University of Wisconsin Digital Collections
Link to University of Wisconsin Digital Collections
Link to University of Wisconsin Digital Collections
The History Collection

Page View

Aufwärts
Jahrgang 8, Nr. 4 (February 17, 1955)

Ein Schiff läuft vom Stapel,   p. 7


Page 7

lr In der Anlage der Straßen, In der Architektur der 
läuser, Im täglichen Lauf des gesdäftlichen und geseil- 
diaftlichen Lebens. Aber das ist doch nur das äußere 
lild. Denn wie sonst wäre es denkbar, daß eine Stadt 
rotz mehrfacher Zerstörung wieder Ihr altvertrautes, 
oenn auch nunmehr wesentlich verjüngtes Gesicht 
murücgewinnen  kann? Dieses Wunder der Wieder- 
eburt ist nur möglich, wenn die Bewohner das Gesetz, 
iadI dem ihre Stadt entstanden und gewachsen Ist, in sich 
lvom 
In seiner ersten Reportage über Hamburg zeigt .Aufwrts" den Stapellauf
eines Schiffes. Möge das Schiff immer gute Fahrt 
haben - und möge es zeugen vom Arbeitswillen der deutschen Arbeiter
und Ihrer friedlichen Gesinnung. 
Es fotografierte unser Freund Ernest Dehnke. 
selbst tragen, wenn dieses Gesetz nicht In äußeren For- 
men erstarrt Ist, sondern noch im täglichen Leben wirkt. 
Deshalb gibt es Städte, die die Schläge des Krieges nie 
die    überwinden, weil der Geist fürstlicher oder kirchlicher
un-    Herrschaft, der sie entstehen ließ, seit langem erloschen 
sie,   ist. Und es gibt andere Städte, die sich selbst aus Schutt 
und Asche wieder zu erheben vermögen. Eine solche Stadt 
ist Hamburg. Hamburg Ist zweimal in seiner neueren Ge- 
ana  schichte fast tödlich getroffen worden: durch den großen
hit-  Brand im September 1842 und durch die Bombenangriffe 
nie  Im Juli 1943. Der große Brand vernichtete fast ausnahms- 
es,   los seine alten Baudenkmäler. Und dennoch wirkt Ham- 
mt-  burg auch heute noch als eine traditionsreiche Stadt. Die 
lem  Bomben vernichteten außer einigen ausgedehnten Wohn- 
ld  und Industrievierteln wiederum einen großen Teil der 
Ion  Innenstadt und zahlreiche Hafenanlagen: sie griffen mit 
;en  Ihrer Totenhand an die Wurzeln der städtischen Existenz. 
e   Und dennoch ist Hamburg heute schon wieder die leben- 
xn.  digste, die internationalste, die am  meisten friedens- 
er-    mäßige deutsche Großstadt. Es hat sein entstelltes
Ge- 
sicht im alten Geiste verjüngt. Diese Leistung g1t es zu 
verstehen. So eindrucksvoll die Zahlen sein mögen, die 
für    Auskunft geben etwa über die Kubikmeter. weggeräum-
5ll-  ter Trümmer oder wiederhergestellter Wohnungen und 
,a-  Geschäftsräume -  sie sind doch nur dürftige Steno- 
3er  gramme eines lebendigen Geschehens. Und das Wunder 
em  dieser Wiedergeburt zu begreifen, dürfen wir uns nicht 
.le-  an die Steine, sondern müssen uns an die Menschen hal- 
in-  ten, an diesen sonderbaren Schlag, der seine Eigenart 
über alle Krisen hinweg und trotz einer zunehmenden 
Uberfremdung sich zu erhalten vermochte. Nicht Pläne 
ich  und Programme haben Hamburg wieder aufgebaut, son- 
nd    dern eben diese seine Bewohner.   Justus Buekscmitt 
lau=r: 
für der Hansestadt Wiederaufstieg ist der 
eines Schiffes auf einer der großen Hamburger 
n Stapellauf ist ein großes Ereignis in dem 
cht ereignislosen Welthafen an der Elbe (oben). 
r verfolgen aufmerksam, wie ihrer Hände Werk 
nal schwimmt (rechts Mitte). Allerdings, kaum 
senkasten aus Stahl seine Freiheit gewonnen, 
gemutige Männer in winzigen Schaluppen, 
r aenannt, schon wieder Taue aus (unten links) 


Go up to Top of Page