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The History Collection

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Aufwärts
Jahrgang 2, Nr. 1 (January 1, 1949)

Volgemann, John
Erste trizonale Jugendkonferenz,   p. 13


Graefen, H.
Bücherbrett selbst gebastelt,   p. 13


Page 13


ERSTE TRIZONALE JUGENDKONFERENZ.
Einen Tag vor dem trizonalen Verbandstag
beschloþ die Arbeitsgemeinschaft der Gra-
phischen Industriegewerkschaften f¸r die
Westzonen, die erste Jugendkonferenz abzu-
halten. Eine umfangreiche Tagesordnung war
von den anwesenden 18 Jugenddelegierten
der drei Westzonen zu beraten. Im Mittel-
punkt der Beratungen standen die Referate
,Die graphische Jugend als Teil der Organi-
sation' (Referent Kollege Fette, K–ln) und
ãStand der Jugendarbeit' (Referent Kollege
Volgemann, Hamburg). Dar¸ber hinaus wur-
den in mehrst¸ndigen Verhandlungen Richt-
linien f¸r die Jugendarbeit innerhalb der
Industriegewerkschaft festgelegt.
Gewerkschotfler sein,
heiþt O p f e r bringen g
In seinen Ausf¸hrungen wies der Kollege
F e t t e darauf hin, daþ gerade bei den gra-
phischen Arbeitern die gewerkschaftliche
Organisation schon recht fr¸h Fuþ gefaþt hat.
Ausschlaggebend f¸r das Organisationsver-
h"ltnis der graphischen Arbeiter waren der
Glaube an die gewerkschaftliche Macht und
die enge kollegiale Verbundenheit. Diese
hohen Leits"tze m¸þten auch jetzt wieder bei
der Jugend Eingang finden. Mit seinen Aus-
f¸hrungen demonstrierte der Referent den
schicksalsschweren Weg der Gewerkschafts-
bewegung. Nachher bewies er an Hand von
statistischen Zahlen, wieviel gerade auf dem
Gebiet des Lehrlingswesens erreicht worden
ist. In erster Linie hat ¸ber der Jugendarbeitg
das Ideelle und nicht das Materielle zu
stehen. Kollege Fette wies ferner auf die
zum Teil bestehenden Schwierigkeiten in der
Arbeit nach 1945 hin. Als Beispiel nannte er,
daþ im Land Hessen ein Gesetz, das das Mit-
bestimmungsrecht der Betriebsr"te festlegte,
wohl vom Landtag verabschiedet, aber nicht
von der Milit"rregierung genehmigt wurde.
Auch der Landtagsentscheid von Nordrhein-
Westfalen in der Frage der Sozialisierung
der Grundstoffindustrie ist ein Beispiel daf¸r.
Koll. Fette schloþ mit den Ausf¸hrungen,
daþ wir ohne Opfer nicht zum Ziel kommen.
Wir haben die berechtigte Hoffnung auf Er-
folg, wenn wir mit demselben Idealismus
an die Aufgaben herangehen wie die Vor-
k"mpfer der Gewerkschaftsbewegung.
Vielen von uns fehlen die notwendigsten
Gegenst"nde. Unsere B¸cher liegen in einer
Ecke des Zimmers und f¸hren ein Dorn-
r–schenleben. Darum wollen wir die Her-
stellung eines B¸cherbrettes anregen.
Wir brauchen 1,5 Zentimeter starkes Kie-
ternholz. Am besten lassen wir die Bretter
vom Schreiner zuschneiden und hobeln. Die
L"nge der Seitenbretter richtet sich nach der
H–he der B¸cher. Praktisch ist es, zwei ver-
schieden hohe F"cher anzufertigen, und gr–-
þere B¸cher dadurch von den kleinen zu
trennen. Die groþen B¸cher kommen dann
nach unten. Die Querbretter sollen m–glichst
nicht viel mehr als ein Meter L"nge haben.
Bei gr–þerer L"nge biegen sie sich unter
dem Gewicht der B¸cher leicht durch. Ist
trotzdem ein l"ngeres Regal vonn–ten, m¸s-
sen wir entweder st"rkeres Holz nehmen
oder eine Zwischenwand einsetzen.
Nach dem Zuschneiden und Hobeln wer-
den die Querbretter in die Seitenbretter ein-
genutet. Die herauszunehmenden Rillen, die
.,N u t e n", messen wir zuerst genau aus und
reiþen sie dann mit einem Winkel und Blei--
stift an. Die Nute darf nicht breiter als die
Holzst"rke sein, damit das Querbrett genau
hineinpaþt, sonst h"lt die Leimung nicht. Wir
k–nnen die angezeichneten Rillen eins"gen
und mit dem Stemmeisen herausstemmen
oder auch ganz mit dem Stemmeisen arbei-
ten. Im letzteren Falle faþt man ein breites
In den Jugendgruppen der Industrie-
verb"nde wird besonders die beruf-
liche Fortbildung gepflegt1
Kollege V o 1 g e m a n n als Vertreter der
graphischen Jugend in der Arbeitsgemein-
schaft gab nun einen Bericht ¸ber die bisher
geleisteteJugendarbeit in den dreiWestzonen.
Zu Beginn wies er darauf hin, daþ in allen
Bezirken, bzw. L"ndern, die Jugendarbeit
unterschiedlich gestaltet werden muþte. Nicht
nur die verschiedenartige Politik der Sieger-
staaten, sondern auch die unterschiedliche
Struktur der verschiedenen L"nder gestat-
tete es nicht, nach einheitlichen Gesichts-
punkten die Arbeit an und mit der Jugend
aufzunehmen. Besonders in der franz–sischen
Zone konnte die Besatzungsmacht sich erst
im Jahr 1947 entscheiden, gewerkschaftliche
Jugendarbeit zuzulassen. Aus den genann-
ten Zahlen war zu ersehen, daþ in den mei-
sten L"ndern sich ein beachtlicher Stamm
von Jugendlichen schon zu Jugendgruppen
zusammengeschlossen hatte. Dar¸ber hinaus
nimmt ¸berall die berufliche Weiterbildung
einen breiten Rahmen in der Jugendarbeit
ein. Der Redner wehrte sich gegen die Auf-
fassung, daþ Jugendgruppenarbeit nur dort
geleistet, wo Bundesjugendarbeit betrieben
wird. Nur die Jugendgruppen der einzelnen
Industriegewerkschaften werden in der Lage
sein, neben den gewerkschaftlichen Aufgaben
mit besonderer Sorgfalt die notwendige be-
rufliche Fortbildung zu pflegen. Es l"þt sich
ohne weiteres, so f¸hrte der Redner aus, aus
einem Kursus eine Jugendgruppe gestalten,
genau so wie sich in eine Jugendgruppe ein
Kursus hineintragen l"þt. Es bestehen in den
drei Westzonen bis jetzt 211 Jugendgrup-
pen, die in den meisten F"llen ein Eigen-
leben f¸hren. Ein Uberblick ¸ber die Arbeit
der Jugendvertrauensleute schloþ mit der
Forderung, in jedem Betrieb, wo mehr als
5Jugendliche besch"ftigt sind, einenJugend-
vertrauensmann w"hlen zu lassen. Kollege
Volgemann beendete mit dem Hinweis,
daþ gerade die graphische Jugend die Ver-
pflichtung hat, an sich zu arbeiten, um den
Platz in der Gewerkschaftsbewegung wieder
einnehmen zu k–nnen, den die graphischen
Verb"nde vor 1933 innehatten. Es gilt, in
*
1
1
Holz-
verbindung
f¸r Regal
Stemmeisen mit der ganzen Hand m–glichst
tief am Eisen und zieht die Schneide mit
leichtem Druck an den angezeichneten Nu-
tenkanten entlang. Die- oberste Holzfaser
wird so quergetrennt, und man kann das
Stemmeisen in die entstandene Rille ein-
setzen, um das Holz quer zur Faser bis zur
H"lfte der Brettst"rke zu trennen und an-
schlieþend herauszustemmen,
Sollen die Kanten-abgerundet -werden;--be-
arbeiten wir sie mit Raspel und Feile. Dabei
ist darauf zu achten, daþ wir immer in Rich-
tung der Hirnholzkante im L"ngsschnitt
arbeiten, damit das Holz nicht fasert und
splittert.
Vor dem Leimen werden die Bretter mit Glas-
papier sauber geschliffen. Zum Leimen wird
kommender Zeit den Scharfmachern im Un-
ternehmerlager zu beweisen, daþ auch die
nachfolgende Generation im graphischen Ge-
werbe jederzeit bereit ist, f¸r ihre Forde-
rungen zu k"mpfen.
Einklang zwischen
Berufsausbildung und Freizeit
In der Diskussion, an der sich fast alle
Jugenddelegierten beteiligten, wurden die
M"ngel in der Berufsausbildung, im Berufs-
schulwesen und nicht zuletzt in der Betreu-
ung der Jugend zum Ausdruck gebracht. Ein-
m¸tig waren die Delegierten in der Auffas-
sung, daþ das Ausbildungsniveau der heuti-
gen Jugend noch nicht befriedigen k–nnte.
Eine wesentliche Aufgabe f¸r die Zukunft
ist die Schaffung einer neuen Ausbildungs-
ordnung, die den ver"nderten Verh"ltnissen
der Jetztzeit Rechnung tr"gt. Ferner wurde
von den Diskussionsrednern zum Ausdruck
gebracht, daþ in der gewerkschaftlichen Ju-
gendarbeit ein gesunder Einklang zwischen
gewerkschaftlichen Aufgaben, Berufsausbil-
dung und Freizeitgestaltung sein m¸þte.
Wanderungen und Zeltlager sollen als Ent-
spannung f¸r die ernste berufliche und ge-
werkschaftliche Arbeit dienen.
Die Beratung der Richtlinien f¸r die Jugend-
arbeit in der Industriegewerkschaft Druck
und Papier nahm einige Stunden in An-
spruch. Trotz der Unterschiedlichkeit der Auf-
fassungen war es nach heftigen Diskussionen
m–glich, einen gemeinsamen Weg f¸r die zu-
k¸nftige Gestaltung der Jugendarbeit zu fin-
den. Ferner wurde dem an den folgenden
Tagen tagenden Verbandstag einige Antr"ge
unterbreitet, die auch die Zustimmung der
Delegierten des Verbandstages fanden.
Die erste trizonale Jugendkonferenz ist ein
voller Erfolg gewesen. Die Zeit der Tagung
war leider sehr kurz. Nur wesentliche Fragen
in der Jugendarbeit konnten behandelt wer-
den. Aber der dort angekn¸pfte pers–nliche
Kontakt wird in Zukunft einen regen und
fruchtbringenden Erfahrungs- und Gedanken-
austausch zur Folge haben. Am n"chsten Tag
hatten die Jugenddelegierten Gelegenheit,
dem entscheidenden ersten trizonalen Ver-
bandstag des graphischen Gewerbes beizu-
wohnen.                    John Volgemann
_mnEM
ein Seitenbrett flach auf den Boden gelegt
und in die Nuten Leim gestrichen. Die Quer-
bretter werden eingesetzt und das zweite
Seitenbrett aufgelegt. Mit einem Hammer
schlagen wir die Verbindung zusammen. Um
das Holz vor Besch"digung zu sch¸tzen,
schlagen wir mit dem Hammer auf ein da-
zwischen gelegtes Schutzholz. Heraustreten-
der Leim wird sofort entfernt. Um den Quer-
brettern gr–þere Festigkeit zu geben, k–n-
nen wir an den Seiten kleine Leisten unter-
nageln. Dann stellen wir das fertig geleimte
B¸cherbrett auf eine ebene Fl"che, pr¸fen
die rechtwinklige Stellung der Bretter zu-
einander und korrigieren durch leichte Hand-
schl"ge. Zum Schluþ wird mit einem starken
Bindfaden in H–he der Querbretter das Regal
zusammengebunden. 24 Stunden muþ der
Leim trocknen. Gr–þerer Haltbarkeit wegen
k–nnen wir am n"chsten Tag an den vier
"uþeren Ecken des B¸cherbretts auf der R¸ck-
seite kleine Dreiecke von zirka 10 Zenti-
meter Schenkell"nge aufschrauben, die wir
aus einem Holzbrettchen ausschneiden.
Zur letzten Uberarbeitung feuchter -wir das
Regal mit einem Schwamm an und beseiti-
gen hochstehende Holzfasern mit Glaspapier.
Gebeizt, gewachst und geb¸rstet, stellt sich
dann unser B¸cherbrett als wirklich sch–nes
M–belst¸ck dar, das nicht nur den B¸chern
einen Platz in unserem beschr"nkten Raum
verleiht.                      H. Gradten
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