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Jahrgang 5, Nr. 12 (June 12, 1952)

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Endstation Wartesaal,   p. [1]


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Ein Foul Kein Foul? Wie ein Irrer mßte der Schiedsrichter beim Wasserbalspel
dauernd am Bassin- 
rand entlangrasen, um Immer am Jeweiligen Kampfplatz zu sein, um alles genau
zu sehen. Außerdem 
geschieht vieles unter der Oberfläche, unsichtbar. Alles In allem: Wasserball
scheint oft etwas Xhn- 
lichkeit mit .der hohen Politik zu hae.. .(Siehe auch Seite 8.)         
          Foto; Seeger 
ENDSTATION WARTESAAL 
futschenhausen zu Besuct angemeldet hat, gent 
mnan auch zum Bahnhof und wartet, bis der Zug 
aus Hinterfutschenhausen mit der fahrplanmäßi- 
gen Verspätung eintrifft. 
Man wartet im Wartesaal. Wenn es ein Groß- 
stadtbahnhof, ein Hauptbahnhof ist, wartet man 
Immer mit vielen Leuten zusammen. Aber sie 
warten nicht alle auf Tante Emma oder Onkel 
Xugust oder den nächsten Zug nach Bammelburg. 
3le warten auf besseres Wetter, auf ein nettes 
ýräulein, auf den Morgen, auf einen Mann, auf 
inen Koffer, den man mitnehmen kann, auf ein 
)ing, das zu drehen ist ... 
o hatte sich die Bundesbahn den Wartesaal 
igentlich nicht vorgestellt. Er war für die Fahr- 
jäste gedacht. Und alle, die auf Tante Emma 
warten. Audih wer schnell einmal verschnaufen 
rill, ist noch willkommen. Die Bundesbahn ist 
iar nicht so. Aber die andern, die vielen andern... 
,m schlimmsten ist es nachts, wenn die wach 
werden, die tagsüber nicht arbeiten, wenn die 
ýin Dach suchen, die tagsüber auf der Landstraße 
mid wenn im Nahtbetrieb leichte Mädchen auf 
chwere Brieftaschen aus sind. Da muß dann die 
ahnpollzel ran. Der Wartesaal ist ja kein Rum- 
nelplatz und kein Nachtasyl. Also macht die 
3ahnpollzel Razzien, Nacht für Nacht, mal um 
Uhr und mal um 2, damit man nicht immer eine 
-and an der Brieftasche und die andere am Koffer 
Bahnsteigkarte. Die berechtigt zum Aufenthalt 
im Wartesaal, sagen sie. Aber die Bahnpolizei 
kann ganz gut die Böcke von den Schafen trennen. 
Wenn die Blicke des Wachtmeisters durch den 
Saal gehen, weiß er sofort: Da ist etwas faul, der 
dort hat hier nichts zu suchen, jenen müßte man 
sich unbedingt einmal näher ansehen, das Mädchen 
rechts wartet bestimmt nicht auf Tante Emma. 
Und manchmal macht sie sogar einen besonderen 
Schnapp, kann irgendeinen Schwerverbrecher mit- 
nehmen, der seit Wochen gesucht wird. 
Da sind welche, die nicht arbeiten wollen; da sind 
viele, die nicht arbeiten können. Da sind jene, die 
keine Heimat finden; da sind die, welche keine 
Heimat wollen. Da sind Flüchtlinge, Verbrecher, 
Neugierige, Zuhälter, Kriegskrüppel, Geschäfte- 
macher, Dirnen, da ist der Mann vom Lande, der 
mal was erleben will. Da ist eine ganze kleine 
Welt für sich. ImWartesaal wird nicht nur gewartet. 
hat 
in NMr, ein harmloser gottlob, der sich zu 
nächtlicher Stunde in Unterhosen am Bhnhof 
umhertreibtL inige Male nahm Ihn die Polizei 
fest. Es reicht aber nicht e mal zumö ffent- 
lihen Argernis. Auch so was kanu man hin 
und wieder am Bahnhof erleben (lias auch S. 3). 
HALT DIE BADEHOSE FES 


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