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The History Collection

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Aufwärts
Jahrgang 3, Nr. 10 (May 22, 1950)

Johny, der Teufelskerl,   p. 5 PDF (731.7 KB)


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Auch ich bin f¸r Schiller und C,–the. Aber
manchmal muþ ich mich entspannen. Beson-
ders wenn ich m¸de bin, mag ich Schiller
nicht lesen. Er ist so kompliziert. Dann lege
ich mich auf unser altes Sofa und drehe den
Volksempf"nger an. Jazzmusik kann ich nicht
leiden. Die ist so verruckt, und ich mulþ
immer aufpassen. Aber die Caprifischer sind
immer sch–n. Die machen so ruhig. Und
manchmal merkt man gar nicht mehr, daþ
das Radio spielt. Ich lese dazu nette span-
nende Sachen. Das Geheimnis der Sphynx
von John Kling oder Fred Holms Aben-
teuer. Am liebsten lese ich aber  Wahre
Geschichteni f¸r 50 Pfennig. ,Johnv wird
ein groþer Mann' war richtig schon. Johnv
war auch ein Schlosserlehrling wie ich. Und
wie er zum erstenmal das bezaubernde L"cheln
von Gloria Lindstromn in sich aufnahm, da-
mals, als er allein in der Garage war und
in ihrem Achtzvlinder-Buick die Z¸ndkerze
vom f¸nften Zylinder einen Wackelkointakt
hatte und Johnv das gleich bemerkte, da-
mals lieþ er sich auch nicht tr"umen, daþ er
sie sp"ter aus den H"nden des M"dchen-
h"ndlers Roderigo y Gorgonzola befreien und
an ihrer Seite ein Leben voll Gl¸ck und
Reichtum verbringen durfte. - Das Gesicht
von unserem Alten m–chte ich sehen, wenn
ich eines Tages in allen Zeitungen siehe und
mit einer tollen Frau nach Rio fliege. --
Beim Johnv hat es auch lange gedauert, bis
die anderen merkten, daþ er ein Teufelskerl
ist. Aber in dem Tunnel, wo der Roderigo
ihn mit der Gloria eingemauert hatte, da
hatte er drei Tage hintereinander nichts ge-
gessen und seine Zigaretten Gloria geschenkt,
weil sie so Hunger hatte. Der Trick mit dem
Entl¸ftungsrohr war eigentlich gar nicht so
toll. Ich h"tte einfach ein paar Schrauben
von den Schienen losgemacht und die am
Felsen geschliffen und in die Mauer geschla-
gen. Und dann h"tte ich Gloria auf den Arm
genommen und w"re mit ihr hinausgestiegen.
Mit Erika habe ich Schluþ gemacht. Sie sagt
immer: Du bist dumm. Sie will immer Geld
sparen und g–nnt mir keine Zigaretten und
kein Kino. Wie ich aus dem Abendkursus
ausgetreten bin, weil mir die Geometrie zum
Hals raush"ngt, wurde sie frech und fragte
mich, ob ich immer nur die Garage sauber
machen wollte. Ich weiþ, daþ ich andere
Chancen habe. Alle Detektive waren nicht
im Abendkursus. Und ¸berhaupt, Erika kotzt
mich an. Gloria Lindstr–m ist schick, rassig.
Und wie die k¸þt. Die Seite mit ihrem Bild
habe ich ¸bers Bett geh"ngt. Nur so eine
Frau heirate ich.
Herbert hat auch die Geschichte von Johnv
gelesen. Er sagte, sie sei Quatsch. Und ich
soll lieber vern¸nftige Sachen lesen...'
* Nat¸rlich ist sie Quatsch. Nicht nur die Ge-
schichte vom Johnv. Quatsch sind alle die
Geschichten, die allabendlich von hundert-
tausend Jungen und M"dchen aus schrnieri-
gen Heften gierig gefressen v. erden. Aber
die Wirkung dieser Lekt¸re ist bitter ernst
zu nehmen. Sie ist Opium f¸r das Volk. Sie
verf¸hrt den Menschen, sich im Traum aus
dem Elend zu fl¸chten, und hindert ihn, durch
seine eigene Kratt und durch die geschlos-
sene Aktion der Arbeiterschaft den Weg zu
einem besseren Leben zu hinden. ãDer Feind,
den wir am tiefsten hassen, das ist der Un-
verstand der Massen!' heiþt es in einem
alten Kampflied der deutschen Arbeiter-
bewegung.
in Hamburg die Freie Deutsche Jugend
am 10. M"rz auf Antrag der Gewerk-
schaftsjugend aus dem Hamburger Ju-
gendring' ausgeschlossen wurde? Die
Zusammenarbeit mit der FDJ wird sofort
abgebrochen.
in Kiel die  Falken' einen Antrag auf
Ausschluþ der FDJ aus dem Landes-
jugendring Schleswig-Holstein stellten?
Der Antrag wird damit begr¸ndet, daþ
die FDJ versuche, in anderen Jugend-
organisationen Unruhe zu stiften.
in K–ln die FDJ von der k¸nftigen Mit-
arbeit im K–lner Jugendring' ausge-
schlossen wurde? Der K–lner Jugendring
begr¸ndet seine Maþnahme mit der par-
teipolitischen Bet"tigung der FDJ.
in Hannover die Jungsozialisten einen
Aufruf an alle demokratischen und frei-
heitlichen Jugendorganisationen verk¸n-
deten, jede Zusammenarbeit mit der FDJ
abzulehnen? Die Jungsozialisten warnen
vor der Teilnahme am Pfingsttreffen der
FDJ in Berlin.
in Altenberg beschlossen wurde, daþ der
Bund der Deutschen katholischen Jugend
in Zukunft nicht mehr mit den offiziellen
Vertretungen . der  FDJ  zusammenar-
beiten will?
der Sundesaussdcuþ des Deutschen Ge-
werkschaftsbundes in D¸sseldorf auf An-
trag des DGB-Bundesjugendausschusses
seine Beziehungen zur Freien Deutschen
Jugend abbrach? Alle Organe des Deut-
schen Gewerkschaftsbundes wurden auf-
gefordert, sich nach dem Beschluþ des
Bundesaussdcusses zu richten. Als Grund
f¸r den Abbruch der Beziehungen f¸hrt
der DGB u. a. die W¸hlarbeit der FDJ
innerhalb der Arbeit der Gewerkschafts-
jugend an.
das Zentralb¸ro der Freien Deutschen
Jugend in FrankfurtMain ein Protest-
schreiben an den Bundesvorstand des
Deutschen Gewerkschaftsbundes in D¸s-
seidorf richtete? Das Schreiben wendet
sich gegen den Beschluþ des DGB, die Zu-
sammenarbeit mit der FDJ einzustellen.
Im Schreiben betont die FDJ, sie sei im-
mer f¸r eine Gewerkschaftsbewegung
eingetreten, die den Werkt"tigen diene.
Die FDJ-Arbeit stehe auþerdem unter dem
Motto ãJeder FDJler ein guter Gewerk-
schafter'.
300 Jungsozialisten des Bezirks S¸dbayern
und 43 –sterreichische Angeh–rige der
Sozialistischen Jugend auf einer Arbeits-
tagung in Weilheim die Bildung einer
einheitlichen Sozialistischen Jugendbewe-
gung forderten? Die Jugendlichen richte-
ten ein entsprechendes Schreiben an den
Parteivorstand der SPD.
das Internationale Institut Schloþ Mainau
von April bis Oktober d. J. 17 Kurse und
Konferenzen veranstalten wird? Es sind
vorgesehen: Kurse f¸r Jungarbeiterver-
treter, Pfarrer und Theologiestudenten,
CVJM-Schriftleiter und f¸hrende Mit-
arbeiter des CVJM.
das neue Urlaubsgesett f¸r Jugendliche
jetzt vom Bayrischen Landtag angenom-
men wurde? (Siehe ãAufw"rts' Nr. 3
S. 3.) Danach erhalten Jugendliche bis zu
16 Jahren 24 und Jugendliche zwischen
16 und 18 Jahren 18 Tage Urlaub. Der
Sozialpolitische Ausschuþ des Landtages
hatte vorgeschlagen, der ersten Alters-
klasse 24 und der zweiten 21 Tage zu
gew"hren.
Wir kommen darauf zur¸ck. (Die Red.)
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