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Becher, Johannes Robert, 1891-1958. / Wir, Volk der Deutschen; Rede auf der 1. Bundeskonferenz des Kulturbundes zur Demokratischen Erneuerung Deutschlands (21 Mai 1947)
(1947)

II. Flucht und Verdrängung,   pp. 12-34 PDF (889.9 KB)


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zu geben. In allen Teilen Deutschlands sind Zeitschriften,
nicht wenige an Zahl, erschienen, und es sind manche dar-
unter, wie ,,Die Gegenwart", ,,Die Wandlung", ,,Die
Umschau", ,,Die Frankfurter Hefte", ,,Der Aufbau", die
in prinzipiellen Beitragen ernsthaft um eine deutsche Er-
neuerung ringen. Eine Anzahl Verdffentlichungen haben
Anspruch darauf, besonders hervorgehobien- zu werden;
wir nennen die Schriften Friedrich Meineckes, Karl
Jaspers, Eugen Kogons und Ernst Wiecherts. Das ist in
manchem Wesentlichen Geist von unserem Geilst, ohne-
daL wir bisher mit diesen und vielen anderen Autoren
rnoch zu einer geistigen Auseinandersetzung oder zu einem
ubereinstimmenden Gesprach gekommen waren.
Der Kulturbund kann also heute noch nicht als eine
geistige Reprasentation ganz Deutschlandls angesehen
werden.
All diese so aufrichtigen und wertvollen BemUhungen
kdnnen aber nicht hinwegtauschen uiber die Gleichgiiltig-
keit, Unbelehrbarkeit und Unb.e~kehrbarkeit, wie sie in
breitesten Schichten unseres Volkes vorhanden sind, so daJ
wir, wenn wir die geistig-moralische Situation Deutsch-
lands iiberblicken, sagen mussen: Es gibt zwar allerorts
hervorragende Menschen, die um eine bessere Einsicht in.
die Vergangenheit ringen und auch willens sind, grund--
sitzlich neu zu beginnen, aber diese Pers6nlichkeiten er-
wecken oft den Eindruck von Einzelgangern, die aaf
schmalen Pfaden, von nur ei-nem Hauflein Getreuer ge-
folgt, in eine ungewisse Zukunft sich vorantasten. Bald
auch wieder sind es Gruppen von Freunden und Be-
kannten, ,,Kreils~e", die sich irgendwie im Zeichen eines
Neuen zusiammengeh6rig fiuhlen, aber diese Zirkel,
Gruppen und Griippchen sind bestenfalls nur zufallig und
lose miteinander verknupft und haben teils nicht den
Wunsch, teils nicht die Mittel, sich zu verbreitern und
zu erweitern, und somit geraten sie in Gefahr, zu Sekten
und Cliquen zu erstarren und zu Ausweichstellen zu wer-
werden vor den grofen Problemen des Lebens.
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