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The History Collection

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Aufwärts
Jahrgang 2, Nr. 1 (January 1, 1949)

Strunk, Bärbel
Zeugnis menschlicher Hilfsbereitschaft,   p. 5


Page 5


ZEUGNIS MENSCHLICHER HILFSBEREITSCHAFT
HEIMSTATT UND AUSBILDUNG FUR VERSEHRTE JUGENDLICHE
Die franz–sische  Gewerkschaftszeitung
Force Ouvribre brachte einen Bericht ¸ber
die Ausbildung versehrter Jugendlicher, die
in einer m"rchenhaften Umgebung auf dem
ehemaligen F¸rstenschloþ Mesnuls zu t¸ch-
tigen Menschen herangebildet werden.
Die Gr¸nderin der Schule ist eine Frau. Sie
entdeckte das Schloþ f¸r die jungen Men-
-schen und setzte sich mit einer bewunderrs-
werten Ausdauer und Energie f¸r ihr Ziel
ein und ¸berwand endlich alle Schwierig-
keiten.
112 Personen wohnen auf Mesnuls. 87
Jungen leben dort, die von einem gut ausge-
bildeten Personal k–rperlich und geistig be-
treut und von Fachkr"ften in dem von ihnen
gew"hlten Handwerk ausgebildet werden.
Auf Mesnuls gibt es ein photographisches
Atelier, eine kleine Druckerei, in der die
Jungen eine eigene Zeitung drucken, eine
Uhrenwerkstatt, f¸r die eine bedeutende
Uhrenfabrik Apparate zur Verf¸gung gestellt
hat und Mesnuls mit Arbeit versorgen will.
Die Uhrmacher haben ihren Arbeitsraum im
Schloþ Mesnuls
im Departe:n.et S- ne et       . tArchiv)
STELLTEN UND
HANDELSREISENDEN
Uberall setzen die Gewerkschaften des Aus-
landes ihre Jugendarbeit fort. Auch der
Mercurius ist beim Aufbau der gewerk-
schaftlichen Jugendarbeit. An verschiedenen
Orten gibt es sdhon Gruppen, wenn audc
noch geringen Umfanges. Meist sind es spe-
zielle Gruppen f¸r die verschiedenen Berufe,
Doch findet man auch dann und wann
sogenannte zentrale Gruppen, in denen
sich die Gruppenmitglieder aller Berufs-
zweige zusammenfinden sollen. Die Arbeit
ist "hnlidh wie in der deutschen gewerk-
schaftlichen Jugendarbeit. Im Sommer 1948
organisierten sie erstmalig nadh dem Krieg
wieder Sommerlager. Zwar besaþen sie vor
dem Kriege bereits ein eigenes Jugendheim,
das aber in den Ereignissen der Kriegszeit
-verlorenging. Obwohl das Haus durch den
Krieg verschont wurde, ist es 1945 nicht
wieder zur Verf¸gung gewesen. Erst im M"rz
1948 erhielten sie die Freigabe vom Kriegs-
ministerium. Er war nicht einfach, der Wie-
deraufbau des Heimes, denn auch in Holland
sind die Materialien knapp. Kein Tisch,
rrlichen Gew"chshaus. Aus der gegen-
erliegenden Garage hat man eine Schuster-
rkstatt gemacht. Die Bewohner des nahe-
.egenen Dorfes sind mit ihrer Arbeit so
rieden, daþ sie ihr ganzes Schuhwerk von
,en reparieren lassen. Im Modelliersaal
,affen die Jungen entz¸ckende kleine
kge aus Ton.
nn die jungen Menschen Mesnuls ver-
sen, sollen sie nicht ins Ungewisse gehen.
snuls besteht kaum  ein Jahr. Dennoch
in auch hier schon ein Beispiel genannt
rden. Einer der Jungen wollte unbedingt
tzger werden. Man setzte sich bei dem
tzger des Dorfes f¸r den Jungen ein, der
auch schlieþlich als Lehrling annahm
1 so zufrieden mit ihm war, daþ er ihn
iz zu sich nahm und seinen Lohn erh–hte.
reich des Schloþparks k–nnen die Jugend-
hen fischen und baden, wenn es ihnen die
t erlaubt. Alle, auch der Meistbehinderte,
.- nur ein Bein und einen Arm hat, haben
wimmen gelernt.
Die Schlafs"le, von denen der Blick
auf den Teich und die B"ume des
Parks schweift, haben die Jungen
selbst eingerichtet und halten sie
auch mit groþer Sorgfalt in Ord-
nung.
Welch ein Gegensatz zwischen der
Majest"t der Umgebung, dem Luxus
der Decken und T¸ren, dieser ganzen
Sch–nheit und diesen jungen Men-
schen. Was man auch immer tut, um
zu helfen und ihr Schicksal in sichere
Bahnen zu lenken, nichts wird je zu-
viel sein. Mesnul ist ein herrliches
Zeugnis menschlicher Hilfsbereit-
schaft. Einer solchen Hilfsbereit-
schaft bedarf auch unsere gef"hrdete
Jugend ganz dringend.    B"rbel Strunk
MERCURIZIS
kein Stuhl, kein Glas waren ¸briggeblie-
ben, so daþ nidht nur Reparaturarbeiten zu
bew"ltigen waren. Mit Anspannung aller
Kr"fte gelang dann zum Sommer die Fertig-
stellung. Einige Lagerwochen sind nun ge-
wesen. Doch zu Weihnachten fand ein gr–-
þeres Treffen in diesem Heim in Lunteren
statt. Am Heiligabend kamen Jungen und
M"del aus allen Teilen Hollands zusammen.
In der Nacht war das erste Zusammentref-
fen. Bei Kerzenlicht saþen sie im festlich ge-
schm¸ckten Jugendheim. Die alten und die
neuen Weihnachtslieder klangen auf. Neue
Freundschaften wurden geschlossen, und Er-
innerungen ausgetauscht. Als sie auseinan-
dergingen, war wieder ein St¸ck gewerk-
schaftlicher Jugendarbeit gefestigt.
Wir deutschen jungen Gewerkschafter w¸n-
schen den holl"ndisdien Freunden auf die-
sem Weg ein gutes Fortschreiten. M–ge aus
der Erkenntnis der Gemeinsamkeit der Auf-
gaben audh das Verst"ndnis f¸reinander
wachsen. Das, was eine "ltere Generation
nidit mehr vermag, das muþ uns Jungen
gelingen.                          w. B.
An der ber¸hmten EL-Azhar-Universit"t der
islamischen Welt in Kairo neuerdings auch
Frauen studieren d¸rfen in von den M"nnern
getrennten Vorlesungen ¸ber Lehre und
Recht des Islams?
Als der j¸ngste Abgeordnete in Ontario
(Kanada), der 21j"hrige sozialistische Ab-
geordnete Reid Scott, in die gesetzgebende
Versammlung gew"hlt wurde?
Auf eine Anfrage der Vatikan erkl"rte, daþ1
Ordensgeistliche und Schwestern, die im –f-
fentlichen Dienst stehen, den Gewerkschaf-
ten beitreten k–nnen?
In der Tschechoslowakei ein Tapferkeits-
abzeichen eingef¸hrt wurde, das ein "uþeres
Zeichen des Arbeits- und Verteidigungswil-
lens sein soll und auf Grund sportlicher
Leistungen, demokratischer Gesinnung und
nationalen Bewuþtseins in vier Klassen von
Bronze bis Gold verliehen wird?
Die Internationalen Pfadfinderinnen mit f¸nf
Gruppen zurzeit noch in Deutschland arbei-
ten und bisher 112000 englische Pfund f¸r
Hilfeleistungen im Ausland aufgebracht
haben?
Um Jugendhof Vlotho vom 13.-24. Januar
eine Arbeitswoche unter dem Thema äWas
will die Gewerkschaftsjugend?' stattfindet,
um die Vertreter der Jugendorganisationen
mit den Aufgaben und Arbeitsmethoden der
Deutschen Gewerkschaftsjugend bekanntzu-
machen?
In Goslar eine "Deutsche Gesellschaft zur
F–rderung des gewerblichen Bildungswesens
gegr¸ndet wurde, an der auch die Gewerk-
schaften beteiligt sind?
Die Gewerkschaftsjugend des Bezirks Nord-
mark im Juni und Juli 1949 ein Lager mit
2000 Jugendlichen an der Ostsee durchf¸h-
ren will, wobei eine Kundgebung der Jugend.
zum Weltfrieden geplant ist?
Der Ortsjugendausschuþ D¸sseldorf in den
Berufsschulen der Stadt D¸sseldorf eine
groþe "Aufw"rts"-Werbung veranstalten und
mindestens 3000 neue Bezieher werben will?
In M¸nchen gegenw"rtig eine Ausstellung
zur Berufswerbung unter dem Motto äVom
Lehrling bis zum Meister' stattfindet?
In den letzten Wochen des Jahres 1948 ¸bei
8000 Heimkehrer, darunter mehrere hundert
Frauen, aus Ruþland, Polen und Jugoslawien
das Durchgangslager Friedland passiert
haben und der j¸ngste Ruþlandheimkehrer
ein 12j"hriger Junge war, der 3 Jahre unter
den gleichen Verh"ltnissen in Ruþland ge-
arbeitet hat wie die ¸brigen Kriegsgefan-
genen?
Ungef"hr eine halbe Million Jugendliche im
Alter zwischen 17 und 25 Jahren heute in
Deutschland in Baracken -wohnen?
Von einem. franz–sischen Milit"rgericht in
Neustadt an der Hardt zwei l7j"lrige Sch¸-
ler und ein Kriegsversehrter verurteilt wur-
den, weil sie im Besitz von zwei alten Wehr-
machtzeltbahnen waren?
Felix Graf Luckner, der Verfasser des Buches
.Der Seeteufel, zurzeit die Vereinigten Staa-
ten bereist, um sich ein Bild von der ameri-
kanischen Demokratie zu machen und nach
seiner R¸ckkehr seine Beobachtungen f¸r die
deutsche Jugend nutzbar machen will?
Hessen eine neue Jugendgesetzgebung vor-
bereitet, in der die beh–rdliche Jugendpflege
in Zukunft ausschlieþlich eine Erziehungs-
angelegenheit und nicht mehr, wie bisher,
eine Wohlfahrtsangelegenheit sein soll und
damit die Jugendpflege zur Pflichtaufgabe
der Gemeinde und des Staates macht?
Du bei jeder Postanstalt den Aufw"rts be-
stellen kannst?
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* ALLGEMEINER
NIEDERLIND)SCHER
VERBAND DER
HANDELS- UND       LGENIENE NEDERLA-,NLDSE BON\ \.RN HNi\\L-Ml-
KONTORANGE -       EN K.ANTOORBEDIENDEN iE H I\Vv'I S'j i
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