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The History Collection

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Aufwärts
Jahrgang 3, Nr. 10 (May 22, 1950)

Ginhold, W.
"Aussprechen, was ist"...,   pp. 2-3


Page 3


Das sind die Volkspolizisten. zackig, bewaffnet, ausgerichtet.
Das ist schamlose und ¸belste Hetze gegen
den   westdeutschen  Gewerkschaftsf¸hrer
Hans B–ckler, der z. B. nicht wie in der Ost-
zone so ¸blich, ,berufen' worden ist, son-
dern der durch das Vertrauen von Millionen
gewerkschaftlich organisierter Arbeiter, An-
gestellten und Beamten an die Spitze des
DGB g e w " h l t worden ist. Hier wird die
L¸ge als ein bewuþtes Kampfmittel benutzt.
Der stellv. Ministerpr"sident der Ostzone,
Walter Ulbricht, kommentierte am 8. Fe-
bruar 1950) vor der provisorischen Volks-
kammer der Deutschen Demokratischen Re-
publik das Jugendgesetz. Darin sind die
Grundgedanken der ganzen Jugendarbeit
wie folgt festgehalten:
äEine gebildete, k–rperlich gesunde, kr"f-
tige und ihren Auffassungen und ihrem
Streben fortschrittliche Jugend sichert
ein einheitliches, demokratisches und
iriedliebendes Deutschlind.'
' hricht erl"uterte diesen Grundsatz w–rtlich:
,Jeder Jugendliche soll ein bewuþter
Demokrat wserden, der weiþ, awer die
Freunde und wer die Feinde des Volkes
sind. Jeder Jugendliche muþ die Quellen
der Kriegsprovokationen kennen, von
tiefem Haþ erf¸llt sein gegen den Im-
perialisnius, gegen jene Deutsche, die zu
Werkzeugen der imperialistischen Unter-
dr¸ck-ung und Kriegspolitik in West-
deutschland geworden sind.'
,Von Haþ erf¸llt sein'  - das wurde uns
schon einmal gelehrt. Unter "hnlichen Vor-
zeichen eines Flaþgesanges wurden Mil-
lionen deutscher junger Menschen geopfert.
Dies muþ ein Mahnmal f¸r ewige Zeiten
bleiben. Nicht durch Haþ, sondern durch
Verst"ndigung wird der Friede in unserem
Volke selbst und zwischen den V–lkern an-
derer L"nder gesichert.
Die Propagandisten der Ostzone sind aus-
gezeichnete Psychologen und verstehen es,
die deutsche Jugend bei ihrer besonderen
Empfindlichkeit f¸r Disziplin, Helden- und
M"rtyrertum anzusprechen. So gibt es im
Osten auch wieder ein Leistungs-Sportab-
zeichen, das den Namen tr"gt:
"Bereit zur Arbeit und zur Verteidigung des
Friedens.'
In dem schon einmal zitierten Jugendgesetz
k–nnen wir u. a. folgendes lesen:
.Das neue Heidentum unserer Jugend
wird seinen Ausdruck finden in den
hohen Leistungen der Arbeitsaktivisten.
Das Heldentum der Jugend der neuen
Zeit wird seinen Ausdruck finden in der
h–chsten Pflichterf¸llung gegen¸ber ihrem
Vaterland, das Demokratisches Deutsch-
land heiþt . . .'
Wenn die FDJ in der Tat eine echte
deutsche und politisch unabh"ngige Jugend-
organisation ist, wie sie es immer be-
hauptet, dann kann sie dies zu ihrem
Pfingsttreffen in Berlin vor der Welt–ffent-
keit unter Beweis stellen. wenn sie fordert:
daþ in der Ostzone ebenso wie im Westen
D' utschlands alle Jugendorganisationen, wie
z. B. die katholische und die evangelische
Jugend, die Sportjugend, die Falken und
Naturtreunde, die Getwerkschaftsjugend, die
Piadfindergruppen usw., ein freies und un-
eingeschr"nktes Bet"ligungsrecht erhalten;
daþ M–glichkeiten geschaffen werden, um
Jugendschrifltum, Zeitungen,  Zeitschriften
und sonstige Literatur sowie Filme aller
Art von Zone zu Zone ohne Zensur und
sonstiger Behinderung wieder ausgetauscht
werden k–nnen;
daþ die Zonengrenzen ohne Paþ und sonsti-
ger Behinderung in voller Freiheit passiert
w erden k–nnen und ohne damit die Bedin-
gung zu verkn¸pten,
daþ die f¸r den 15. Oktober 1950 in der
Ostzone geplanten Wahlen unter Kontrolle
der vier Besatzungsm"chte und deutscher
Organe frei und geheim durchgef¸hrt werden;
daþ m–glichst noch in diesem Sommer Ju-
gendliche der Ostzone wenigstens auf die
Dauer von 8 bis 14 Tagen die Jugend-
Propaganda ¸berall. Tanz unter Fuhrerbildern'.
herbergen, Jugendheime und Zeltlager der
Jugendorganisationen in der Bundesrepublik
besuchen und im Austausch hierf¸r Jugend-
liche aus dem Westen Einrichtungen "hn-
licher Art und f¸r die gleiche Dauer im
Osten aufsuchen, denn das pers–nliche Ge-
spr"ch von Jugend zu Jugend wird ein prak-
tischer Schritt zur Verst"ndigung sein.
Die gesamte deutsche Jugend ist f¸r Frei-
heit, Frieden und f¸r Beseitigung der Zonen-
grenzen. Wir w¸nschen die Einheit Deutsch-
lands, in der das eigene Denken und Wollen
der Staatsb¸rger garantiert ist. Wir fordern
Freiheit des Glaubens und der Meinung. Wir
bekennen uns zur echten und wahrhaften
Demokratie und lehnen ganz entschieden
den totalen Staatsgedanken ab. Die deutsche
Jugend muþ endlich aus den Erfahrungen
und Leiden der Vergangenheit lernen. Nicht
mit Mitteln der Propaganda, mit Schlag-
w–rtern und Phrasen, sondern mit der Kraft
unserer pers–nlichen Freiheit, mit Sachlich-
keit und Liebe m¸ssen wir um Uberzeugung
ringen.                       W Ginhold
Gewalt! Als das Volk in seiner ¸bergroþen Mehrheit f¸r
ein freies Berlin war, da st¸rinten
FDJ, SED und Volkspolizei das Berliner Rathaus.
Ii


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