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Nationale Front des Demokratischen Deutschland / Weissbuch über die amerikanisch-englische Interventionspolitik in Westdeutschland und das Wiedererstehen des deutschen Imperialismus
([1951])

2. Der deutsche Imperialismus ersteht erneut,   pp. 67-77 PDF (1.9 MB)


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So sorgten die westlichen Besatzungsmachte daffir, daB die Entmachtung der
Nazi-
und Kriegsverbrecher, der reaktionarsten Krafte Deutschlands, der Ruhrmagnaten
und Junker mit ihrem Anhang von Nazibonzen und ehemaligen Generalen der Hit-
lerarmee in Westdeutschland verhindert wurde.
Reorganisation der westdeutschen Trusts
Die Organisationsformen der wichtigsten deutschen Grol3unternehmungen hatten
sich nach Ansicht der Monopolisten als dringend reformbediirftig erwiesen.
Sie hat-
ten im Verlauf von zwolf Jahren Krieg und Faschismus unerhort viel geschluckt
ohne zu verdauen und waren ,,top-heavy" geworden. Das traf vor allen
Dingen ffir
den Stahltrust und den Chlemietrust zu. Schon wahrend des faschistischen
Raub-
krieges waren in beiden Monopolen Plane fur eine gewisse Dezentralisation
er-
wogen worden, weil sich die riesigen Gebilde von einer zentralen Stelle aus
uber-
haupt nicht mehr ulberblicken und leiten lieBen. Unter dem Deckmantel der
,,Ent-
flechtung der Konzerne auf dem Boden der Potsdamer Beschlusse" wurde
diese
notwendig geworden e Reorganisation jetzt nach dem Kriege durchgefiuhrt.
Mr. Nixon erklarte dazu vor dem Kilgore-AusschuB:
Die IG-Farben-Kontrolle ist der Linie gefolgt, die vor dem Ende des
Krieges von den IG-Farben-Beamten selbst als Anpassung an die Tatsachen
der Niederlage und der Besetzung empfohlen worden ist. Diese SchluBfolge-
rung basierte teilweise auf einem Brief von Max Ilgner, einem der leitenden
Leute bei IG Farben, den er im Mai 1945 aus der Haft an zwei seiner Mit-
arbeiter in der zentralen Finanzabteilung von IG Farben schrieb. Er instruierte
sie, in so enger Verbindung wie m6glich miteinander und mit anderen Fuh-
rern der IG Farben zu bleiben. Er sagte voraus, daI3 die amerikanischen Be-
horden schlieBlich die Wiederaufnahme der IG-Farben-Arbeit erlauben wiir-
den und betonte die Notwendigkeit, die Organisation in der Erwartung dieser
Entwicklung am Leben zu erhalten."
(Kilgore Committee, S. 1563.)
Im Stein- und Braunkohlenbergbau wurden die Syndikate, und vor allem das
Rhei-
nisch-Westfalische Kohlensyndikat aufgelost. Mit demselben Personal wurden
je-
doch die Deutsche Kohlenbergbauleitung und ihre Untergliederungen (Deutscher
Kohlenverkauf, Beschaffungszentrale fur Bergbaubedarf usw.) geschaffen, deren
Kom-
petenzen noch erheblich weiter gingen als die der Syndikate. In der Stahl-
und Eisen-
industrie wurden die Huttenwerke aus den Konzernen ,,herausgel6st",
obwohl die
Konzerne nach wie vor die Eigentumer der Produktionsmittel blieben, und auf
einer
horizontalen Ebene monopolistisch zusammengefaBt. Der IG-Farben-Trust wurde
provisorisch in einzelne ,,treuhanderisch" verwaltete Betriebsgesellschaften
zerlegt,
ohne daB die Eigentumsverhaltnisse angetastet wurden. Alles entwickelte sich
nach
dem Plan der deutschen und amerikanischen Monopolisten. Die ubrigen Trusts
und
Konzerne wurden von der ,,Entflechtung" uberhaupt nicht beriihrt.
Mit dem Ubergang zur offenen Aufruistung wurde auch in den ,,entflochtenen"
Trusts
und Konzernen der nachste Schritt vollzogen. In der Schwerindustrie wurde
zum
vertikalen Trustaufbau zuruckgekehrt. Die Vereinigten Stah1werke, die fruiher
fuber
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