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The History Collection

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Aufwärts
Jahrgang 15, Nr. 9 (September 15, 1962)

Dohrenbusch, Hans
Peter Fechter,   p. 2


Leserbriefe,   p. 2


Page 2

Walter Fabian, 
Freund und Mitarbeiter unserer Zeitschrift 
Vorsitzender der Deutschen Journalisten- 
Union und Schrftleiter der <Gewerkschaft- 
lichen Monatshefte", wurde am 24. August 
0 Jahre. 
Dem tapferen Kollegen, der seit nun über 40 
Jahren Im Dienste der Freiheit der Presse, 
der friedlichen Verständigung der Völker und 
der Durchdringung unserer Gesellschaft mit 
sozialer Gerechtigkeit steht, wünscht ,auf- 
wärte" noch viele Jahre einer intensiven und 
erfolgreichen Tätigkeit 
aufwärts", illustriert Zeitung des Deut- 
schen -wedu.ksaftsbundes für junge 
Menschen. Erscheint im Bund-Verlag 
GmbH., KIln*Deutz, Schließfach . Ver- 
lagsiter: Wilhelm Biedorf. 
Verantwortlich fir Inhalt und Gestaltung: 
Hans Dohrebusch. Tel. 4381. ,aufwärts" 
erscheint monatich einmal. Bestellung 
durch die post. Bezugsprais durch die 
Post vierteljährlich 11 DM einschließlich 
Zustellgebihr. Unverdangt eingesandten 
Manuskripten muß Rückporto beigefigt 
werden. Kupfertiefdruck: DuMont Presse, 
Kan. 
sen wollte. Er war nicht sofort tot. Er schrie In 
seiner Qual um Hilfe. Nach einer Stunde war 
er verblutet, in der Nahe des Tstorts standen 
die Mörder, die nur allzu gut gezielt hatten, es 
standen dort Westberliner Polizisten, die be- 
schossen werden, wenn sie sich in ostonales 
Gebiet begeben, es standen dort auch ameri- 
kanische Soldaten, die das Recht zum Betre- 
ten ostzonalen Gebietes haben. Aber keiner 
kam dem jungen Menschen zu Hilfe. Der ame- 
rikanische Offizier entschuldigte sich damit, 
daß er keinen Befehl zum Einschreiten habe. 
So verblutete der junge Mensch Peter Fechter. 
Es war nur ein Mensch, aber an seinem Schick- 
aad entzündete sich erneut die Frage nach Be- 
fehl und Gewissen. Der Offizier hatte keinen 
Befehl. Aber er hatte doch ein Gewissen, das 
ihm mahnend hätte sagen müssen: da ist ein 
Mensch, dem vielleicht noch geholfen werden 
kann. Nichts geschah. So mußte Peter Fechter 
sterben. Vielleicht wäre er ohnehin gestorben. 
Vielleicht... 
In den folgenden Tagen bewarten junge De- 
monstanten sowjetische Autos mit Fkachen 
und Steinen und beschimpften amerikanische 
Soldaten. ,Geht doch nach Hauset" wurde 
den amerikanischen Soldaten zugerufen. 
Und hier wird es sehr bedenklich. Denn es 
wurde vergessen, daß der Abzug der alliierten 
Truppen ja ein Ziel derjenigen ist die Peter 
Fechter ermorden und verbluten ließen, deren 
Soldaten die tödlichen Schüsse abgeben. 
Westberlln - wahrscheinlich auch die Bundes- 
republik - wären verloren, wenn die alliierten 
Truppen wirklich abziehen würden. 
Zukunft noch mehr Tote an der Mauer liegen, 
wahrscheinlich werden noch schlimmere Din- 
ge passieren, die uns die Zomesröte ins Ge- 
sicht treiben. Aber wir wollen nicht verges- 
sen, daß Amerika ein militärisches Risiko nur 
eingehen wird, wenn die Gegenseite Aktionen 
durchführt, die Westberlins Freiheit beseiti- 
gen würden. Hier entscheiden dann die Ame- 
rikaner über Krieg und Frieden. Welch eine 
Bürde. 
Was aber ein neuer Krieg, der wahrscheinlich 
in einen Atomkrieg einmündet, bedeuten wür- 
de, das ist in dieser Zeitschrift schon oft ge- 
schrieben worden. Es Ist möglich, daß er die 
ganze Erde vernichtet. 
Der junge Peter Fechter ist grausam gestor- 
ben. Die Jugend Westbedins hat ihrer Empö- 
rung Ausdruck gegeben. Das gereicht ihr 
zur Ehre. Wo passiert es heute schon, daß sich 
wegen eines einzelnen Menschen die Gemüter 
noch erregen? Sie hat ferner, als ihr die politi- 
sche Tragweite Ihrer Zomesausbrüche klar 
wurde, davon abgelassen. Auch das gereicht 
ihr zur Ehre. 
Es wäre möglich, daß Chruschtschow ange- 
sichts der Lage in Berlin, die ihn eventuell in 
eine gewaltsame Auseinandersetzung hinein- 
zieht, den Schießbefehl aufheben läßt. Man 
sollte ihn aber auch mehr denn je darauf hin- 
weisen, daß es nicht genügt, wenn die Stalin- 
denkmäler gestürzt werden, aber in seinem 
Namen die Unmenschlichkeit an der Zonen- 
grenze Triumphe feiert. 
Hans Dehleabusch 
Sie haben mit diesem Artikel ein Thema ange- 
stimmt, das sehr aktuell Ist, und sie haben 
glücklicherweise ein Beispiel gewählt, das zum 
Nachdenken anregt. Dies meine ich, weil ge- 
rade Spanien als eines der bevorzugten Reise- 
länder der Bundesrepublikaner gilt. 
Die meisten Leute denken bei der Diskussion 
dieses Themas '- Besuch von diktatorisch 
regierten Staaten - nur an die Ostblockländer 
und antworten meist spontan mit ,Nein". Am 
besten sieht man das in Berlin, wo viele Be- 
sucher Westberlins sich weigern, den Osten 
der Stadt zu besuchen, weil sie sich fürchten. 
dadurch mit ihrem Geld den Stacheldraht für 
die Bevölkerung der DDR zu bezahlen. 
Dabei gibt es keine bessere Möglichkeit, sich 
über die Nachteile einer Diktatur und die Vor- 
teile einer Demokratie zu informieren, als den 
Besuch eines autoritären Staates. Umgekehrt 
hat man nur dadurch die Möglichkeit, eben 
diese Staatsangehörigen von den Vor- und 
Nachteilen zu überzeugen, denn sie dürfen je 
nicht zu uns reisen oder zumindest doch nur 
sehr selten. 
Was ich jetzt von Ostberlin und der DDR sagte, 
gilt m. E. in gleicher Weise auch für faschi- 
stische Staaten wie Spanien und Portugal. 
Darum bin ich für den Besuch dieser und eler 
anderen Länder. Man darf nur nicht den dum- 
men Fehler begehen, den unsere Wirtschafts- 
wunderkinder meistens mechen. und in Spa- 
nien nur die Sonne suchen und finden und 
ansonsten das Land und die Bevölkerung 
völlig vergessen. Damit erreicht man dann tat- 
sächlich nur, daß man das Geld diesem Un- 
rechtsregime in den Rachen wirft, das hiermit 
seine Herrschaft weiter festigen kann. 
Burkhard Doempke 


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