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The History Collection

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Aufwärts
Jahrgang 4, Nr. 4 (February 24, 1951)

Bergien, Alfred
Bunda, der Karpatenbär,   pp. 10-11


Liebermann, Max
"Polospiel in Jenischs Park",   p. 11


Bücher,   p. 11 PDF (842.6 KB)


Page 11


Idc wusch dem B"ren die Wunde aus und
freute mich, als er sich endlich wieder r¸hrte.
Hein Larssen aber tobte vor meinem Zelt:
.Jetzt mach ich Schluþ! Ich schieþ es tot, das
Vieh', schrie er.
Diesmal war sein Zorn berechtigt, denn es
gab nur eine Erkl"rung: W"hrend der Hund
hilflos in der Falle saþ, hatte der B"r ihn zu
reiþen versucht. Das war schlimm, denn nun
konnte ich ihn nicht l"nger im Lager halten.
Dennoch, als Hein Larssen versuchte, Ernst
zu machen, schlug ich ihm das Gewehr aus
der Hand, und er war vern¸nftig genug,
daraufhin von dem Vorhaben abzustehen.
Aber gekl"rt war die Sache damit nicht.
Mittags, als wir von der Baustelle kamen,
waren die Tiere fort. Niemand hatte sie ge-
sehen, und Hein Larssen tobte wie ein Irr-
sinniger. Er hing sehr an dem Hund, aber
von dem Tier verstand er nichts, sonst h"tte
er wissen m¸ssen, daþ es sich ein Wund-
bett sucht, wenn es angeschlagen ist. Ich
h"tte ihn aufkl"ren k–nnen, aber es war
nicht mit ihm zu reden. Er schrie immerzu:
.Gnade Gott dem Vieh!"
Es war so, wie ich vermutet hatte. In halber
H–he des Hanges fand ich Bunda unter einem
dicht verfilzten Windbruch. Der Hund lag
neben ihm. Sie lagen friedlich und eintr"ch-
tig beieinander, und das hatte ich nicht er-
wartet. Hein Larssen, der mir miþtrauisch
nachgestiegen war, knurrte verlegen: .Ich
fresse einen Besen mit Stiel, wenn das nicht
dicke Freunde sind.'
Die Geschichte kl"rte sich am Abend auf,
als der rum"nische Vormann Pedru einen
toten Wolf in das Lager schleifte. Es war ein
alter, starker Wolf mit eisgrauem Sch"del
und dunkelm R¸ckenstreif. Der Rum"ne
hatte ihn in dem Geb¸sch dicht neben der
Falle gefunden. ,Bunda', lachte er, Bunda!"
Wir begriffen ihn erst, als wir den Wolf
untersuchten. Das R¸ckgrat war ihm zer-
schmettert, von einem Schlag, den nur der
B"r gef¸hrt haben konnte.
ãBraver Kerl!' sagte Hein Larssen ger¸hrt,
und er graulte Bunda das zottige Fell. Ich
sah unfroh zu, denn ich wuþte, daþ diese
Kraft bald hinter Gitterst"be muþte oder in
die wilden, freien Berge.
Von da an saþ Hein Larssen Abend f¸r Abend
in meinem Zelt, bis der Mond wie ein roter
Lampion ¸ber die Schlucht segelte. Selbst
Bunda sch"tzte den Mann jetzt, denn er war
nicht unempf"nglich f¸r Hammelkeulen, und
wir hatten unseren Spaþ daran, wenn der
B"r und der Hund gemeinsam an den Kno-
chen rissen.
Als die erste Lawine ¸ber den Hang pol-
terte, stand die Br¸cke, und die Lastwagen,
die uns in die Ebene bringen sollten, warte-
ten bereits. Hein hatte in aller Heimlichkeit
ein Unget¸m von einem K"fig schmieden
lassen. Am letzten Tage ¸berraschte er mich
damit. Der grobe Klotz stand ganz verlegen,
als er sagte: ãDu wirst sonst Schwierig-
keiten haben auf dem Transport.' Und Pe-
dru schlich mit einem ganzen B¸ndel Geld-
scheine um mich herum. Verkaufen Bunda",
sagte er, ãviel Lei." Es waren Lei genug,
die er f¸r Bunda bot. Aber ich wuþte mich
nicht zu entscheiden. Hein Larssen meinte es
gewiþ gut, aber ich konnte und wollte Bunda
nicht hinter Gittern sehen. Und Pedru hatte
ungute Augen.
Hier aber wuchsen die Berge in den Him-
mel, hier breitete sich der Wald ¸ber die
H"nge, hier war die Unendlichkeit, die Ein-
samkeit, die Bunda brauchte, um seine
junge, dr"ngende Kraft entfalten zu k–nnen.
Noch war er anh"nglich, weil er F¸hrung
brauchte, aber bald w¸rden ihm die Men-
schen l"stig sein, bald w¸rden sie seiner
groþen, wilden Tierheit fremd werden, auch
ich. Es w¸rde ein harter Winter f¸r ihn
sein, denn noch h"tte er die F¸hrung einer
alten guten B"rin gebraucht. Aber besser
als ein Leben hinter Gittern war es immer.
MAX LIEBERMANN
"Polospiel in
Jenischs Park"
Wir wohnen als Zuschauer
einem Polospiel bei, unsere
Pl"tze sind etwas weit vom
Rasen. Nat¸rlich sehen wir
die Spieler und verfolgen
den Ball; aber erkennen wir
audh alle Einzelheiten ge-
nau? Oder anders: nehmen
wir von unserem Standort
eigentlich nicht nur Farbe
flecke wahr? Die braunen
und weiþen Fl"chen nennen
wir PfeAde, Iie. bten 1ied-e
die Kleidung der Spieler, zu
den ovalen, sich ebenfalls ver"ndernden Formen
werden wir Gesichter sagen. Die Gesichtsz¸ge
selbst sind f¸r uns zu schwer zu erkennen, wir
befinden uns eben zu weit ab. Und trotzdem wis-
sen wir, worum es geht. Die Farbflecke werden
aneinandergesetzt, die unscharfen, sich st"ndig
"ndernden versdiwommenen Bilder dank unserer
Erfahrung, unserem Wissen, der unbewuþten
Kombinationsgabe zu einem sinnvollen Ganzen
geordnet.
Wollte ein Maler ein solches Bild naiv festhalten,
lediglich die optischen Eindr¸cke, ohne R¸cksicht
auf die Bedeutung der einzelnen Farbflecke, so
wurde der unge¸bte Betrachter vor einem solchen
Werk zun"chst verwundert den Kopf sch¸tteln. -
Tats"chlich gab und gibt es K¸nstler, die nur den
momentanen, optischen E i n d r u c k wiedergeben,
die Wirklichkeit, die Oberfl"che der Gegenst"nde,
Menschen und Tiere im flimmernden Licht, um-
h¸llt von der Luft, abschreiben. Ersetzen wir
aber das deutsche Wort ãEindruck" durch das
franz–sische Impression', so werden wir sofort
Ich sagte ihnen das, aber sie verstanden
mich nicht.
Am Nachmittag wurden die Motore ange-
worfen, und die Lastwagen setzten sich rum-
pelnd in Bewegung. Bunda sah dem Vor-
gang verwundert zu. Dann schien er zu be-
greifen. Auch er setzte sich in Trab. Aber
der Abstand vergr–þerte sich rasch. Ver-
bl¸fft, staunend sah er uns nach, und pl–tz-
lich hockte er sich auf die Keulen und jam-
merte wie damals, als wir ihm die Mutter
nahmen.
Die Br¸cke. Rtman von Francis Stuart. Cusanus-
Verlag, Trier, DM 8.-.
Was wissen die Menschen ¸ber ihre Seele?
Was wissen wir wirklich ¸ber das Denken und F¸hlen
derjenigen, die uns am n"chsten stehen, die rechts
und links von uns leben? Francis Stuart weiþ mehr
¸ber uns, als wir selbst. Er laþt uns in seinem
Roman Die Br¸cke' uns selbst erleben.
Die Menschen unserer Tage begegnen sich in diesem
Buch, und man sp¸rt vom    ersten Moment, auf der
ersten Seite, wie sehr wir selbst Mitspieler sind in
diesem Leben. Das ist die hohe Kunst, auszudr¸cken
und in eine sch–ne Form zu gieþen, was die Menschen
tats"chlich denken.
Elendsquartiere findet nian ¸berall, nicht nur in
Irland und nicht nur in England. Und die Geschichten,
die sich da anspinnen, dieses t"gliche Geschehen, was
in so vollendeter Form auch von der Ubersetzerin
Ruth Wieland ins Deutsche ¸bertragen worden ist,
spinnen sich ¸berall in der Welt an, wenn es auch
nur wenige wahrhaben wollen.
Selten  habe  ich   Menschen  so   echt  geschildert
gefunden - in ihrer heutigen geistigen Verfassung -
wie in diesem Roman von Francis Stuart. Es ist nur
eine Frage der Vernunft, ob solch ein reifes Werk
wie das vorliegende, das im Cusanus-Verlag Trier
erschienen ist, und das solch menschliches Elend so
klar und deutlich aufzeigt, auch jedem Jugendlichen
ohne weiteres zu empfehlen ist.
begreifen, daþ es sich hier um die Kunst der Im-
pressionisten handelt. Von Paris ging dieser Stil
aus, und in den ersten impressionistischen Aus-
stellungen konnten die Betrachter mit derartigen
Gem"lden auch nichts anfangen und gingen mit
St–cken und Schirmen emp–rt auf diese Bilder
los. Auch in Deutschland hat dieser Stil Schule
gemacht, und unsere drei groþen Impressionisten,
Max Liebermann (1847-1935), Lovis Corinth (1858
bis 1925) und Max Slevogt (1868-1932) wurden
ebenfalls nicht gleich verstanden.
Nun betrachten wir ein solches Bild von weitem,
werden sich die Farben, die Formen und Flecke
in unserem Auge sogleich zu einer Einheit, zu
einer lebensnahen Wirklichkeit zusammenschlie-
þen.  So erkennen   wir in L i e b e r ma n n s
Polospiel in Jenischs Park' durch die
leicht schimmernde Luft Spieler und Pferde, und
es geht von diesen wie zuf"llig hingesetzten Ge-
stalten ein Tempo aus, eine Bewegung, eine spie-
lesische Lebendigkeit. Und in der Art, wie der
momentane Eindruck locker und scheinbar zuf"llig
gemalt ist, liegt auch ein Zauber.      -tt--
Wir alle sahen still zu Boden. Nur der
Hund tobte am Riemen, und Hein Larssen
hatte M¸he, ihn zur¸ckzuhalten. Als aber
der B"r unseren Blicken entschwand, lieþ
Hein Larssen den Hund los, und Puma setzte
mit einem Sprung vom Wagen und strebte
in langen S"tzen den Hang hinauf. Hein
Larssen sah ihm nach, bis ihm die Augen
in Wasser schwammen. Dann schneuzte er
sich verlegen und knurrte: Vielleicht kom-
men sie zu zweit besser durch die weiþe
Not."
F¸r jeden Menschenf¸hrer und Gruppenleiter kann
es nur bedeuten, daþ er durch die Erkenntnisse dieses
Buches seine eigenen Erkenntnisse erweitern und
vielleicht richtigstellen kann.   Hans Trawinski.
"Die Entwcktiing der –ffeintlicben Berufsberatung In
Deutschland" von Dr. Adolf Hartwig, D¸sseldorf,
herausgegeben und zu beziehen durch das Arbeits-
ministerium  Nordrhein-Westfalen -  Pressestelle in
D¸sseldorf, August-Thyssen-Str. 1, Format DIN A 5,
Die Berufsheratung ist zu einem wesentlichen Bestand-
teil im Zugang zum Beruf geworden. Wir sind nicht
immer mit der Berufsberatung zufrieden gewesen. In
den Zeiten des Dritten Reiches ist sie allzusehr von
ihrer urspr¸nglichen Aufgabe abgewichen. Sie diente
damals weniger einer wirklichen Berufswahl denn
einer zweckgebundenen Nachwuchslenkung mit stark
wehrbezirkskommando"linlichem Einschlag. Glucklicher-
weise hat sich die Berufsberatung nach dem Kriege
langsam wieder zu einer verantwortlichen Beratung
und Betreuung der vor der Berufswahl stehenden
Jugendlichen gestaltet. Trotzdem steht die Jugend der
Berufsberatung noch mit sehr viel Skepsis gegen¸ber.
Die Brosch¸re von Dr. Adolf Hartwig ist deshalb
unseren Jugendfi.iktion"ren zum Studium ganz beson-
ders zu empfehlen. Der Verfasser, der im  Landes-
arbeitsamt Nordrhein-Westfalen t"tig ist, hat in sehr
ubersichtlicher und instruktiver Art die geschichtliche
Entwicklung der Berufsberatung seit der Jahrhundert-
wende dargestellt und cie Beweggrunde, die zur offent-
lichen Berufsberatung f¸hrten, aufgezeigt. Er hat damit
insbesondere auch die ideenm"þigen Wandlungen, denen
die Berufsberatung unterworfen war, herausgearbeitet.
Das kennenzulernen, ist allen Jugendlichen anzuraten,
damit sie zur Berufsberatung das rechte Verh"ltnis
finden. In einem Anhang sind dann noch alle f¸r die
Entisickluna der Berufsberatung wichtigen Gesetzes-
texte zu finden. Dadurch bietet die Brosch¸re eine
wertvolle Unterlage zur Jugendgruppenarheit und zur
Aufkl"rung der Jugendlichen ¸ber Sinn, Zweck und
Wert einer guten Berufsberatung als vorbereitende
Maþnahme der richtigen Berufswahl.           J. L.
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