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The History Collection

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Aufwärts
Jahrgang 2, Nr. 11 (May 21, 1949)

Felder in China,   p. 10 PDF (778.9 KB)


Page 10


TR ETJA KOW
´~felder 1
Unsere Sohlen trappeln ¸ber den feuchten
Weg. Neben uns einher laufen geb¸ckt
Jungen. Sie halten papierne Drachen an
Bindf"den. Die Drachen haben die Form von
schrecklichen M"nnern, Tausendf¸þlern. Li-
bellen oder Schmetterlingen. Die Kinder
bauen sie sich selber; sie kaufen f¸r 3 Tun-
ser Papier, f¸r 10 Tunser Schnur und schnei-
den selbst die Gerippe aus Bambusst"ben
zurecht.
Auf 5000 Einwohner von Sian-Schi kommen
nicht mehr als 50 Pferde. Aber die Pferde
sind nicht f¸r die Feldarbeit da. Sie geh–ren
den Reichen zum Reiten oder Lastentragen:
auf unseren Bergwegen fahren keine Wagen.
Nur die Milit"rs, die Wirte der Ausspann-
gasth–fe und die Unternehmer haben Pferde.
Letztere vermieten sie zum Reiten und geben
F¸hrer dazu.
Die Bauern haben keine Pferde. Sie haben
K¸he. Die K¸he sind nicht zum Melken da.
Ich kenne den Geschmack ihrer Milch gar
nicht.
Die K¸he werden auch nicht wegen ihres
Fleisches gehalten: vor 400 Jahren erschien
ein besonderes Gesetz, welches verbietet,
Rindfleisch zu essen, und schon lange vor
diesem Gesetz verbot die buddhistische
Lehre, Tierblut zu vergieþen. Die K¸he sind
bei uns f¸r die Feldarbeit da.
Am Rande von Sian-Schi liegen die H"us-
chen und Felder der Bauern, die --. ich kann
es von hier aus sehen --. auf den Feldern
arbeiten. Ich betrachte sie mit Achtung. Ihr
Stand ,Nung' kommt gleich hinter dem
unseren, den ,Schi'. Erst hinter den Bauern
kommen die ~Gung' .- die Handwerker
und erst an letzter Stelle die am wenigsten
geachteten .Schang', die Kaufleute.
Kulis und Soldaten stehen auþerhalb der
St"nde.
Am Fuþ der Bergabh"nge ziehen sich die
Reisfelder mit dem Netz ihrer aus Lehm ge-
bauten Einfassungen hin. Ein Reisfeld ist wie
ein Teich. Man l"þt es mit Wasser vollaufen
und legt dann den Grund mit einem Pflug
um, der einem gebogenen Dolch "hnlich ist.
Eine Kuh ist davorgespannt. Die Kuh geht
A1
und stampft und w¸hlt mit Hufen und Knien
den gelben Schlamm um. Der Pfl¸ger dr¸ckt
mit den Armen und der Brust den Griff des
Pfluges in den Boden. Der Pflug wirft den
festen Boden auf und bringt schl¸pfrige
Klumpen nach oben. Diese Klumpen werden
dann mit Rechen zerschlagen, und das
schlammige Bett ist fertig f¸r die Reissaat.
In den nur eben mit Wasser bededkten
Zuchtbeeten wachsen die gr¸nspanfarbigen
Reiss"mlinge. Wenn sie etwa 20 Zentimeter
hoch sind, nimmt man sie heraus und setzt
sie in B¸ndeln zu 10 Zentimeter in den
Schlamm der Reisfeldteiche. Die B¸ndel
stehen ein halbes Meter weit auseinan-
der. Wie mit dem Lineal gezogen liegen die
schachbrettf–rmigen Netze der Reispflanzen
da, tind das Abendrot spiegelt sich in den
Reisteichen, ¸ber deren Wasserspiegel, kaum
sichtbar, grune Spitzen hervorragen.
Der Reispelz w"chst schnell heran. Es kommt
der Sommer mit seinen f¸rchterlichen Wol-
kenbr¸chen, wo das Wasser von den Bergen
str–mt, wie der Schweiþ von den Rippen
eines abgetriebenen Pferdes. Die kleinen
-Seen, die so -angelegt sind, daþ sie die ter-
rassenf–rmig unterihnen angeordneten Reis-
felder mit Wasser beliefern, werden ¸ber-
voll. Das Wasser flieþt ¸ber die R"nder der
Felder, zerfriþt die Lehmd"mme und droht
in breiten Str–men, die sich neue Wege
bahnen, den langsam heranreifenden Reis
zu ¸berfluten.
In dieser Zeit der Wolkenbr¸che stehen die
Bauern durchn"þt und hungrig Tag und
Nacht bis zum G¸rtel im Wasser und schla-
gen die Angriffe des w¸tenden Wassers
zur¸ck. Sie rennen an den Schutzw"llen aus
Lehm entlang, stopfen die vom Wasser ge-
fressenen Brechen zu und regulieren den
Zulauf des Wassers durch Schleusenbretter.
Auf den Reisfeldern findet man keine Frauen.
Die Arbeit im Reis ist eine schwere Arbeit,
eine M"nnerarbeit.
Daf¸r findet man in den Gr"ben l"ngs der
Reisfelder viele Jungen mit ¸ber die Knie
aufgekrempelten Hosen, die mit den H"nden
bis zum Ellbogen im Schlamm herumw¸hlen.
Sie buddeln unter den Steinen und suchen,
den dichten reifenden Reis auseinander-
biegend, darin herum. Sie suchen nach
Krabben.
Gegen den Herbst kommen die Krabben
aus den schwarzen H–hlen der B"che, machen
sich an den schmackhaften Reis und werden
fett. Die Jungen packen die Krabben von
1
der Seite und werfen sie in die K–rbe, um
sie am anderen Tage in den Straþen von
Sian-Schi zu verkaufen.
Die Reisfelder tragen nur einmal im Jahre.
Daf¸r ist auf den anderen Feldern das ganze
Jahr ¸ber etwas los.
Im Fr¸hjahr reifen auf ihnen der Winter-
wetzen und die im Dezember gesetzten
Bohnen. Im April tritt an die Stelle der
Bohnen Mais, der in geraden Reihen an-
gepflanzt wird. In drei Monaten wird an den
zwei Meter hohen Lanzen der Mais reifund
unten zwischen den Stauden schwellen was-
serreiche und s¸þe Gurken, Garten- und
Wassermelonen. Das Maiskorn ist f¸r die
Menschen bestimmt, die Bl"tter kaut das
Vieh. Die Maisstenget werden eingeweicht,
zerstampft und zum D¸ngen der Felder ver-
wendet oder getrocknet und verfeuert.
Nach der Maisernte wird im heiþesten
Sommer das Feld noch einmal umgepfl¸gt
und mit Buciweizen bestellt. Im Sp"tlherbst
wird der Buchweizen eingebracht, und dann
kommen Buchweizen und Bohnen in die Erde.
Am meisten liebe ich die Felder mit den
Bohnenbl¸ten im Fr¸hjahr. Die gefl¸gelten
Blumen sehen aus wie Millionen von
Schmetterlingen, die sich auf dem Gr¸n
niedergelassen haben
Unsere Felder ruhen niemals aus. Ich las in
B¸chern von der Dreifelderwirtschaft und
wunderte mich, wie man Land brachliegen
lassen kann. Wir geben der mager gewor-
denen Erde ihr Fett in Gestalt von ein-
geweichten, halbfaulen Bl"ttern wieder. Wir
uberschutten die Felder mit der Asche von
Reisstroh, wir pfl¸gen Knochenasche hin-
ein, die sadcweise aus den St"llen angefah-
ren wird. Bei den Fr¸hjahrs¸berschwemn-
mungen kommt schl¸pfriger Schlamm auf
die Felder. Die Nordwestwinde bringen
furchtbaren L–þstaub mit. Unsere Reisfelder
bringen mehr als 100 K–rner auf ein aus-
ges"tes Korn.
Da, wo die Felder in die steinigen Berg-
abh"nge ¸bergehen, w"chst der Tun-Tsy -
der Ulbaum. Schon drei Jahre nach der An-
pflanzung bringt er seine br"unlichgr¸nen
Fr¸chte, die den Pflaumen "hnlich sind und
innen kleine Kerne haben. Im Fr¸hjahr
bringt kein Wind den ¸ber den Ufern des
Jangtse liegenden Duft der weiþen Bl¸ten
des Tun-Tsy weg. Und im Herbst schmatzen
die fetten Qlpflaumen und krachen die Kerne
unter den Pressen; die Bauern dr¸cken sie
einfach zwischen Brettern aus. Aus den
Pressen flieþt in Menge das helle 01 -
einer der gr–þten Reicht¸mer Setschuans.
Mit diesem 01 schmieren die Shiuffsbauer
der ganzen Welt, nach dem Beispiel der
Setschuaner Fischer, die unter Wasser liegen-
den Teile ihrer Barken, Dschunken, Sam-
pane und Schiffe, damit das Holz nicht naþ
wird, nicht fault, und damit keine Holz-
wurmer hineinkommen. Dieses 01 brennt in
unseren Leuchtern und k"mpft um den Docht
mit dem Petroleum, das in den hellen Zi-
sternen der Standard Oil aus Amerika zu
uns kommt. (Aus: Den Schi-Chua: Ein junger Chi-
nese erz"hlt sein Leben.)
DER MODE SOLDAT
Ein kahles M"dchen. Heckenblaþentlaubt.
Sie steht am Weg. Ich gehe weit vorbei.
Sie stehen alle Reih in Reih
Und Haupt um Haupt.
Was weiþ ich noch von heiligen Gew"ssern
Und von des Dorfes Abendrot?
Ich bin gespickt mit tausend Messern
Und m¸de von dem vielen Tod.
Der Kinder Augen sind wie goldner Regen.
In ihren H"nden gl¸ht die Schale Wein.
Ich will mich unter B"umen schlafen legen
Und kein Soldat mehr sein.
Schiiking
Naliii'm
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