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The History Collection

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Aufwärts
Jahrgang 4, Nr. 18 (September 8, 1951)

H. T.
Unsere Meinung,   p. 4


Page 4


,JUGEND" MIT GELDQUELLE
N~itglieder der Bundesit¸hrung des BDJ. Links
mit dem Papier In der Hand Paul L¸th, der alle
F"den in der Hand h"lt.            Foto: dpa
In Frankfurt hat ein sonderbarer ãJugend-
bund" seinen Sitz. Der Bund Deutscher Ju-
gend, der zwar kaum ¸ber Mitglieder ver-
f¸gt, daf¸r aber ¸ber um so h–here Geld-
mittel. Was ¸ber diese Organisation berich-
tet wird, ist sehr gegens"tzlich.
Auf Grund interner Informationen haben
wir folgendes festgestellt:
Der Bund Deutscher Jugend nennt Mitgliederzah-
len zwischen 20 000 und 563000. Je nach Beaden
In Wirklichkeit geh–rten im Marz 1951 nur 1t84
Mitglieder dem BDJ an. In der Mehrzahl fruhere
Offiziere, aber kaum ein Jugendlicher.
Die Bundesleitung besteht aus zwolf Personen
mit Durchschnittsgeh"ltern von 700 Mark und
eigenen Kraftwagen.
In den zehn Landesleitungen werden insgesamt
20 Personen besch"ftigt mit Geh"ltern zwischen
300--400 Mark.
Die Bundesleitung verf¸gt ¸ber eine ganze Etage
in einem  Frankfurter B¸rohaus. Sie arbeitet in
f¸nf Abteilungen. 1. Politische Leitung. 2. Ab-
wehr. 3. Organisation. 4. Verwaltung. 5. Jugend-
arbeit. Die Leitung liegt in den H"nden ehemali-
ger Offiziere.
Die Bundasf¸hrung ist nicht gew"hlt, sondern
hat sich selbst eingesetzt. Sie gibt keine Rechen-
schaftsberichte und keine Aufklarung ¸ber die
Kassenverh"ltnisse.
Der BDJ verfugt ¸ber einen eigenen Sicherheits-
dienst.
Die Finanzierung erfolgt durch Geldspenden der
Industrie und des Handels. Die Angaben ¸ber die
H–he dieser Spenden sind unterschiedlich. Kas-
senberichte nennen f¸r 1950 an Spendeneingang
79870 Mark. w"hrend engere Mitarbeiter der
Bundesleitung eine Million nennen.
Der Kurs des BDJ ist bewuþt antidemokratisch.
unter der Maske antibolschewistischer T"tigkeit
gilt ihr Kampf den Gewerkschaften.
Die Mitglieder der Bundesleitung geh–rten zum
Teil der KPD an, w"hrend andere vorher aktiv
in Sowjetdeutschland t"tig waren.
Eindeutig handelt es sich beim BDJ um
eine dunkle und undurchsichtige Sache, die
vor allem mit Jugend ¸berhaupt nichts zu
tun hat.
Und es ist dringend an der Zeit, daþ sich
die Organe der L"nder und des Bundes da-
mit besch"ftigen. In einem Brief an den
4
Ministerpr"sidenten Arnold hat der Landes-
bezirk des DGB Nordrhein-Westfalen diese
Forderung aufgestellt.
Wir haben mit Absicht die Pers–nlichkeiten
des F¸hrerkreises des BD.J nicht heleuchtet
und ¸ber angedeutete Verbindungen zu be-
stimmten amtlichen und alliierten Kreisen
nicht gesprochen, um das Thema ganz sach-
lich zu halten. Auch dar¸ber gibt es Mate-
rial. Aber wir m¸ssen eindeutige Maþnah-
men und Offenlegungen fordern, im Inter-
esse der demokratischen Jugend Deutsch-
lands.
BRUST RAUS 1
Kinder, wird das ein Gedr"nge geben; denn
unsere Verdienste sollen belohnt werden.
und zwar mit einem Orden. Die B¸rger, die
sich um die Bundesrepublik verdient machen,
erhalten einen Orden. Das ist die Absicht
der Bundesregierung. Am 12. September.
dem Nationalgedenktag, will man dies ver-
k¸nden. Damit nun aber immer der richtige
Abstand gewahrt wird, soll es sieben Stu-
fen des Verdienstes geben. Das neue Ver-
dienstkreuz soll n"mlich in sieben Klassen
verliehen werden. Das ist ungef"hr so wie
gute, mittlere und schlechte Zensuren in
der Schule,
Damit w"ren wir wieder soweit. Mit stolz
geschwellter Brust werden unsere ,verdien-
ten' Burger ihre Visitenkarte z¸cken, auf
denen steht: M¸ller, Inhaber des Verdienst-
kreuzes 5. Klasse.' Und wie werden die
M¸llers auf die Schulzens herabblicken, die
es nur bis zum Verdienstkreuz 7 gebracht
haben. Auf diesem Wege kommen wir zu
einer Hofrangliste, abgestuft nach Orden
und Titeln. Dazu kommt noch eins. Auch
die Orden aus der Vergangenheit und des
Krieges sollen wieder getragen werden. Das
Dritte Reich vergab allein 64 verschiedene
Orden in Millionen Exemplaren. Das wird
ein stolzes Kriegserinnern geben. Nicht in
allen Kreisen des Volkes; denn die ¸ber-
groþe Zahl unserer Burger ist daf¸r nicht zu
haben. Sie verzichten gern auf die Erinne-
rungen der zw–lf Jahre einschlieþlich krie-
gerischer Heldentaten.
So werden wir neben der Inflation alter Or-
den bald auch eine Inflation unseres sieben-
klassigen Ordens erleben. Viele werden in
sich f¸hlen, wie sehr sie sich äverdient' ge-
macht haben. Und je n"her sie dransitzen,
um so leichter kommen sie zu ihrem Ver-
dienstkreuz.
Wir sind der Auffassung, Orden und Titel
sind alte Klamotten, die in der Vergangen-
heit f¸r die herrschende Schicht ihren Sinn
hatten. Heute sind sie weit verfehlt. Orden
und Titel hemmen das freie, ungezwungene
Leben, st–ren die Gemeinschaft und machen
den B¸rger zum Untertan.
Die aufgeschlossenen und fortschrittlichen
Menschen dieses Landes tun ihre selbstver-
st"ndliche Pflicht dem Staate gegen¸ber und
haben kein Bed¸rfnis nach Orden.
F¸r den Rest der ãStaatsdiener' brauchen
wir erst recht keine.
"HALTET DEN DIEB"
Von dem Lager europ"ischer Jugend auf der
Lorelei ist viel berichtet worden. Ob es im
Inhalt und der Organisation hundertprozen-
tig gut war, dar¸ber wird zu sprechen sein,
wenn Abstand gewonnen ist.
Aber es geht um folgendes: Mitte August
wurde von einem Teil der Presse, an der
Spitze der ,Rheinische Merkur', ein massi-
ver Angriff gegen Lagerleitung und die
Lagerzeitung ãCamp' gestartet unter dem
Stichwort äDort oben sind Kommunisten am
Werk'"-
Was war geschehen? Die Lagerzeitung
.,Camp' hat sich erlaubt, frei und unver-
bl¸mt ihre Meinung zu wirtschaftlichen und
politischen Fragen zu sagen, und sich auch
nicht gescheut. Abgeordnete und Minister
kritisch unter die Lupe zu nehmen. Darauf
gruþes Geschrei der obenerw"hnten Presse
mit der Schluþfolgerung, es w"re zu be-
dauern, daþ die Bundesregierung Geld f¸r
dieses Lager gegeben h"tte. Das hieþe mit
anderen Worten, die Verantwortlichen auf
der Lorelei seien nicht dankbar genug ge-
wesen und h"tten verabs"umt, altes ¸ber
den Gr¸nklee zu loben.
Das verantwortliche internationale Komitee
auf der Lorelei hat sich mit aller Entschie-
denheit gegen diese Unterstellungen ge-
wehrt und eindeutig betont, daþ Zeitung
und Lager von unabh"ngigen Personen ge-
leitet .werden, die keinerlei Sonderinter-
essen vertreten. Um das letztere ging es.
Wir unterschreiben nicht alle Formulierun-
gen des ,Camp' und haben zu dem einen
oder anderen Grunds"tzliches zu sagen. Aber
es geht hier um die Meinungsfreiheit. Und
das wollen die Kreise um den äRheinischen
Merkur" nicht wahrhaben. Sie erwarteten
vom ,Camp' die Unterst¸tzung ihrer wirt-
schaftlichen, politischen und nationalen Son-
derinteressen. Und weil dies nicht geschah.
schrie man laut Bolschewisten am Werk'.
Wir halten diese Entwicklung f¸r bedenklich
und untragbar, Kritik an wirtschaftlichen,
sozialen und politischen Dingen als kom-
munistische Infiltration zu bezeichnen. Wir
sind hier sogar der Auffassung, daþ die
Kreise um den ,Rheinischen Merkur" kom-
munistische Infiltration betreiben, wenn sie
erwarten und verlangen, daþ f¸r –ffentliche
Mittel, die der Staat f¸r die Jugend auf-
wendet, diese  Jugend   im  Gleichschritt
,Hurra, du braver Staat' schreien soll.
Dazu wird sich unsere Jugend nie hergeben;
denn sie hat viel mehr soziales Gef¸hl, poli-
tischen Weitblick und Sinn f¸r wirtschaft-
liche Ungleichheit als alle die, die da
schreien und reden: ",Haltet den Dieh.' H. 'r
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