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The History Collection

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Jahrgang 15, Nr. 9 (September 15, 1962)

Helsinki,   pp. 12 and 13-15


Page 14

Das Festival bot eine gute Möglichkeit für eine 
geistige Auseinandersetzung. Daß sie nicht 
erfolgte - oder einige wenige sehr freimütige 
Diskussionsredner untergingen -, lag nur in 
wenigen Fällen an den Diskussionsleltem. Es 
lag einfach daran, daß die Teilnehmer Im we- 
sentlichen im eigenen politischen Saft schmor- 
ten, weil die westlichen Jugendverbände - mit 
ihren Vorstellungen Ober politische Probleme 
- nicht vorhanden waren. Wir haben gekniffen 
und damit eine große Chance verpaßt. 
Wie großartig allein war das Vorhandensein 
zweier westlicher Informationszentren. Junge 
Amerikaner und junge Schweizer informierten 
die Festivaiteilnehmer nüchtern und sachlich 
über das Leben in ihren Ländern. Ohne jede 
Polemik, ohne Holzhammer - das war wir- 
kungsvoll und hinterließ bei den Festivateil- 
nehmern aus aller Welt, die diese Zentren be- 
suchten. einen ausgezeichneten Eindruck. 
Trotzdem war der Leiter des Schweizer Infor- 
mationszentrums, ein Student, nicht zufrieden: 
~Der Kreis, den wir erreichen, ist zu klein. Wir 
müssen am Festival teilnehmen. Teilnehmen, 
aber nicht als kalte Krieger, sondern als junge 
Menschen aus dem Westen, die wie die Jugend 
der übrigen Weit auch für Frieden und Freund- 
schaft ist" 
So bescheiden aber wirkungsvoll die beiden 
informatonszentren waren, so problematisch 
waren andere Aktionen. 
Einige Nächte hindurch trugen junge Finnen - 
zum großen Teil mit ihren Mädchen am Arm - 
Unruhe in die City der finnischen Hauptstadt. 
Ober die Ursache gibt es die verschiedensten 
Versionen. Eine davon lautet, daß sich einige 
finnische Studenten durch den Gesang einer 
Gruppe von Mitgliedern der DDR-Delegation 
provoziert fühlten. (Wissen muß man, daß die 
finnischen Jugend- und Studentenverbände in 
ihrer Mehrheit eine Teilnahme am Festival ab- 
gelehnt hatten. Das ändert jedoch nichts an 
der Tatsache, daß die finnische Jugend die 
stärkste Delegation für das Festival stellte, 
nämlich 2200 Teilnehmer.) 
Beobachter dieser nächtlichen Unruhen hatten 
den Eindruck, daß es der finnischen Jugend 
mal Spaß machte, gegdn ihre Polizei zu rebel- 
leren. Man konnte sehen, daß Festivaiteilneh- 
mer unbehelligt durch Ansammlungen von 
jungen Finnen gingen, sobald aber die Polizei 
erschien, ging von einer Gruppe der Ruf aus: 
~Kommunisten raus l" Dann liefen sie zu einem 
großen Teil lachend zur nächsten Straßenecke. 
Dort begann das gleiche Spiel wieder. Siq 
schienen einen Mordsspaß daran zu haben. 
Weniger Spaß daran fand das Festivalko- 
mittee, das von einem provozierten Antifestival 
sprach - wie auch die finnische Regierung. 
Staatspräsident Kekkonen wandte sich in einer 
scharfen Erklärung gegen die Randaierer und 
erklärte, daß sich das finnische Volk Ihrer zu- 
tiefst schäme. 
Demonstrativ nahm der finnische Staatsprä- 
sident, der sich bis dahin gegenüber dem 
Festival größte Zurückhaltung auferlegt hatte. 
an einer Festivalveranstaitung teil. Seine Hai- 


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