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Becher, Johannes Robert, 1891-1958. / Wir, Volk der Deutschen; Rede auf der 1. Bundeskonferenz des Kulturbundes zur Demokratischen Erneuerung Deutschlands (21 Mai 1947)
(1947)

II. Flucht und Verdrängung,   pp. 12-34 PDF (889.9 KB)


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wenn es galt, fur die beste deutsche Sache einzustehen,
insofern diese Sache nicht als gesetzmagig und nicht als
genuigend legitimiert in uns sich ausweisen konnte. So ist
tes auch heute: Menschen, die ungeheuerliche Strapazen
im  zweiten Weltkrieg willig, ja begeistert ertragen
haben, machen schlapp, wenn es gilt, in eigener guter
Sache sich einzusetzen.
Wir bedauern es, und es ist im Interesse unseres ganzen
Volkes zu bedauern, dag keiner der Intellektueflen, die
den Versuchungen der vergangenen Jahre mehr oder
weniger erlegen sind und die dem geistigen Ermachti-
gungsgesetz seinerzeit zugestinmmt haben, bisher den Mut
-gefunden hat, anstatt in allzu durchsichtige, wenn auch
wohlstilisierte Ausreden zu fluichten, offen hervorzutreten
sund ein Bekenntnis abzulegen von jener tragischen Ver-
wirrung und Verstrickung, in welche die deutsche Intelli-
.genz geraten ist, teils wissend, teils halbwissend, teils nicht
wissenwollend, teils unwissend. Ein solches Bekenntnis,
*das, um nicht mifverstanden zu werden, keinesfalls ein
peinliches und wiirdeloses Peccavi zu sein hat, konnte
tausenden deutschen Menschen den Weg zur Umkehr er-
leichtern, die auf diesem Wege nach Einem Ausblick
halten, der ihnen vorangeht und Vorbild ist. Ein solches
Bekenntnis k6nnte uns allen, wenn es von einem wirk-
lichen Kenner der menschlichen Seele geschrieben ware,
*eine iiberaus wichtige Erganzung unserer geschichtlichen
.Einsichten sein und auch dazu beitragen, daf3 die Welt
-die Versuchung und Heimsuchung der deutschen Seele
tiefer versteht und sich selbst zu einer Warnung dienen
lMIit.
Als wir den ,,Kulturbund zur demokratischen Erneue-
rung Deutschlands" begriindeten, waren wir der Ansicht,
daI3 es nicht genuge, nur die geistige Elite unseres Volkes
zu sammeln, sondern wir waren uns von vornherein dar-
iuber kIar, daf die deutsche Intelligenz nicht so fort-
bestehen kann, als ware nichts geschehen, und daf sie
sich von neuem den Anspruch erkampfen mugl, als die
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