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The History Collection

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Aufwärts
Jahrgang 19, Nr. 4 (April 15, 1966)

Lenders, Inge
Gastgeschenk Kuckucksuhr,   pp. 16-17


Page 17

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I es hatte zu Hause eine so groUe 
swahl gegeben. Das nächste Problem 
ien jedoch lösbar. Auf meine Mit- 
ung, die Uhr müsse hängen, um zu 
en, verschwand einer der Söhne 
eitwillig und kam mit Hammer und 
gei wieder. Allerdings war der Nagel 
ùu geeignet, Zimmerleuten zum Zu- 
nmenschlagen von Balken zu dienen. 
schauten denn auch noch 7 cm des 
gels aus der Wand, und die Uhr hing 
lief. Die Dunkelheit hatte inzwischen 
)enommen, die Hitze auch. Aber das 
ternehmen Kuckucksuhr hatte sich 
ohnt, denn als jetzt beim Stellen der 
r der Zeiger immer und Immer wieder 
rumwanderte, gab es bei jedem Öffnen 
s Törchens und bei jedem der vielen 
ckucksrufe  strahlende  Gesichter, 
chtende Augen, bewundernde Rufe 
r Männer, Lachen und Gekicher bei 
n Frauen. Ich setzte mich erschöpft 
mein Sofa, und es war mir egal, daß 
Blumendecke zum zehnten Male 
rutschte. Der <Nagel-Experte" ver- 
ach mir, die Uhr am nächsten Tag 
ade aufzuhängen, damit sie dann auch 
g, aber seine Zweifel, ob die zwei 
Drahtklammern nicht doch zum Uhrwerk 
gehörten, konnte ich nicht beseitigen. Er 
hob sie <für alle Fälle" sorgsam auf. 
Nach diesem Auftritt entstand plötzlich 
eine große Stille - alle sahen mich er- 
wartungsvoll an -, aber ich kannte das 
Zeremoniell nicht und wußte nicht, was 
man von mir erwartete. Schließlich 
sprach der alte Vater. Sein Sohn über- 
setzte es mir von Twi in Englisch. Ich 
habe noch gar nichts über das Geschenk 
gesagt, es nicht erklärt. So erzählte ich 
denn noch von Deutschland, vom 
Schwarzwald, vom Frühling und von den 
Kuckucks, aber <Kuckuck ruft aus dem 
Wald* habe ich nicht gesungen. Damit 
- dachte ich - ist dieser Famillenbesuch 
beendet. Aber weit gefehlt. Nun wurde 
mir das demonstriert, was ich aus 
Büchern als afrikanische Großfamilie 
kannte. Sie wurde zu einem Alptraum. 
Das Dorf war stockdunkel. Wir zogen 
als Rudel durch die Gassen, stolperten 
von Haus zu Haus, in die Innenhöfe, 
schüttelten Hände, zwanzig, fünfzig, 
hundert, Urgroßmütter, die nur noch 
Haut und Knochen waren, Onkels in allen 
Lebensaltern, Frauen mit ungezählten 
Kindern. Und überall der gleiche Ritus, 
begrüßen, setzen, vorstellen, zurück- 
grüßen, setzen, Geschenke, Dank, Ab- 
schied. Ich gewöhnte mich langsam an 
die Shillinge, die jedesmal aus einem 
Zipfel des Gewandes losgeknüpft und 
mir überreicht wurden. 
Nur als mir In einem Haus ein Hahn, 
lebend, mit Federn und Kikeristimme in 
die Hand gedrückt wurde, verlor ich 
wieder leicht die Fassung. Aus der 
Großstadt kommend, pflege ich Hähn- 
chen sonst nur in Cellophan aus derTief- 
kühltruhe oder gebraten vom Grill zu 
nehmen. Aber bei den zwei bunten 
Vögelchen, denen man die Beine zu- 
sammengebunden hatte und die als 
nächstes Geschenk folgten, war ich 
schon wieder gefaßt 
Allmählich begann in meinem Kopf ein 
Mühlrad zu drehen, und die Knie wurden 
auch ein bißchen weich. Aber, nachdem 
ich bestimmt der Hälfte der Einwohner 
die Hand geschüttelt hatte, wurde ich in 
ein Zimmer mit richtiger Beleuchtung 
geführt. Da stand ein Korb, und aus dem 
Korb holte man Teller und Schüsseln 
und ein Besteck. Es war ein Fischbesteck 
mit Elfenbeingriff und ein Zeichen 
dafür, daß man keine Mühe gescheut 
hatte, das Kostbarste aus dem Dorf 
zusammenzutragen für diese Mahlzeit 
Plötzlich war ich dann allein. Es gehörte 
sich wohl nicht, einem europäischen 
Gast beim Essen zuzuschauen. Nur im 
Rücken spürte ich die Blicke der Kinder, 
die draußen am Fliegengitter standen 
und staunten. Es gab Yamfufu und Huhn, 
und ich war hungrig. Ich gab nichts 
darum, daß Fufu eigentlich an zu festen 
Brei aus erfrorenen Kartoffeln, leicht mit 
Klebstoff vermischt, erinnert. Ich war 
nicht mehr dazu in der Lage, mir vor- 
zustellen, auf welche vielleicht nicht 
ganz europäische Art das Huhn zu- 
bereitet war. Ich aß mit dem größten 
Vergnügen und fühlte mich der Lage 
wieder gewachsen. 
Hahn und Vögel im Kofferraum, Holz- 
figur im Arm, dreckig, verschwitzt, tod- 
müde aber glücklich, schluckte uns am 
späten Abend der dunkle Urwald. 


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