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The History Collection

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Aufwärts
Jahrgang 15, Nr. 9 (September 15, 1962)

Ott, Günther
Bei jungen Künstlern in Ausstellung und Atelier,   pp. 8-9


Page 8

mg ldhaue Ola Hin  in senn Ateli ehs:Stede'äce 
Bei jungen Künstlern 
in Ausstellung und Atelier 
E    itStatletken -Oberden Kaffeeverrauch 
roKpf und Ober das Analphabetentum 
in der WeIL. Man führt Buch Ober Geehwin- 
dlgklseod und errechne die WahteIli 
gung. Wieie Kinobesucher diesen oder jenen 
Film for sehr gut, gut, mittel oder schlch be- 
funden haben, IM sich mancherorts aus Ta- 
bellen ablesen. Auch wie viele Millionäre und 
schlagende und frbentragende Stdntn 
vebidungen es in der Bundesrepublik gibt, 
haben unsere Statistiker festgestellt 
Warum sollte es dah-er ken Sttstkn Ober 
Kunstausealungen geben, wieviel an einem 
Tag. in eIner Woche. in einem Jahr eröffnet 
werden? Wahrscheinlich existieren sie. Genau 
weiß ich es nicht. Es gibt heute vIele, sehr viele 
periodische Kunstaustellungen in der WeIl 
Jede Kleinstadt hat zwar nicht Ihr Museum, 
immerhin ihre Kunstausstellung - im Möe- 
geschäft in der Buchhandlung, in der Kreis- 
sarkss    oder In einer Schule. Ganz zu 
shegnvon den Großstädten, wo die Zahl 
der Ausstellungseröffnungen jährlich In dIe 
Hunderte geht. 
Ausstelungen kosten Geld und Zelt. Viel 
Geld sogar für Passepartouts und Rahmen, 
für Mieten und Beleuchtung, Drucksachen und 
Porto, Kataloge usw. ich erfuhr kOrzlch, daß 
ein Daseildorer Maler. um In Paris auszu- 
stellen, bare 5000 DM auf den Tisch legen 
maußte. 
Wozu also dieser ganze Aufwand ? 
Wenn ch eine Ausstellung quanltätvoller 
Maier, Graiker oder Bildhauer besuche, habe 
ich viel Freude daran. Sind Künstier jedoch so 
uneigennütig, um dem Publkum nur Freude 
ZU berelten? Sicherlch nicht. 
Sie wollen bekannt weren um Ihre Werke zu 
verkaufen oder um Aufträge zu erhlten. 
Schleßlich müsen sie von Ihrem -%Onster- 
beruf leben. 
Sie wollen - alierdinge nicht jeder - von Fach- 
leuten obeki beurteilt werden und nicht zu- 
ltt- bei Koieivausstllungen - ihre Bile 
neben denen ihrer Kollegen, also in einer 
neuen Umgebung, sehen, um festzustellen, 
was gut Ist und was sie bes ser machen 
könnten. 
In unserer Zelt. da, namentich in der Groß- 
stadt, die meisten Menschen aneinander vor- 
belieben, ohne sich um den Nachbarn zu kOm- 
mern oder etwas Ober ihn zu wissen, scheint 
die Ausstellung für den Künstler eine wichtige 
Mitteilung an seine Mitmenschen, eine Art 
Reklame zu sein. 
Obersehen wir auch nicht, daß Ausstellungen 
große Enttäuschungen sein können. Des ist 
oft sogar die Regel. Aber drüber möcehten wir 
jetzt nicht sprechen. 
Wenden wir uns lieber einer Ausateflung 
hoffnungsvoiier junger Maler und MalerInnen, 
Bildhauer und Bildhauerlnnen zu, die kürzlich 
in einer Buch- und Kunethand lung, nahe dem 
neuen Kölner Rathaus (Gürzenich-Gaere) 
sttfand. 
Sieben von den neun Künstler kommen von 
der Werkachule, die in der Hauptsache keine 
freien Künstler heranbilden, sondern Hand- 
werkern, Gesellen, einen küntlerischen Blick 
verrnltteln will. 
Fast alle AusstelUer sind dem sogenannten 
abtatnStil vehftt Marlanne Thonett- 
Traau fertbigte kleine Wandteppiche an, Jost 
Feyh Collagen, rliefartig aufgeschichtete und 
bemalte Sperrho lzBlder. Kurt Linden malte 
ein bune Bild ,Ltrnnider', sonst aber 
gegenstandslos; nur noch in seinen Tusch- 
zeichnune finden sich Menschen, Häuser 
Rechts: 8  MId«hen 


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