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The History Collection

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Aufwärts
Jahrgang 15, Nr. 7 (July 15, 1962)

W.
Immer jünger wird die Liebe,   pp. 18-19


Page 18

Doch das ist nur eine Seite. Ebenso wahr ist, 
daß Frau Brüning die Probleme, über die sie 
so manches las, niemals auf ihre eigene Toch- 
ter bezogen hat. Karin? Nicht einmal der Ge- 
danke wäre ihr gekommen. Wieso auch? Dem 
Mädchen hatte nichts gefehlt, weder Aufsicht 
noch Elternliebe. Niemals gab es Außer- 
gewöhnliches. Und der junge Mann, der Karin 
im Sommer zum Schwimmen und jetzt zum 
Schlittschuhlaufen abholt, ist Frau Brüning als 
wohlerzogener Sohn eines befreundeten Ehe- 
paares bekannt. 
Dennoch nennt ihn Karin jetzt als Vater des zu 
erwartenden Kindes. Hans-Jochen, zwanzig- 
jährig, besucht noch das Technikum. Vor 
einigen Monaten hat er das Mädchen von 
einer Geburtstagsparty heimbegleitet. Die 
Eltern waren verreist, und er kam mit in die 
Wohnung. Vom ungewohnten Alkohol und 
dem plötzlichen Alleinsein verleitet, verloren 
daß ihr Bruder Arzt ist, daß er ihr vielleicht 
helfen könnte, das Geschehene ungeschehen 
zu machen. Aber das wäre ein Verbrechen. 
EineTat, die keinem Arzt zugemutet, keiner 
Tochter angetan werden darf. 
Bleibt die Frage: Heirat oder nicht? Wird 
Hans-Jochen sich zu dem Geschehenen be- 
kennen? Wird er Karin heiraten? 
Natürlich müßte auch eine plötzliche Ehe 
Aufsehen erregen im Familienkreis. Aber 
eines Tages würde man nicht mehr darüber 
sprechen. Würden Freunde und Verwandte 
das Ereignis akzeptiert haben. Das Baby 
trüge einen ,ehrlichen Namen". 
~Sind Sie sich klar darüber..." 
So kommt es, daß Herr Brüning einige Tage 
später Hans-Jochen zu einer Unterredung 
zitiert. ~Sind Sie sich klar darüber, was jetzt 
Ihre Pflicht Ist?' will er wissen. Eine Frage, 
die der Schreckensbleiche mit einem raschen 
Ja beantwortet Er will sich und den anderen 
beweisen, daß er doch ein Ehrenmann istl 
Der junge Mann bittet das Vormundschafts- 
gericht um die Eheerlaubnis, die er braucht, 
weil er noch nicht einundzwanzig ist. Ange- 
sichts der Zustimmung beider Eternpaare und 
wegen des zu erwartenden Kindes wird er für 
volljährig erklärt. Kurz darauf folgt unauffällig 
die wenig fröhliche Hochzeit. 
Dann müssen sich dIe jungen Eheleute tren- 
nen. Hans-Jochen bezieht eine entfernte Lehr- 
anstalt Er soll sich ganz auf sein Studium 
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Mancher dieser wie ein Legonär zur Unter-' 
schrift gebrachten Hochzeiter geht bereits mitl 
dem Gedanken an die mögliche Scheidung: 
aufs Standesamt. Andere versuchen ehrlich, 
aus der Sympathie zu ihrer jungen Freundin 
eine dauerhafte Liebe zur nun Angetrauten zu 
entwickeln- >-, 
Doch sind dIig Bemühungen schon darum 
so häufig zum Scheitern verurteilt, weil der 
Jüngling mit neunzehn oder zwanzig Lenzen 
ganz anders empfindet als der junge Mann 
von fünfundzwanzig. Erst in diesem Lebens- 
alter ist die Persönlichkeitsbildung einiger- 
maßen abgeschlossen. Erst jetzt kann er wirk- 
lich beurteilen, welche Frau zu ihm paßt 
Glückliche Ausnahmen 
Gewiß gibt es immer wieder den glücklichen 
Zufall, daß das aus .Kavallerspflicht" ge- 
ehelichte junge Mädchen dem Geschmack 
und den Vorstellungen auch des Herangereiften 
entspricht. Solche Paare finden sich dann end- 
gültig und vermögen es, der frühzeitigen Fessel 
zum Trotz, ein solides häusliches Glück zu 
zimmern. 
Aber es sind die Ausnahmen. Die Regel be- 
sagt, daß die von der Kindesmutter oder Ihrer 
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