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Nationale Front des Demokratischen Deutschland / Weissbuch über die amerikanisch-englische Interventionspolitik in Westdeutschland und das Wiedererstehen des deutschen Imperialismus
([1951])

1. Das westdeutsche Rüstungspotential,   pp. 48-51 PDF (391.3 KB)


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Politik des amerikanischen Imperialismus dafiir, daB die Beschlfisse von
Potsdam
miBachtet und die Ruistungsbetriebe erhalten blieben. Dagegen wurde die Moglich-
keit zur Demontage von Betrieben benutzt, um Friedensindustrien zu schadigen
und
die unliebsame deutsche Konkurrenz zu beseitigen. So wurde z. B. unter wohlwol-
lender Billigung der amerikanischen Behorden von der franz6sischen Besatzungs-
macht mehr als die Halfte der Kapazitat der Schwarzwalder Uhrenindustrie
de-
montiert.
Schon im Februar und Marz 1946 wurde diese Politik der amerikanischen Besatzungs-
macht von Russel A. Nixon vor einem SenatsausschuB enthullt. Nixon gab dort
u. a.
das Beispiel des IG-Werkes Anorgana in Gendorf. Das Werk hatte im Kriege
aus-
schlielflich Giftgas hergestellt, und der Direktor der Finanzabteilung der
US-Mili-
tirregierung Mr. Dodge, verfulgte daher am 18. Oktober 1945 seine sofortige
Schlie-
Bung. Der Direktor der Wirtschaftsabteilung jedoch, General Draper, im Hauptberuf
Vizeprasident des Wallstreet-Bankhauses Dillon, Read & Co., bestand darauf,
daB
die Erzeugung weitergefiuhrt werde, weil die Erzeugnisse dringend gebraucht
wur-
den.
Mr. Nixon wies weiter nach, daB kein Betrieb der IG Farben zur Reparation
oder
zur Demontage vorgesehen sei, obwohl sie durchweg Kriegsbetriebe seien. Die
drei
zur Demontage zur Verfuigung gestellten Betriebe waren in Wirklichkeit Besitz
des
Reiches und wurden nur von IG Farben verwaltet. Als diese Betriebe tatsachlich
demontiert wurden, wurden die Einrichtungen an die verschiedenen IG-Unterneh-
mungen versandt, anstatt fur Reparationen abverfuigt zu werden.
Wie ein Witz liest sich ,Die Entwicklung der Demontagefrage", ein geheimes
Me-
morandum der Leitung der Badischen Anilin- und Sodafabrik in Ludwigshafen.
Da-
nach waren Ende 1947 im ganzen 59 kriegswichtige Anlagen zur Demontage vor-
gesehen. ,Als Ergebnis der ersten Verhandlungen ergab sich eine Reduktion
dieser
Liste auf ... 47 Teilbetriebe." Bei weiteren Verhandlungen wurden wiederum
23 Po-
sitionen von der Liste abgesetzt, so daB 24 Teile uibrigblieben. Bis Ende
1949 gelang
es, noch einmal 11 Positionen aus der Liste zu streichen, so daB von den
urspruinglich
vorgesehenen 59 nur 13 verblieben. Aber auch diese 13 Betriebsteile wurden
nicht
etwa demontiert, sondern lediglich eine kleine Anzahl von Apparaten und Labor-
und Reserveeinrichtungen, die ganz leicht ersetzbar sind.
Entgegen den Potsdamer Beschlissen wurde die Riistungsindustrie Westdeutsch-
lands fast gar nicht angetastet. Selbst der verstorbene britische AuBenminister
Bevin sah sich gezwungen, den v6lligen Bankrott der Politik der wirtschaftlichen
Entmilitarisierung in einer Rede im Unterhaus am 22. Juli 1949 zuzugeben:
,,Ich habe in Moskau ein Versprechen abgegeben, das ich nicht in der Lage
war zu halten - und das nehmen mir die Russen ubel. Ich habe damals ge-
sagt, daB im Juli 1948 die Demontage samtlicher Ruistungsbetriebe der soge-
nannten Kategorie I beendet sein wurde. Ich habe getan, was ich konnte, um
dieses Versprechen einzulosen, aber unsere Alliierten legten mir die gr6l3ten
Hindernisse in den Weg."
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