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The History Collection

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Aufwärts
Jahrgang 15, Nr. 9 (September 15, 1962)

Baier, Oskar
Bei den Indianern der Anden,   pp. 22-23


Page 23

ach Peru, um den Auftrag Taraco durchzu- 
ühren. Mit der Arbeit der Anden-Aktion war 
-h bereits am bolivianischen Ufer des TIti- 
acasees in unmittelbare Berührung gekom- 
nen. Mir war auch inzwischen klar geworden, 
aß das Bauen von Gebäuden in diesen Ge- 
enden und Höhen und unter gänzlich anders 
earteten Gegebenheiten keine Kleinigkeit 
ein würde. Ich war also für meine eigentliche 
lission ,aufgeklärt" und nicht mehr einer 
mer europäischen Besserwisser, die man in 
üdamerika wegen ihrer Ahnungslosigkeit 
on dieser Umwelt sarkastich,paracaldistas", 
. h. Fallschirmspringer, nennt. Meine Arbeit 
i Taraco konnte nun beginnen. 
sagte, nun hätten ihre Jungen als Mechaniker 
und Schreiner ~eine andere Zukunft vor sich 
als die von Bauern, Fischern oder Lamahirten". 
Das würde man am Titicacasee den deutschen 
Arbeitern, die das Geld für die Handwerker- 
schule Taraco spendeten, nie vergessen. 
cheie, denn das bringt nach ihrer Ansicht viel 
Glück. Wenn ich dann das zuvor aufgenom- 
mene Tonband wieder ablaufen ließ und die 
Indios ihre eigene Musik wiedererkannten, gab 
es jedesmal kindliches Gelächter und größtes 
Vergnügen. 
Auch eine andere Episode des Festes verdient 
Erwähnung. Ich hatte den indianischen Schü- 
lern von Taraco einen Wimpel und Abzeichen 
der deutschen Gewerkschaftsjugend über- 
reicht. Als die Stunde des Festumzuges kam, 
trugen sie eben jenen schwarz-rot-goldenen 
Wimpel feierlich durch die jubelnden Indianer- 
massen. Und jeder von ihnen hat seitdem Tag 
und Nacht sein Abzeichen der Gewerkschafts- 
Jugend angesteckt. Die Bedeutung dieser 
Gesten kann nur der ermessen, der um die 
Nüchternheit und das Mißtrauen der Indios 
allen Ausländern gegenüber weiß. - 
Die Handwerkerschule in den Anden 
Noch klingt die Indiomuäk von Taraco mir in 
den Ohren, ziehen die bunten Bilder des ge- 
waltigen Festumzuges an mir vorüber. Und so 
stelle ich mir immer und immer wieder die 
Frage: Hat unser Tun da oben auf dem ,Dache 
Südamerikas" wirklich Sinn? 
Ich kann nur rundheraus mit Ja antworten! 
Das Ganze ist Entwicklungshilfe mit echtem 
humanitären, sozialen, politischen und wirt- 
schaftlichen Gehalt, ohne uneingestandene 
Hintergedanken, aber auch frei von jeder bil- 
ligen Sozialsentimentalitkt Es ist ein hand- 
festes Zupacken, eine Aufgabe, wie sie gerade 
Gewerkschaftlern liegt. Wir tragen dazu bei, 
Nachfahren alter Kulturvölker von den Folgen 
eines brutalen äußeren Einbruches in ihre 
einst so wohl organisierten sozialen Ordnun- 
gen zu erlösen und kürzen damit ihren Weg zu 
echter Freiheit und erträglichen Lebensver- 
hältnissen ab. 
bracht. Schon die erste Ortsbesichtigung 
ergab, daß diese Pläne umgezeichnet werden 
mußten. Aber wo und von wem? Unten In der 
südperuanischen Metropole Arequipa, also 
jenseits der West-Kordtllere, bestand die ein- 
zige Möglichkeit, im Baubüro einer deutschen 
Brauerei. Unsere Landsleute halfen mir selbst- 
los bei dieser Arbeit. 
Bei der Einweihung Ende Mai 1962 durfte ich 
feststellen, daß ebenso zweckmäßig wie schön 
gebaut worden ist. ~Unsere" Handwerker- 
schule In Taraco ist architektonisch ohne 
Übertreibung ein Schmuckstück des Hoch- 
landes. Wir haben mit den vorhandenen Mit- 
tein mehr bauen und ausführen können, als 
ursprünglich vorgesehen war. Der Erfolg 
spricht für die Methode und für die Anden- 
Aktion. Es wurde nämlich 1960 beschlossen, 
die Ausführung nicht einer der meist sehr 
teuren peruanischen Bauunternehmen anzu- 
vertrauen, sondern sie In eigener Regie durch- 
zuführen. 
Die Einweihung am 23. Juni gestaltete sich zu 
einem für alle Beteiligten wirklich unverges- 
senen Fest, zu dem nicht nur die Vertreter der 
Behörden und der Internationalen Organi- 
sation der UNO erschienen, sondern auch der 
deutsche Botschafter in Peru, Dr. Heinrich 
Northe und seine Frau, sowie der Bischof von 
Juli, der die landesübliche religiöse Einseg- 
nung vornahm. 
Ich will hier nicht über die zwölf Reden be- 
richten, die bei diesem Anlaß gehalten wurden. 
Aber ich möchte nicht verfehlen zu erzählen, 
daß dabei auch ein alter Indio in seiner bunten 
Tracht ans Mikrophon trat, um als Vertreter 
der Familienväter zu danken. Choquehuanca 
Kreis auf, bot mir Chicha und gebratene Kar- 
toffeln an und bemühte sich, mir irgendwie 
Freundlichkeiten zu erweisen, schickte Klein- 
kinder mit Papierblümchen ins Treffen, brachte 
ausgestopfte Füchse an, damit ich sie strei- 
Indios dieser Region gerade in Zusammen- 
arbeit mit den deutschen Gewerkschaften er- 
reicht haben. Schon der Aufmarsch so vieler 
Tausende hat mir angezeigt, daß jetzt und hier 
etwas ganz Wesentliches passiert ist." 
Sei der Einweihung der Schule 
Fotos: Oskar Baler 


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