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Jahrgang 2, Nr. 19 (September 10, 1949)

Vier Jahre Jugendarbeit im DGB Brit. Zone,   p. 4 PDF (791.8 KB)


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VIER JA HRE J UGEN DA RBEIT
Im K 3  BRIT. ZONE
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Holisdsnltt: W. Din. SdurlIt: Heiner Graefen
Aus L¸bbecke erreicht uns folgende aufsehenerre-
gende Nachricht, die wir im Wortlaut ver–ffentlichen
wollen:
Es ist ein groþes Verdienst der "lteren Kol-
legen, daþ sie beim Neubau der Gewerk-
schaftsbewegung 1945 der Frage der Ju-
gendarbeit eine entscheidende Bedeutung
beigemessen haben. Sie haben die gewerk-
schaftliche Jugendarbeit als ein dringendes
Anliegen betrachtet, weil sie wuþten, die
Zukunft der gewerkschaftlichen Arbeit wird
im Interesse aller Schaffenden durch die
Miteinbeziehung der jugendlichen Mitglie-
der gesichert.
F¸r denjenigen, der sich an imposanten
Zahlen erbauen will, m–gen nachstehende
Angaben dienen.
Am 1. Januar 1948 wurde der Anteil ju-
gendlicher Mitglieder der britischen Zone
bis zu 25 Jahren auf 299 000 rechnerisch
gesch"tzt. Genaue Angaben sind nicht m–g-
lich, weil zu Anfang nur Jugendliche bis
18 Jahre statistisch erfaþt wurden, von
denen am 1. Januar 1948 rund 119000 orga-
nisiert waren.
Mit 519 797 jugendlichen Mitgliedern in der
britischen Zone, davon 131 000 bis zu 18
Jahren, weist der 1. Januar 1949 den werbe-
rischen Erfolg unserer Jugendarbeit auf.
Nicht aber ist in diesen Zahlen, an denen
sich die einen berauschen, die aber f¸r
andere so n¸chtern zu lesen sind, die unge-
heure Arbeit all der vielen ehren- und haupt-
amtlichen Funktion"re, der alten und jungen
Kollegen enthalten. Ihre f¸r die gewerk-
schaftliche Jugendarbeit geopferte  freie
Zeit w¸rde, zusammengerechnet, phantasti-
sche Zahlen ergeben.
Viele B¸cher k–nnten gescny ieben werden
¸ber die Schwierigkeiten ur d Hemmnisse,
die den Beginn der Jugenda!t>eit begleiteten
und auch heute vielerorts immer wieder
auftauchen. Erschwernisse, welche sich aus
der Situation der Jugend noch demn Kriege
heraus erkl"ren lassen - geschaffen durch
die vielen Anordnungen der Besatzungs-
verwaltungen --, die skeptische und arg-
w–hnische Beobachtung seitens der anderen
Jugendorganisationen, die aus Unkenntnis
einer echten Jugendpflege einen unlieb-
samen Konkurrenten auftauchen sahen -,
manchmal auch durch die Kurzsichtigkeit
eines "lteren Kollegen hier und da ent-
standen -, sie alle haben nicht vermocht,
eine Entwicklung aufzuhalten, die heute
bereits den Fortbestand gewerkschaftlicher
Arbeit garantiert-.
Die gewerkschaftliche Jugendarbeit begann
meist an den Orten, die' auch bis 1933
Hochburgen gewerkschaftlicher Arbeit ge-
wesen waren, die Groþst"dte und vor allem
das Ruhrgebiet. Bereits 1946 konnten ¸berall
als Aufgaben gewerkschaftlicher Jugend-
arbeit das sozialpolitische und wirtschadft-
liche Gebiet umgrenzt werden. Daneben
aber sollte die Jugend Gelegenheit haben,
sich weiterzubilden und sich in Unterhal-
tungsabenden zu bet"tigen.
Organisatorisch m¸þte festgestellt werden,
daþ der Beginn nicht ¸berall einheitlich
war. Im Bezirk Nordrhein-Westfalen wurde
in Betriebsjugendgruppen begonnen, w"h-
rend in den Bezirken Nordmark und Nie-
dersachsen die jugendlichen Mitglieder in
Ortsjugendgruppen zusammengefaþt wur-
den. Immer mehr machte sich das Fehlen
einer zentralen Stelle bemerkbar, die die
Arbeit zusammenfassen und vor allem akti-
vieren w¸rde. So wurde es von der Jugend
dankbar begr¸þt, daþ beim Gr¸ndungskon-
greþ des DGB im April 1947 in Bielefeld im
ß 2, Ziffer 10 der Bundessatzung festge-
legt wurde, daþ die verantwortliche Leitung
der Jugendarbeit Aufgabe des Bundes ist,
Ein vorl"ufiger Zonenjugendausschuþ be-
sch"ftigte sich im Juli 47 mit den Richtlinien
einer gewerkschaftlichen Jugendarbeit und
der Vorberatung einer Jugendkonferenz des
DGB f¸r die britische Zone. Diese Jugend-
konferenz muþte verschoben werden. Im
Oktober 1947 fand in Lebenstedt, Kreis Salz-
gitter, eine Arbeitstagung statt. Diese formu-
lierte die ersten Richtlinien einer gewerk-
schaftlichen Jugendarbeit.
Zum 1. Januar 1948 stellte der Bundesvor-
stand den Kollegen Karl Braukmann als
Zonenjugendsekret"r an. Mit der Besetzung
dieser Stelle sollte die Arbeit einen wesent-
lichen Aufschwung erfahren, der auch durch
die W"hrungsreform nicht unterbrochen
wurde. H–hepunkte des Jahres waren die
Zonenjugendkonferenz vom 18. bis 21. Mai
1948 in D¸sseldorf und das Erscheinen der
Jugendzeitschrift ",Aufw"rts' am 19. Juni
1948.
Neben   dieser  organisatorischen  Arbeit
wurde aber auch in der Praxis die gestellte
Aufgabe verwirklicht: in Sommerlagern,
Schulungswochen, wobei hier besonders das
vom Bezirksjugendsekret"r von Nordrhein-
Westfalen, Helmut Schorr, geleitete Jugend-
leiterseminar zu erw"hnen ist, das inzwi-
schen zur Bundesjugendschule im ,Bunten
Haus' bei Bielefeld erweitert wurde, Ar-
beit an einem neuen Jugendarbeitsschutz-
gesetz auf trizonalei Ebene, das leider in-
folge der starren Haltung der Arbeitgeber-
verb"nde nicht verwirklicht werden konnte.
Mitarbeit in Berufsausbildungsfragen bei
–ffentlichen und staatlichen Stellen. Daþ die
Gewerkschaftsjugend dabei keineswegs den
dr"ngenden Jugendproblemen aus dem Wege
gegangen ist, beweisen die Stellungnahmen
zur Arbeitsdienstfrage und der Vorschlag
des Bezirks Nordmark zur Beseitigung der
Arbeitslosigkeit unter den Jugendlichen.
"Merkbl"tter f¸r Jugendarbeit" sollen dem
jungen Funktion"r R¸stzeug f¸r seine Ar-
beit an die Hand geben.
Interzonale und internationale Gespr"clhe
und Treffen lieþen erkennen, daþ die schaf-
fende Jugend ¸berall die gleichen Probleme
hat, zu deren Beseitigung solidarisches Zu-
sammenarbeiten erforderlich ist.
Im eigenen Lande aber wurde auf ein Ver-
stehen mit den einzelnen Jugendorganisa-
tionen groþer Wert gelegt. In einer Ar-
beitswoche im Januar dieses Jahres legte
die Gewerkschaftsjugend auf dem Jugend-
hof Vlotho den Jugendverb"nden ihre
Ziele dar. In fast allen Kreis- und Stadt-
juigendringen arbeitet' die Gewerkschafts-
jugend mit den anderen Jugendorganisatio-
nen an der L–sung gemeinsamer Aufgaben.
In den Landesjugendringen von Nordrhein-
Westfalen und Niedersachsen sind die
hauptamtlichen Bezirksjugendsekret"re deren
Vorsitzende.
ãVordringlichste Aufgabe Ist die Erziehung
der deutschen Jugend zur demokratischen
Staatsauffassung und Bet"tigung zum Geist
der V–lkerverst"ndigung und Zusammen-
arbeit. Hieran arbeitet die Gewerkschafts-
Jugend und f¸hrt Schulter an Schulter mit
den "lteren Kollegen den Kampf um die
sozialen und wirtschaftlichen Rechte der Ar-
beiterschaft sowie um den geistigen Auf-
stieg. So ist sie Mitk"mpfer f¸r eine neue
Kultur, die der Arbeiterschaft die Gleich-
berechtigung In der Gesellschaftsordnung
sichert.' (Salzgitterer Richtlinien 1947.)
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iB´P Insel.


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