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The History Collection

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Aufwärts
Jahrgang 3, Nr. 4 (February 25, 1950)

Würstlin, K., Dr.
Die Flugmaschine,   p. 11


Page 11


Den ganzen Tag war ich gewandert. Meine
F¸þe brannten. Ich war froh, endlich am
Ziel angekommen zu sein.
Vor meinen Augen dehnte sich blendend
-weiþ, schier endlos, die groþe weite Ebene~
aus. Wie die Wellen eines Meeres, wie die
Falten eines Tuches zogen sanfte H¸gel-
ketten und T"ler dahin. Keine andere Form,
keine andere Farbe und kein lebendes We-
sen waren darin zu sehen. Soweit das Auge
reichte, nur die endlose, weiþe Weite.
Erm¸det von   dem   einf–rmigen  Anblick
legte ich mich auf den R¸cken, die Arme
unter dem  Kopf verschr"nkt. Geblendet
schloþ ich die Augen.
Da ertonte,  kaum   vernehmbar   zuerst,
zart und fein ein fernes Summen an mein
Ohr. Es, verstarkte sich und kam rasch
n"her. Ein kleinei Punkt in der Weite l–ste
sich vom Horizont, flog hoch ¸ber mich hin.
um binter mir wieder verschwindend zu
verstummen. M¸de schloþ ich wieder die
Augen.
Allein  es w"hrte  nicht lange, bis das
Summen wiederkam. Sie schien mich be-
merkt, das einsame Menschenantlitz in der
weiten Weiþe erkannt zu haben. Sie schien
sich f¸r mich zu interessieren. Sie flog meh-
rere groþe Kreise ¸ber mir, dann, nach
einigen beobachtenden Spiralen, war sie
wieder am Horizont verschwunden.
Doch die Ruhe dauerte nicht lange. Schon
h–rte ich sie w ieder brummen. Als ob sie
in Hast Vers"umtes nachholen wolle, st¸rzte
sie sich aus groþer H–he mit heulenden'
Ton herunter, flog mit Get–se ganz dicht
¸ber mich weg und stieg wieder in die
H–he, um das gleiche Man–ver mehrfach zu
wiederholen. Das hartn"ckige Interesse an
meiner Person machte mich langsam nerv–s.
Man weiþ ja schlieþlich aus Erfahrung, daþ
ihresgleichen meist nichts Angenehmes mit
uns vorhaben. Ich war froh, als sie sich
schlieþlich in einem der T"ler, die vor mir
lagen, meinen Blicken entzog.
Aber meine Ruhe war nun dahin, ich ver-
mochte meine Augen nicht mehr geschlos-
sen zu halten. Jetzt durfte ich keinesfalls
vor mich hind–sen. Es galt auf der Hut zu
sein. M–glicherweise war ich gerade in die-
sem Augenblick das Objekt heimlicher Be-
obachtung, oder man schlich bereits, gedeckt
durch die H¸gelwelle, auf mich zu.
In der Tat, ich brauchte nicht lange zu
warten. Mit einem fast vertikalen Start
erhob sie sich wieder mit w¸tendem Brum-
men aus der Senke, und ehe ich es mir
versah, flog sie mit einer derartigen Ge-
schwindigkeit an meiner Seite vorbei, daþ
ich ihr nicht schnell genug mit dem Kopf
folgen konnte. Es muþte sich um einen aanz
besonders wendigen Typ handeln, denn
kaum hatte ich mich von meinem Schreck
erholt, als sie auch schon wieder von hin-
ten so knapp an mir vorbei schoþ, daþ ich
den Fahrwind versp¸rte. Sie drehte v-or
meinen Augen eine tolle Kurve. und setzte
dicht vor mir auf der weiþen Fl"che auf.
Deutlich konnte ich erkennen, wie sie das
Fahrgestell ausfuhr, wie  die  metallisch
schimmernden Flachen, die sich vom Rumpf
abhoben, in der Sonne gl"nzten. Eine ner-
v–se Spannung lag in der Luft. Ihre feind-
liche Absicht war nunmehr klar. Ich hatte
deutlich das Empfinden, daþ man mich mit
absch"tzenden  Blicken  aus den  groþen
funkelnden  Bordfenstern  anstarrte.  Sie
schien nun zum eigentlichen Angriff an-
setzen zu wollen.
Eine kleine Fliege nur! Und doch tausend-
mal vollendeter, tausendmal zweckm"þiger
gebaut, tausendmal genialer konstruiert als
die neueste und modernste Superfestung!
Dr X, W¸rstlin.
f: ~..1,it'
Sfa rr schlief der Bach. tot lag der Grund.
Nun faut der Schnee, nun schmilzt das Eis.
Nun tut sich auf des Lebens Mund
und atmet lief und l"chelt leis'
und murmelt staunend vor sich hin,
so wie ein Kind nach langer Nacht,
wenn nebelnd-wirre Tr"ume flieh'n,
zum klaren Morgen auf erwacht.
Dr. Owigiass
lAts Und, ewiq rollt das R0d der Zeit. Erschienen in der Nymphenburger Verlagsh~ndlung,
\Munchen.s
Als der Krieg aus war,  NA    H   DENK           C        Wanzi.g waren,
schos-
kam  der Soldat nach                                     sen sie mit Gewehren
Haus. Aber er hatte        ,,>       ,     ,ggninander. Als sie
kein Brot. Da sah er                         4>,          zweiundvierzig
waren,
einen, der hatte Brot.    ez-      chic þ(    eit         warfense
   sc    i
Den schlug er tot..,Du                                    Bomben. Als sie
zwei-
darfst doch keinen totschlagen', sagte der  undsechzig waren, nahmen sie
Bakterien.
Richter. ,,Warum nicht?" fragte der Soldat. Als sie zweiundacht zig
waren, da starben
Als die Friedenskonferenz zu Ende war,  sie. Sie wurden nebeneinander begraben.
gingen die Minister durch die Stadt. Da  Als sich nach hundert Jahren ein
Regen-
kamen sie an einer Schieþbude vorbei.   wurm   durch ihre beiden Gr"ber
fraþ,
-Mal schieþen, der Herr?' riefen die    merkte er gar nicht, daþ-hier
zwei ver-
.M"dchen mit den roten Lippen. Da nahmen  schiedene Menschen begraben waren.
Es
die Minister alle ein Gewehr und schos-  waar dieselbe Erde.  Alles dieselbe
Erde.
sen auf kleine M"nner aus Pappe. Mitten
im Schieþen kam eine alte Frau und
nahm ihnen die Gewehre weg. Als einer   Als im Jahre 5000 ein Maulwurf aus
der
der Minister es wiederhaben wollte, gab  Erde herausguckte, da stellte er
beruhigt
sie ihm eine Ohrfeige. Es war eine Mutter.  fest: Die B"unie sind immer noch
B"ume.
Es waren einmal zwei Menschen. Als sie
zwei Jahre alt waren, da schlugen sie
sich mit den H"nden. Als sie zw–lf Jahre
alt waren, schlugen sie sich mit St"cken
und warfen mit Ste:-ien. Als sie zweiund-
heben immer noch ihr Bein. Die .Sonne
und die Sterne, das Moos und das Meer
und die M¸cken: sie sind alle dieselben
geblieben. Und manchmal -manchmal
trifft man einen Menschen. H. Bordeaux
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