University of Wisconsin Digital Collections
Link to University of Wisconsin Digital Collections
Link to University of Wisconsin Digital Collections
The History Collection

Page View

Aufwärts
Jahrgang 4, Nr. 3 (February 10, 1951)

Ro.
Olympiade Sport in der Weltgemeinschaft,   p. 12


Page 12


1948: Er–ffnung der Olympiscien Spiele in London. 19,52 finden sie
in Helsinki statt  lmit oder ohne
Deutschland?                                                            
                Foto: ripa
0       L Y       M        P    1 A         D     E       Sport in der Weitgemeinschaft
Es mehren sich die Stimmen im Ausland f¸r
eine Beteiligung der deutschen Sportler auf
der Olympiade in Helsinki 1952. Dabei gehen
unsere Erinnerungen weit zur¸ck in die An-
f"nge der Zeitgeschichte des Olympischen
Gedankens, der V–lkervers–hnung, des Sich-
verstehens aller Menschen auf dieser nicht
immer friedfertigen Welt.
In St. Louis waren die Olympischen Spiele
1904 so etwas wie Sportkarneval. 1900 in
Paris nicht minder. Viele Nationen fehlten
(siehe London 1908) seit Griechenlands gro-
þem olympischen Akt in Athen. Seit dieser
Zeit hat der olympische Geist im letzten
halben Jahrhundert einen starken Riþ erhal-
ten. Das prunkhafte Amerika vertrug sich
nicht mit dem puritanischen England; 1908 in
London marschierten die Finnen ohne Fahne
ein, um nicht die russische Flagge mitf¸hren
zu m¸ssen, der Marathonlauf brachte tage-
lange Proteste. In Antwerpen sp¸rte man
1920 noch die Nachwehen des Weltbrandes,
als die Tschechen gegen Belgien wutschnau-
bend den Platz verlieþen. 1928 boykottierten
deutsche Turner die Amsterdamer Spiele.
1932 wurden in Los Angeles dem gr–þten
L"ufer aller Zeiten, Nurmi, die Amateur-
eigenschaften abgesprochen, und er saþ resi-
gnierend auf der Trib¸ne.
Adolf Hitler, der blutr¸nstigste Diktator
aller Zeiten, t"uschte 1936 bei der Berliner
Olympiade die Welt ¸ber seine wirklichen
Kriegsabsichten und verlieþ ostentativ die
Loge, als der schwarze Jesse Owens den
rassischen Vertretern ¸berlegen davonlief.
Guerillatruppen  versuchten  ein  Attentat
unter F¸hrung des Nationalisten Marcos auf
das olympische Feuer. Das griechische Kriegs-
schiff stach unter Kanonendonner mit dem
letzten Uberbringer des Feuers in See.
Wir sehen, die Atmosph"re in der ganzen
Welt war irgendwie vergiftet, und es scheint
uns, daþ wir auch heute nicht alle chauvini-
stischen Krankheiten abzusch¸tteln vermoch-
ten bis in die j¸ngsten Tage hinein. Und des-
halb geh–rt unser Herz besonders dem olym-
pischen Gedanken, aber keineswegs in Ver-
kennung der Schwierigkeiten, die sich ihm
entgegenstellen.
London war mit seiner Olympiade 1948 ein
hoffnungsvoller Stein auf dem Wege der
Verwirklichung des olympischen Gedankens.
Vertreter von 62 Nationen waren erschienen,
Deutschland, Ruþland und Japan fehlten.
Eine halbe Million Besucher stellte f¸r das
Inselreich in dieser Zeit der schwierigsten
Ern"hrungs- und Unterbringungsm–glichkei-
ten keine leichte Aufgabe dar. Aber die
n¸chternen Briten schafften es, ruhig, ab-
gekl"rt, sachlich!
Wenn also jetzt Helsinki 1952 lockt - auch
f¸r uns Deutsche, ohne daþ wir uns aufdr"n-
gen -, dann sollen wir froh sein. N–tiger
denn je scheint die bucklige Welt den Geist
des Friedens und der V–lkervers–hnung zu
haben. Aber vergessen wir nicht, was hinter
uns liegt und was auch heute noch dem
olympischen Geist kontr"r entgegensieht.
Selbst bei uns geistern die Berufsspielersorgen
durch die Lande, allzu weit haben wir uns
auch in Deutschland entfernt vom ideellen
Amateursportgedanken, vom Volkssport auf
breitester Grundlage. Exzesse auf den Sport-
pl"tzen steigern sich, Schiedsrichter werden
miþhandelt, und Bierflaschen fliegen in die
Boxringe. Unterschlagungen mehren sich, und
das Fair play des Sports scheint in Verges-
senheit geraten zu sein. Ehe wir uns nicht
durchgerungen haben zu einer vollen Be-
jahung des ideellen Sportgedankens, sollten
wir ehrlicherweise nicht mit dem Plan der
Beteiligung an der n"chsten Olympiade um-
gehen.
Innerlich sauber und korrekt in der "uþeren
Haltung m¸ssen wir sein, wenn wir mit dem
olympischen Geist die Gedanken von Baron
Pierre de Coubertin verbinden, des franz–si-
schen Feuerkopfes, der 1894 einen Sport-
kongreþ in die Sorbonne nach Paris einberief
und die Wiedereinf¸hrung der Olympischen
Spiele durchsetzte. F¸nf in sich geschlossene
Ringe bedeuteten f¸r ihn die Weltgemein-
schalt der f¸nf Erdteile. Pierre de Coubertin
organisierte, schaffte mit dem Weiheakt des
Einmarsches der Jugend mit den Symbolen
ihrer L"nder und die stets unvergeþliche
Siegerzeremonie bei den Olympiaden die
Voraussetzung f¸r die sp"tere Entwicklung.
In Prag rief dieser ideale Typ des Sport-
f¸hrers vergangener Zeiten die Vertreter
aller Nationen 1925 zusammen, besprach die
internationale Situation, dankte, 62j"hrig,
ab und blieb als Ehrenpr"sident auch dann
noch der groþe Mann im Sport, als sein
Nachfolger Baillet-Latour l"ngst die Gesch"fte
im Olympischen Komitee ¸bernommen hatte.
Dieser Sportsmann und Weltb¸rger, P"d-
agoge und Philantrop, starb 1938 im 74. Le-
bensjahr in Genf und ruht im Ehrengrab von
Lausanne. Nur wenn wir in seinem Geist das
uns noch Trennende zwischen den Nationen
¸berwinden und Sportler mit einer sauberen
Grundausrichtung sind, werden Helsinki und
die folgenden Olympiaden f¸r die Jugend
und die friedlichen V–lker der Welt einen
Gewinn bedeuten.                -Ro. -
.              .                               1        1
Zu Ehren des t–dlich verungl¸ckten fran-
z–sischen Autorennfahrers R a y m o n d
S o m m e r soll ein Denkmal errichtet
werden, dessen Bau durch einen 5-Francs-
Zuschlag je Eintrittskarte bei den dies-
j"hrigen Autorennen in Frankreich finan-
ziert wird.
Bei einer Bev–lkerung von etwa vier Mil-
lionen Einwohnern hatD"nemark 325000
Fuþballer, die in 1200 Klubs zusammen-
geschlossen sind. Seit Einf¸hrung des
Fuþballsportes hat die d"nische National-
mannschaft 168L"nderspiele ausgetragen.
Es wurden 87 Siege bei 59 Niederlagen
und 22 Unentschieden verzeichnet. Seit
dem Kriege wurden 39 L"ndertreffen ab-
solviert, von denen 21 gewonnen, 15 ver-
loren wurden, w"hrend drei unentschie-
den endeten.
Emile Zatopek, die tschechische Lokomo-
tive', erscheint zuk¸nftig auf den Brief-
marken der CSR, eine Ehrung, mit der
die gesamte tschechische Leichtathletik
angesprochen werden soll.
In Holland wurde ein neuer "Hockey-
rekord' aufgestellt. In Nijmegen stellt
die Familie Verhey eine aus elf Spielern
bestehende "Familien-Mannschaft'. Diese
holl"ndische Familienelf hat jetzt eine
Herausforderung erlassen, um gegen an-
dere ãFamilien-Mannschaften' ihr K–nnen
zu beweisen.
Deutschland hat die internationalen Be-
stimmungen des Amateur-Boxsportes ¸ber-
nommen. Man wird also in Zukunft audi
bei uns keine Box-Acht', sondern eine
.Box-Zehn' vor allem auch als National-
mannschaft sehen. Die Erweiterung ge-
schah im Weltergewicht, das um zwei
Klassen vermehrt wurde.
Fliegengewicht:
Bantamgewicht:
Federgewicht:
Leichtgewicht:
Halb-Welter:
Weltergewicht:
Schwer-Welter:
Mittelgewicht:
1 Ialbschwergewicht:
Schwergewicht:
bis 51 kg
bis 54 kg
bis 57 kg
bis 60 kg
bis 63,5 kg
bis 67 kg
bis 71 kg
bis 75 kg
bis 81 kg
ab 81 kg


Go up to Top of Page