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The History Collection

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Aufwärts
Jahrgang 15, Nr. 9 (September 15, 1962)

Ott, Günther
Bei jungen Künstlern in Ausstellung und Atelier,   pp. 8-9


Page 9

Brunnen für das neue Kölner Rathaus 
Fotos: Udo Hoffmann 
und Bäume wieder. Olaf Höhnen hat einen 
ebensgroßen Akt grob und ehrlich in Holz 
geschnitzt, und ebenfalls aus - jetzt getöntem - 
Holz sind sein ,Mädchen mit Rose" und die 
,Madonna im Wald". Maria Paffenholz stellte 
Kompositionen aus, die, in schönem Schwarz 
und goldenen Gegensätzen gehalten, von 
raffiniertem Geschmack zeugen. Helen Zis- 
koven präsentierte dekorative Holzreliefs. 
Nun, wir wollen die Liste der Aussteller nicht 
mehr weiterführen, sondern wenden uns dem 
29jährigen Olaf Höhnen zu, der uns gleich 
beim  Betreten der Gürzenich-Galerie als 
naturverbundener Bildschnitzer im Kreise der 
Abstrakten auffiel. Was hat er sonst noch ge- 
schaffen, und wie lautet die Biographie dieses 
aus der Eitel kommenden Künstlers? 
Wir suchen den jungen Bildhauer in seinem 
Atelier in der Kölner Innenstadt auf. Trümmer, 
Baustellen, neu errichtete  Etagenhäuser, 
dunkle Hinterhöfe - das ist die Umgebung. Als 
wir die Wohnung betreten, haben wir sofort 
den Eindruck eines <gewachsenen" Heims: 
moderne Bücherregale, daneben ein ge- 
schwungenes Sofa, vor dem Fenster ein Zei- 
chentisch mit Skizzen und Entwürfen. An der 
Wand hängt eine originale Negerplastik neben 
einem selbstgebastelten Ulk: einer masken- 
haften Strukturplastik. Auf einer schönen alten 
Truhe stehen die Bildwerke, von der Fenster- 
wand blickt uns ein unverkennbarer Mirö in 
Blau und Rot an, kein Original natürlich, son- 
dern ein Plakat. 
Das kleine Töchterchen, das eben herein- 
kommt, gibt uns Gelegenheit, die Ähnlichkeit 
mit der Zeichnung (mit Teddybär) über der 
Couch zu prüfen. 
Aus den verschiedensten Stoffen sind die 
plastischen Arbeiten: aus Metall, vornehmlich 
Bronze, Holz, Gips, Stein. Das Handwerkliche 
und der rechte Umigang mit dem Material er- 
scheinen uns für jeden Künstler sehr wichtig. 
Höhnen besitzt eine gediegene Grundlage: 
1948 tritt er in eine richtige Steinmetzlehre ein, 
als Geselle kommt er dann an die Kölner 
Werkschule, schließlich wird er Meisterschüler 
von Joseph Jaekel, der durch Bronzeblech- 
und Treibarbeiten bekannt geworden ist. 
Aber Technik allein macht natürlich noch 
keinen Künstler. Phantasie und Formempfin- 
den sind genauso wichtig. Schon jene skurrile 
~Maske" zeigte Höhnens phantasievolle Be- 
gabung, seine abstrakten Raumplastiken aus 
Metall beweisen sein Gefühl für Linie, Fläche 
und Körper im Raum. Dekoratives Können ver- 
rät der Fisch in Stein, und die balancierende 
Figur, in Gips ausgeführt, ist eine vortreffliche 
Studie, um bewegte Statik zu erlernen. 
Wir kommen auf die heutigen Berufsaus- 
sichten eines jungen Künstlers zu sprechen. 
Ob sein ehemaliger Professor ihm, der ja 
Meisterschüler an der Werkschule war,"Auf- 
träge vermittelt? Wissen wir doch von man- 
chem Lehrer, der seinen Schülern noch für 
lange Zeit die Wege des schweren künstle- 
rischen Berufes ebnet 
Olaf Höhnen wehrt ab. Nach der Absolvierung 
der Werkschule muß jeder selbst sehen, wie 
er weiterkommt. Das klingt bitter. Aber er hat 
es geschafft, hat sich seinen Weg selbst ge- 
bahnt. Das war nicht einfach. Höhnen ist 
Steinmetz, und als solcher bekommt er noch 
heute Aufträge für Grabgestaltungen. 1957 
wurde er mit dem 1. Preis für den Brunnen- 
Entwurf für das Kölner neue Rathaus ausge- 
zeichnet. So etwas gibt Auftrieb und ist eine 
gute Reklame. 
Für Kirchen ist er auch tätig: Formgebung von 
Altären und Kommunionbänken; ein Vor- 
tragekreuz ist im Entstehen. Natürlich wurde 
schon manches profane Kunstwerk von Samm- 
lern angekauft. Künstler werden ~herum- 
gereicht", je bekannter sie sind, desto größere 
Chancen haben sie. Und nun schließt sich der 
Kreis: Durch Ausstellungen kann man bekannt 
werdenl Auf der alljährlich veranstalteten 
Schau der Arbeitsgemeinschaft Kölner Künst- 
ler stellt auch Höhnen jeweils ein, zwei seiner 
Werke aus. In diesem Mammutunternehmen 
geht der einzelne jedoch unter. Die Ausstel- 
lung der Gürzenich-Galerie war anders, 
individueller. Wir sind froh, daß wir sie besucht 
haben: Wir lernten die Kunst hoffnungsvoller 
junger Maler und Bildhauer kennen. 
Das ist heute selten. 
Günther Ott 
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