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The History Collection

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Aufwärts
Jahrgang 4, Nr. 1 (January 13, 1951)

Freischmidt, Karl
Automatenstaat der weissen Ameisen,   pp. 4-5


Weisst du, dass...,   p. 5 PDF (831.7 KB)


Page 5


wesen Termitenstaat, um die Nahrung aus
Holz, Pflanzenteilen, Papier, Kleiderstoffen,
Mehl und K–rnerfr¸dhten hereinzunehmen,
in den Pilzgarten, dem ãMagen' und der
.Leber', wird sie in fl¸ssige Form um-
gewandelt, da sie nur so von den einzelnen
..Zdllen' aufgenommen werden kann. Diese
fl¸ssige Nahrung scheint auch gleichzeitig
der äM–rtel' zu sein, der das Baumaterial
des Termitenh¸gels zusammenh"lt.
Ist es nun klar, daþ so ein Termitenstaat
e in Tier, eine ãGemeinschaft spezialisierter
Einzelwesen' ist, dessen Organe aber noch
nicht in der Weise zusammengef¸gt sind wie
beim Menschen?
Viel Merkw¸rdiges und R"tselhaftes
w"re zu berichten: Nur einmal in ihrem
Leben m¸ssen K–nig und K–nigin vor ihrer
Hochzeit einen Flug machen und dann ihre
Fl¸gel abwerfen. Nach dieser einmaligen
Befruchtung kann .die K–nigin zehn Jahre
hindurch alle zwei Sekunden ein Ei legen,
30000 am Tage, 10 Millionen im Jahr!
Sie ist das Hirn, das Herz, das einzig f¸h-
lende Wesen unter den Millionen Automa-
ten. Sie ist die einzige unter allen Insekten,
Bbgenbau mit einem Grashalm und mit Sand.
Das ist der Arbeiter, Wasser trager, Mau-
rer, G"rtner, Kinderpfleger und -f¸tterer.
die ihre Jungen sehen darf, und vielleicht
nur darum versp¸rt sie als einzige des
ganzen Insektenstammes so etwas wie Ge-
burtswehen und Mutterliebe.
Grenzt es nicht ans Wunderbare, daþ diese
Urinsekten bereits vor Jahrmillionen die
Bogenkonstruiktion gefunden haben und da-
bei oft einen Grashalm benutzen? 20 Meter
hoch k–nnen diese kleinen blinden Arbeiter
ihre H¸gel bauen; wollten wir Menschen im
gleichen Verh"ltnis bauen, m¸þten wir eine
H–he von 4500 Meter erreichen.
Man muþ sich einmal klarzumachen ver-
suchen, was dieses in die dunkle K–nigin-
zelle eingesperrte ãGehirn' zu leisten ver-
mag! Alle Bewegungen der Termiten wer-
den von einer Instanz auþerhalb ihrer selbst
bestimmt. Die einzelne Termite besitzt keine
Spur von einem freien Willen oder die M–g-
lichkeit einer eigenen Wahl. Sie hat ledig-
lich die F"higkeit, sich selbst zu bewegen,
aber wann das geschieht und zu welchem
Zweck, wird von auþen, eben vom K–nigin-
gehirn, entschieden und kontrolliert.
Man k–nnte so noch Seiten f¸llen. Jedoch
als Abschluþ m–gen die Worte stehen, die
Eug–ne Marais seinem ¸berrascLienden Buch
,Die Seele der weiþen Ameise' voranstellt:
,Ich habe ¸ber einen Zeitraum von zehn
Jahren die Gewohnheiten der Termiten in
tierpsychologischen Untersuchungen studiert.
Dabei zeigte es sich, daþ solche Beobachtun-
gen jeden Tag neue Wunder enth¸llen. -
Wenn man ¸ber all diese Wunder schreiben
will, wird man durch die Uberf¸lle geradezu
verwirrt. Man weiþ kaum, wo man be-
ginnen soll.'               Karl Freischmidt
Zeidinungen: Otto Schwalge
ein. neues Studentenheim i
seiner Bestimmung¸egbn
Das Geb"ude war 1446 errcttudh
Krieg durch Bomben zerstrwadn
Es enth"lt heute 65 Zimmerfr10Su
denten und Lehrlinge. Die gemeinsame
Unterbringung von Studenten und Lehr-
lingen soll die sozialen Gegenadtr _bei-,
seitigen.
2,7 Millionen. -Jugendliche  udä*4
Pioniere heute dem VerbanddrFen
Deutschen Jugend angeh–ren    Bi    m
.WeItjugendtag' konntenwite      O00
Jun gen und M"dchen f¸r dieonmr-
stische  Jugendorganisation  georn
werden. Diese Zahlen gab derVrsted
der FDJ in der Ostzone, Erich Honekr
anl"þlich des, fi¸nfjhrigen Bestehensde
.Weit bundes dieridemokratisce  JId
im Chemiewerk Leuna bknt
ZUr Linderung der Berufsnotdrugn.
lichen in Niedersachsen beidtVr
gebung von Auftr"gen durcdi–fet
liche Hand die Betriebe besonders be-
r¸cksichtigt werden, die als anerkannte
Ausbildungsbetriebe f¸r Lehrljnge,19.# eP-
Nach Mitteilu.ng "des niede
Arbeitsnministerinssle     i
durch diese  4an1uengrg'q*h
ein H–dstnd     o   ublugsrg~j
keifen f¸r einengteBeunr4wls
zu schaffen.
gege den vom Duisburger Karnevalsaus-
schuþ preisgekr–nten SchlagerDi .L)s,,istl
f¸r einen gewiþ -viel ml echade dfV
sekunda der Diburge~r Ktlth~t-Kolfwiz-
M"dchenschule protestlerlel 1 ~e4*qjn
Offenen Brief. geben die Schu¸Ierlnneni
ihrer Meinung Ausdruck, daþurhden
Schlager der Wert der Frauhrbetz
wird. Das Idealziel jederFrusif¸
e in en Mann da zu sein.
fk   Arbeitslose Sprachkursein  ngld
und Franz–sisch von der Hartna~hl
in Berlin veranstaltet 'werdenr 1qLe*
gange begannen. am 1. Januar 1P'
sind kostenlos. Anfragen undAnedu
gen sind zu richten an dasSertia
der Hartnackschule, Berlin, Motitae7
Beim sch–nsten aller Rhythmen, beim Boogie
Woogie und beim Barie Dizzie Gillespie's
(denn er ist ja ein Muselmann): Endlich ein-
mal ein radikal und objektiv geschriebener
Artikel ¸ber Jazz! Ich gratuliere Dir viel-
mais, denn was Du sagst, hat wirklich Hand
und Fuþ. Daþ Du ,Hey! Ba-Ba-Re-Bop' von
Lionel Hampton in Noten unter Deinen Auf-
satz gesetzt hast, finde ich o. K.! Es ist der
Schlachtruf der neuen Zeit in die verstaub-
ten Biedermeierzimmer, deren Besitzer leider
nur die Kleider, aber nicht ihre Ansichten
gewechselt haben. Zu Deinem Vorschlag,
eine Jazz-Interessengemeinschaft zu bilden,
hast Du mein uneingeschr"nktes Ja-Wort.
Wir m¸ssen vor allen Dingen theoretisch
.iattelfest sein, um unsere Meinung durch-
zubrin gen. Unter Jazz-Fans gibt es keine
Unterschiede mehr in der Hautfarbe und
Nationalit"t. Der Jazz ist das Band, das sie
fest zusammenkn¸pft. Man kann last von
einer internationalen Loge reden.
Hans Hornscheidt, Velbert, Am Heidi eid 6.
Als niederl–ndischer  Gewerkschaftsjugend-
leiter ist meine feste Uberzeugung: Kein
Jazz in unserer Jugendarbeit. Bleiben wir
bei der uns verwandten Musik, und ich
glaube, wir k–nnen dann unserer Jugend
einen bedeutenderen Reichtum mitgeben.
Lernt einander achten, aber schluckt nicht
alles ohne Kritik.
Jan Velthuis, Paterswoldseweg 90,
Groningen (Nederland)
Der Jaizzrtikel spricht mir direkt aus dem
Herzen. Der Gr¸ndung einer so genannten
'Jazz-Gemeinschaft stimme ich voll und ganz
zu. Vielleicht bekommen wir sogar eine
eigene Band auf die Beine. Einen Omnibus
chartern und der Besuch einzelner Jam-
Sessions oder Jazzkonzerte w"re dann nur
noch eine Frage der Zeit und des Kapitals.
H. J. Leutz, Viersen, Gerberstr. 4.
H–÷rt eUCh eine Jozztrompete an, die sich
aus den begleitenden Instrumenten ãheraus-
arbeitet', und h–rt euch daneben die Ouver-
t¸re zu Richard Wagners ãFliegendem Hol-
l"nder' an, wenn die Blechbl"ser durch das
Orchester mit dem Holl"nder-Motiv brechen 1
Dann werdet ihr h–ren, was Musik ist. -
Die Menschen von heute spielen und h–ren
nicht Werke groþer Musiker, die lunge tot
sind, weil es zum guten Ton oder zur Bil-
dung geh–rt, sondern weil das geistige Erbe
dieser M"nner auch in unserer Generation
noch fortlebt. Die Menschen empfinden auch
heute noch echte Begeisterung, wenn sie
z. B. Beethovens Violinkonzert oder seine
IX. Symphonie h–ren, wenn Mozarts Fi-
garos Hochzeit' vor ihnen abrollt. Nur in
einem habt ihr recht: sie sind ohne Ekstase!
Und das ist gut so, denn Menschen in
Ekstase stehen vielleicht weit unter den
Tieren.
G¸nter Tiemann, Bochum, Joachimstr. 24.
Louis Armstrong h"lt sich die Ohren zu.
Schr"ge T–ne, von Dilettanten geblasen,
sind dem K–nig der Trompete ein Greuel.
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