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The History Collection

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Aufwärts
Jahrgang 3, Nr. 3 (February 11, 1950)

Früm, Willi
Das JAW,   p. 12


Page 12


Seit dem 12. Dezember 1949 gilt in Schles-
wig-Holstein ein Gesetz ¸ber das Jugendauf-
bauwerk. Der bisherige Aufbau des JAW
wurde vom Arbeitsministerium und einem
Beirat aus Vertretern der Beh–rden und
des Landesjugendringes geleistet. Bis zum
15. November war das JAW auf insgesamt
95 Maþnahmen angewachsen. 32 ãgeschlos-
sene', in denen die Jugendlichen in Heimen
untergebracht sind, und 63 "offene' Maþ-
nahmen, in denen die Jugendlichen nach Be-
endigung ihrer T"tigkeit oder des Unter-
richts ins Elternhaus zur¸ckkehren.
Ob offene' oder "geschlossene' Maþnah-
men, wurde in Gewerkschaftskreisen viel
diskutiert. W i r sind f¸r offene' Maþnah-
men. Die geschlossenen' Maþnahmen wer-
den  meist Massenquartiere         sein.
Trotzdem m¸ssen auch "geschlossene" Maþ-
nahmen eingerichtet werden, da viele Ju-
gendliche ein schlechtes oder kein Zuhause
haben.
In Schleswig-Holstein sind zurzeit 21500
Jugendliche unter 21 Jahren ohne Arbeit.
Dazu kommen Ostern 1950 voraussichtlich
weitere 28 000, die keine Arbeits- oder Lehr-
stelle finden werden, so daþ mit 50 000 ar-
beitslosen m"nnlichen und weiblichen Ju-
gendlichen zu rechnen ist.
Im JAW sind bisher nur 3000 Jugendliche
erfaþt. F¸r jeden im JAW besch"ftigten Ju-
gendlichen stehen DM 3.--- t"glich zur Ver-
f¸gung. Dem Jugendlichen wird seine bis-
herige  Arbeitslosenunterst¸tzung  weiter-
gezahlt (nur in äoffenen' Maþnahmen). Die
Unterhaltspflichtigen erhalten die bisher ge-
zahlte F¸rsorgeunterst¸tzung weiter.
Bei t"glich f¸nfst¸ndiger Arbeitszeit sollen
die durchzuf¸hrenden Arbeiten ãgemein-
n¸tziger" und zus"tzlicher' Art sein.
Hauptaufgabengebiete  des .Jugendaufbau-
werkes sollen sein:
a) f¸r m"nnliche Jugendliche: Anlegen von
Spiel-, Sportpl"tzen und Schwimmanlagen,
Versch–nerung von Parkanlagen und
Fl¸chtlingslagern, Forsthilfsarbeiten, leich-
ter Wegebau usw.
b) f¸r weibliche Jugendliche: Betreuung von
Fl¸chtlingslagern  und  Altersheimen,
Flick- und N"harbeiten f¸r Fl¸chtlinge,
alte Leute und die im Jugendaufbau-
werk besch"ftigten Jugendlichen, Kochen
fiir diese, leichte Gartenarbeiten usw.
Die Gewerkschaften m¸ssen sich stark um
die  Art der durchzuf¸hrenden  Arbeiten
k¸mmern, daþ nicht die Arbeitskraft der
Jugendlichen f¸r Arbeiten eingesetzt wird,
die weder gemeinn¸tzig' noch äzus"tzlich'
sind.
Der Schulunterricht im JAW   bedarf der
gr–þten Beachtung. Drei Stunden t"glich sind
f¸r den Unterricht vorgesehen.
Die  nur  f reiw ill ige  Meldung  zum
JAW erfolgt bei den Arbeits"mtern. Die
Berufsberater sollen die Jugendlichen im
JAW weitervermitteln.
Das neue Gesetz
Der Paragraph 1 sieht die freiwillige Teil-
nahme auf die Dauer eines Jahres begrenzt
vor. Ein Ausscheiden ist jederzeit m–glich.
Tr"ger der Arbeit sollen die Kreise und
kreisfreien St"dte sein. Es k–nnen aber
auch Ÿmter, kreisangeh–rige Gemeinden so-
wie andere K–rperschaften des –ffentlichen
Rechts als Tr"ger zugelassen werden; Ver-
b"nde und Vereinigungen jedoch nur, sofern
der Beirat des Jugendaufbauwerkes seine
Zustimmung   erteilt.  Die Gewerkschaften
wollen, daþ nur Kreise und Gemeinden als
Tr"ger auftreten. Die Durchf¸hrung  der
Maþnahmen durch Vereinigungen und Ver-
b"nde bringt Gefahr, daþ die Jugendlichen
einseitig erzogen werden.
Die Lenkung des Jugendaufbauwerkes liegt
beim Ministerium f¸r Arbeit und einem Bei-
rat, der sich zusammensetzt aus Beh–rden-
vertretern, Vertretern der Wirtschaftsver-
b"nde und des Landesjugendringes. Nach
dem  amtlichen Referenten f¸r das JAW
soll dieses die Erf¸llung eines s o z i a 1 -
politischen      Programms      durch
d i e Jugend selbst sein, dann sollte
man aber auch die Beiratst"tigkeit der Ju-
gend ¸berlassen.
Von den jetzigen 2953 Teilnehmern sind
1803   63,2 v. H. Fl¸chtlinge. Alle Teilneh-
mer haben bestimmte Berufsw¸nsche. Hier
gilt es, in Zusammenarbeit mit den Berufs-
beratern festzustellen, ob Lehrf"higkeit bei
dem einzelnen Jugendlichen vorliegt, denn
im JAW sind Jugendliche folgender drei
Gruppen erfaþt:
1. Jugendliche, die voll arbeits- und lehr-
f"hig sind.
2. Jugendliche, die wchl arbeitsf"hig sind,
aber aus bestimmten Gr¸nden keine Lehre
antreten k–nnen. Es k–nnen geistige, aber
auch soziale Gr¸nde sein.
3 Jugendliche, die arbeitsunwillig sind und
der Betreuung durch Sozialbeh–rden be-
d¸rfen.
\ iele sind geistig und k–rperlich den An-
forderungen einer Lehre nicht gewachsen.
Diesen Menschen muþ geholfen werden,
aber es ist nicht Aufgabe des JAW, n u r
diese zu erfassen.
Auch eine altersm"þige Zusammenfassung
bei den einzelnen Maþnahmen ist erforder-
lich. Es sollen Jugendliche bis zum 21. Le-
bensjahr aufgenommen werden (Ausnahme
bis zum 25. Lebensjahr). Die Spannen vom
16. bis 25. Lebensjahr sind zu groþ. Sie er-
schweren die Betreuerarbeit.
Die  Leiter- und  Helferfrage  spielt die
gr–þte Rolle im JAW. Heute werden sie in
Kursen von 14 Tagen Dauer geschult. Das
gen¸gt nicht. Soziales Verst"ndnis muþ bei
jedem Mitarbeiter vorausgesetzt werden.
Der Lehrplan muþ sich im Rahmen der
praktischen und technischen Notwendigkei-
ten halten. Die Kurse m¸þten verl"ngert
werden.
Einen Arbeitsausschuþ des JAW besch"f-
tigen besonders die Fragen der Grundlehr-
g"nge und Lehrwerkst"tten.
Ob die Zeit der Berufsvorschulung auf die
Lehrzeit angerechnet wird, ist noch umstrit-
ten. Die Not der Jugend bedarf einer Ge-
samtl–sung, und darauf wird der Deutsche
Gewerkschaftsbund hinwirken.    Willi F r¸m


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