gewählte gewerkschaftliche Jugenddeiegation 
zu Kontakten mit betrieblichen Jugendaus- 
schüssen nachMitteideutschland entsandtwer- 
den kann, die Möglichkeiten zu Gesprächen 
prüfen soll. Der Antrag wurde an den Gewerk- 
schaftstag der ÖTV und den Bundeajugend- 
ausschuß des DGB überwiesen. Notstands- 
und  Notdienstgesetze wurden abgelehnt. 
Es war auch selbstverständlich, daß die Ju- 
gend ihre warnende Stimme gegen das Atom- 
rüsten erhob. Ein Antrag für ein Treffen aller 
jugendlichen Atomrüstungsgegner wurde mit 
62 gegen 36 Stimmen, bei zwei Enthaltungen, 
abgelehnt. Fast eine Stunde wurde über diesen 
Antrag diskutiert. 
Es fehlt hier der Raum, um über weitere An- 
träge zu berichten. Klar wurde jedenfalls, daß 
diese Jugend Gründe und Gegengründe ab- 
wägen kann, daß sie fair diskutiert und ohne 
Diffamlerungen auskommt. Es war ein vorbild- 
liches Parlament von jungen Menschen. Und 
man konnte den Wunsch haben, daß es so fair 
in den größeren politischen Gremien der Bun- 
desrepublik zugehen möge. Für unseren de- 
mokratischen Staat wäre ps eine wesentliche 
Stärkung. 
Der großen Gewerkschaft ÖTV aber kann man 
zu dieser Jugend von Herzen gratulieren. 


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