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The History Collection

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Lüthi, Walter, 1901- / Deutschland zwischen gestern und morgen: ein Reisebericht.
([1947])

Die Verweigerung des Gespräches,   pp. 63-67 PDF (1.2 MB)


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durchgeht? Gab es im Ausland keine Moglichkeit zum Ein.
satz und zum Kampf? Gab es im Ausland keine Notwendigp
keit des Kampfes gegen das Hitlertum? Und war das weniger
gefahrlich damals, als im Ausland jedermann noch an den
Sieg Hitlers meinte glauben zu mussen? Und gab es umge.
kehrt in Deutschland keine Etappe? War jeder Deutsche asp
sich schon ein Frontsoldat gegen Hitler?
Hinter dem Versuch, den Auslander aus dem Gesprilch
auszuschalten, mit der Begriundung, er sei nicht dabeigewesen,
steckt aber noch etwas anderes, eben das <<ewige Deutsch.
tum>n, wir mochten es den verborgenen, immer noch vorhan.
denen  bewuf~ten  oder unbewul3ten Anspruch auf eine
deutsche Andersartigkeit, auf eine deutsche Ausschliellich.
keit nenuen. Der Deutsche ist immer noch geneigt, in seinem
Volk und in seiner Rasse den schlechthin andersartigen und
einmaligen, und darum auch den schlechthin unverstandenen
Menschenschlag zu sehen. So sprach uns einmal einer von
der deutschen Innerlichkeit, er sprach vor allem, und da wird
es nun gefahrlicher als bei den (<deutschen Maiglicklein>>, vom
<deutschen Herzen>>. Ja, das deutsche Herz! Gibt es seine-s-
gleichen an Gute und an Verworfenheit aluf Erden? Kann
ein anderer als eben ein Deutscher wissen was das ist, das
deutsche Herz? Solchem Gerede gegenuiber kann man nur
und noch einmal in allem Respekt vor 'der Verschiedenheit
und Mannigfaltigkeit der Schopfung zur Schrift greifen und
feststellen, dal3 das deutsche Herz immerhin auch ein Men-
schenherz ist, und mit gemeint ist vom Propheten Jeremia,
wenn dieser sagt: <<Es ist aber des Menschen Herz ein trotzig
und verzagt Ding, wer kann es ergruinden?>> Gott hat wahr-
haftig damals, als er die Niederschrift der Bibel veranlallte,
den <<Fall Deutschland» auch vorgesehen. Gott hat doch kaum
gedacht, es gebe vorlaufig Juden und Heiden, aber einst
werde dann ein Volk kommen, das als dritte Moglichkeit -den
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