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The History Collection

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Aufwärts
Jahrgang 3, Nr. 3 (February 11, 1950)

Cremer, Hanna L.
Margret verkauft Bücher,   p. 13


Back, Claus
Herz in Kohlenstaub,   p. 13


Page 13


MARGRET VERKAUFT BUCHER
,Die beste Pr¸fungsarbeit hat diesmal Fr"u-
lein Margret geschrieben', sagt der Leiter
der Buchh"ndler-Fachschule und reicht dem
groþen M"del mit den klaren Augen, das
ihn etwas verdutzt ansieht, l"chelnd die
Bl"tter. Ganz benommen nimmt sie das Lob
entgegen, und w"hrend die anderen Arbei-
ten ausgeteilt werden, wandern Margrets
Gedanken zur¸ck.
Der sieben Wochen dauernde Kursus f¸r
Buchh"ndlerlehrlinge, an dessen Schluþ die
Gehilfenpr¸fung steht, ist nun fast zu Ende.
Recht bedr¸ckt hatte sie am ersten Abend
immer wieder den
bunten Kreis ge-
mustert, der sich
hier zusammenge-
funden hatte.  50
Teilnehmer waren
es, m"nnliche und
weibliche verschie-
dener Altersstufen,
von Volks- und
Oberschulen.  Gut
die H"lfte kam aus
dem   Bezirk  des
Rheinisch-Westf"-
lischen Buchh"nd-
lerverbandes,  der
Rest aus Nord- und
S¸ddeutschland.
Die Schule wurde
von K–lner Buch-
h"ndlern ins Leben
gerufen, weil die
Leipziger    Fad-
schule nicht mehr
erreichbar ist. Jeden Morgen waren sie zur
Universit"t gefahren, viele Dozenten hatten
dort Referate f¸r sie gehalten, auch Buch-
h"ndler und Verleger. In- und ausl"ndische
Literaturkunde, Wissenschaftskunde, Ver-
lagskunde, Bibliographie und anderes mehr
wurden gelehrt.
Die Nachmittage hatten der eigentlichen Ar-
beit . gegolten, und auch Spiel und Sport
wurden nicht vergessen. Margret ¸berlegte:
.Welche F¸lle von Eindr¸cken hatte sich
doch in diesen kurzen Wochen zusammen-
gedr"ngt!"
Um einen Begriff von der Buchherstellung
zu bekommen, hatten sie eine Druckerei be-
sichtigt. Zu einer Dichterlesung waren sie
eingeladen gewesen, Ausstellungen wurden
besucht. An den Abenden lief noch ein Kur-
sus in Buchf¸hrung. Es war gar nicht so ein-
fach gewesen, mit all dem Neuen so schnell
fertig zu werden. Doch Margret war die
Mitarbeit nicht schwer gefallen, nachdem
sie sich erst eingew–hnt hatte. Sie liebte
ihren Beruf, und es hatte immer bei ihr
festgestanden, daþ sie einmal B¸cher ver-
kaufen wollte. Als sie mit 14 Jahren die
Volksschule verlieþ, hatte ihr Vater zwar
gemeint: ãAls Buchhandelsgehilfin verdienst
du nicht soviel wie eine gute Stenotypistin."
b                Trotzdem hatte sie
ihrenWunsch durch-
gesetzt und war als
Lehrling  in  eine
Buchhandlung  ge-
gangen. Drei Jahre
hatte die Lehrzeit
gedauert. Der sie-
benw–chige Kursus
an der Buchh"ndler-
Fachschule war der
Abschluþ ihrerLehr-
zeit. Mit dem, was
sie dort gelernt und
was sie in den letz-
ten drei Jahren an
Erfahrungen   ge-
sammelt hat, kann
sie getrost der Ge-
hilfenpr¸fung ent-
gegensehen.   Ge-
dankenverloren be-
trachtet  sie  ihre
Mitscnulerinnen
und Mitsch¸ler. Viele sind darunter, die ein
Gymnasium besucht und ihr Abiturienten-
examen gemacht haben. Bei ihnen war nur
eine zweij"hrige Lehrzeit notwendig. Einer
hatte sogar ein Universit"tsstudium hinter
sich und war auch noch einmal ein Jahr
lang Lehrling gewesen. Ob wohl alle so gern
B¸cher verkaufen wie sie? Margret sp¸rt es
jetzt, nach dem Besuch der Schule, wieder
ganz deutlich: sie hat den richtigen Beruf
erw"hlt. Mittlerin zu sein zwischen Mensch
und Buch, die Verbindung herzustellen zwi-
schen dem gedruckten Wort und den Erkennt-
nis, Belehrung und Unterhaltung suchenden
Menschen erscheint ihr eine Aufgabe, die
sich lohnt und die sie ausf¸llen kann.
Hanna L. Cremer
x- -
jugendarbeit herausstellte. Ernsthaft dis- g
kutierten die Jugenddelegierten ¸ber die
drohenden Fragen der stetig wachsen-
den Jugendarbeitslosigkeit und er–rter-
ten die Errichtung eines freiwilligen
Jugendaufbauwerkes.
Im weiteren Verlauf der Woche fanden in N
allen Stadtteilen Betriebsjugendversamm- \
lungen statt, die den jungen Menschen
die Forderungen der Gewerkschaftsjugend
Einen auþerordentlich guten Erfolg hatten  nahebrachten. Ein gut gelungener
Nie-
Eine auerodenlic guenEfol haten derdeutscher Abend' veranschaulichte die
S
unsere Hamburger Jungen und M"dchen    kulturpolitische Arbeit. Den Abschluþ
der
mit ihrer Mitte Januar veranstalteten  Woche bildete eine Groþkundgebung
aller
Woche der Gewerkschaftsjugend'.        Hamburger Jugendlichen mit dem beson-
Auftakt war die Jahresdelegiertenkon-  deren Thema: Jugend und Arbeitslosig-
terenz der Jugendkolleginnen und -koi-  keit.' In der ÷ffentlichkeit
zeigte diese
legen im Hamburger Gewerkschaftshaus,  Aktion der jungen Gewerkschaftskolle-
auf der G¸nther Tode den tberblick     gen einen guten Widerhall, und
in vie-
¸ber die im letzten Jahr geleistete Arbeit  len noch abseits stehenden
Jungen und ß
gab und Willi Ginhold die k¸nftigen    M"dchen wurde das Interesse
f¸r die Ge-
Ziele und Aufgaben der Gewerkschafts-  werkschaftsjugend geweckt.
Zeidcnung: A. Faust
Herz im Kohlenstaub
Vom Tagebau bis zum Braunkohlenwerk lief
eine Drahtseilbahn. Drei Kilometer weit
f¸hrte sie ¸ber Felder, Wiesen und Straþen.
Klein sahen die Transportk"sten aus, wenn
sie in Abst"nden von dreiþig Meter hoch
durch die Luft dahinglitten. Groþ aber waren
sie, wenn sie im obersten Stockwerk des
iuþigen Werkgeb"udes ankamen, wo ein
Mann mit schwarzem Gesicht und schwarzen
H"nden auf sie wartete.
Er griff zu, kuppelte den Kasten vom Zug-
seil los und schob ihn in den dunklen Raum
hinein, wo ein d¸nner graubrauner Nebel
von Kohlenstaub wogte. Uber dem Schacht
k!ppte der Mann den Kasten aus, und die
Kohle polterte in die M¸hle hinab. Wenige
Minuten darauf kam der n"chste Transport-
kasten an. So gina es acht Stunden lang.
Staub saþ auf Augenlidern und Lippen. Der
Mann griff nach der Kaffeeflasche in der
Nische des blind gewordenen Fensters.
Rasch mit drei groþen Schlucken den Dreck
hinuntergesp¸lt! Rasch, denn der n"chste
Kasten rollt schon heran ...
Aber da, ja du lieber Himmel - was hockt
denn da auf dem Rand? Sieh an, da ist ja
ein kleiner Schwarzfahrer mitgekommen!
Nun guck doch nicht so ver"ngstigt um dich,
du kleiner Vogel! Tut dir ja niemand was!
Kein Mensch kippt dich . in die finstere
Braunkohlenm¸hle' Aber da kannst du mal
wieder sehen.: Schwarzfahren ist eine ge-
f"hrliche Sadce! Wo kommst du denn eigent-
lich hergereist, wie? Hat dir denn deine
Mutter erlaubt, mit der Drahtseilbahn mit-
zufahren? Wo du noch nicht mal richtig
fliegen kannst! - Na, komm nur! Flattere
jetzt nicht davon, sonst ergeht dir's schlimm!
Komm, sei artig!
Der Mann kr¸mmt unbeholfen die Finger
um den jungen Vogel. Das Tierchen zuckt
mit den Fl¸geln, dann h"lt es still.
Doch der n"chste Transportkasten kommt
gerasselt. Was soll geschehen? Ratlos blickt
der Mann um sich. Er kann nicht den
schweren Kasten kippen und einen kleinen
Sperling dabei in der Hand behalten. Er
w¸rde das Tierchen zerdr¸cken.
So setzt er es denn auf den Fuþboden hin,
in den braunen Staub. ãBleib sch–n sitzen,
h–rst du!" sagt er. Dann muþ er sich um-
wenden, zupacken, stoþen und schieben und
kippen. Donnernd krachen die Kohlebrocken
zur Tiefe. Eine nl"chtige Staubwolke wallt
auf.
Der Mann hat ein Bangen im Herzen. Lang-
sam, angstvoll fast schaut er sich um. Und
- kaum kann er es glauben - das Tier-
dcen ist wirklich noch da! Es sitzt auf dem
gleichen Fleck. Es ist bei ihm geblieben! -
Er hockt nieder und streichelt es mit einem
Finger. Die Augen tr"nen. Aber das kommt
vom Staub.                      Claus Back
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