University of Wisconsin Digital Collections
Link to University of Wisconsin Digital Collections
Link to University of Wisconsin Digital Collections
The History Collection

Page View

Aufwärts
Jahrgang 4, Nr. 22 (November 1, 1951)

"Immer in die Fresse",   pp. [8]-[9] PDF (1.4 MB)


Page [8]


0
Wir vertreiben die Sorgen des Tages
Seitdem ich keine kurzen Hosen mehr
trage, fnde ich es weniger reizvoll,
wenn sich zwei die Nasen blutig schla-
gen. Es gibt aber anscheinend auch
Leute, die nicht alter geworden sind.
Irgendwo in einem  Saal. Am Boden liegt
Henggeler. Sdeiedsrichter Nagy z"hlt aus:
,Eins - zwei - drei - vier..." Da tritt
Waniek Henggeler ins Gesicht, kurz und
hart -  und noch einmal -  und noch ein-
mal. Schiedsrichter Nagy pfeift, pfeift sich
die Lunge aus dem Hals. Das st–rt Waniek
nicht. Er tritt. ,Pfui" schreien die einen, äIn
die Fresse' die anderen. Nagy pfeift noch
immer. Waniek tritt noch immer - in die
Fresse, laut Publikum.
Schiedsrichter Nagy will trennen, fliegt
pl–tzlich in hohem Bogen durch den Ring,
schl"gt hart auf, die Trillerpfeife rollt irgend-
wohin. Der Saal tobt. Zw–lfhundert Men-
schen schreien durcheinander. Entr¸stung?
Begeisterung? Beides! Egal! Hier ist was
los. Man kommt auf seine Kosten. Zwei
Deutsche Mark sind bestens angelegt.
Und selbst die Stehplatzleute am Ende des
Saales kommen f¸r den halben Preis nicht
zu kurz.
,Ein Roastbeef, aber sch–n durchbraten", be-
stellt derweil ein Herr vom Nebentisch.
Der Ober schreibt es auf und bekommt
" . . genannt CATCH"
,Das ist sein gutes Redht', erkl"rt der Roast-
beef-Mann. äBeim Catch, dem Freistilring-
kampf, ist alles erlaubt.' Alles? Stimmt
nicht ganz. "Verboten ist der Tiefsd¸lag,
das Treten in die Weichteile, dem Gegner
einzelne Finger umbrechen, dem Gegner
mit gespreizten Fingern in die Augen stoþen,
das Benutzen der Ringe als Kampfrequisit-,
besagen die Catch-Regeln. Aber das ist alles.
Und deshalb ist Catch kein Sport. Denn
Sport erfordert Regeln und Disziplin, erfor-
dert Achtung vor dem Gegner. Sport ist
mehr als rohe Kraft. Auþerdem m–chte ich
nicht f¸r jeden Verstoþ gegen die Regeln
eine Mark bezahlen. Das w¸rde ein teurer
Abend.
Henggeler hat den Waniek inzwischen auf
den Kopf gestellt und wuchtet seinen Sch"
del auf den Boden, als muþte er den Hohen-
zollernring pflastern. ,Hau ruck, hau rudc,
t–nt es von allen R"ngen. Henggeler findet
sogar den Takt dazu. Die Damen schlieþen
die Augen, und Mariechen Herbeling sagt
zu ihrem besseren Herrn: äHuch, der macht
ihn ja tot!" Aber Henggeler macht ihn nicht
tot. Er wirft den fast bewuþtlosen Gegner
¸ber die Ringseile. Der landet zwei Meter
tief mit dem Kopf genau in einem Wasser-
eimer. Blut und Wasser spritzen umher.
"Das gute Kleid von Meyer & Co.", schreit
Frau Minna Blameuser, Parkett 1. Reihe,
Platz 16, denn sie hat was abgekriegt. Der
Waniek r¸hrt sich nicht mehr. Der Laut-
sprecher verk¸ndet, daþ der Kampf zu Ende
ist und Henggeler gesiegt hat. Das gute
Kleid zu 85 Mark 50', sagt Frau Blameuser
und steht auf. Das Radio spielt Ansonsten,
Herr Lutter, ist alles in Butter.
Herunterreiþen
Vorbei kommt Kollege Kemmerling von der
,Abendpost": N ahmt. Das nennen sie nun
Sport. Sch–ne Schweinerei so was. Werde
ich ganz nett herunterreiþen.'
-     -     .       -   .                     - - -            -   - -, C


Go up to Top of Page