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The History Collection

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Jahrgang 15, Nr. 7 (July 15, 1962)

Schallück, Paul
Reiseskizzen aus Israel,   pp. 8-11


Page 9

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Kräfte zu mobilisieren versuchen, um sie am Leben zu erhalten. 
Als David, verstört und zu abenteuerlichem Entschluß aufge- 
putscht durch den gräßlichen Anblick, das Mädchen aus den
Händen der verdutzten ~Medizinmänner" geraubt hatte und 
davongerannt war, erklärten die ye.mentischen Heilkundigen 
das Mädchen für tot, zweifellos auch aus Angst vor den Geset- 
zen ihres neuen Staates. Darum dauerte es fast ein Jahr, bis 
Frau A. die Mutter des Kindes ausfindig machte: ein vierzehn- 
jährige. Mädchen, das, unaufgeklärt, wie man es gelassen hat-
te, durch den Vorgang der Zeugung und Geburt so erschreckt 
worden war, daß es dem angetrauten Ehemann davonlief und 
von dem Kind nichts wissen wollte. Frau A. konnte die kleine 
Dali, die sich erholte und dann zu einem wunderschönen Mäd- 
chen heranwuchs, schließlich adoptieren. Dieses schlanke, 
feenhafte, dunkeihäutige Mädchen spricht heute besser 
deutsch als Bruder David, der ein paar Jahre später noch eine 
Adoptivschwester bekam, ein scheues, blondes Judenmäd- 
chen aus der Tschechoslowakei. 
Wie soll der Staat Israel die Menschen in seine moderne Ge- 
sellschaft eingliedern, die manchmal von einem Tag auf den 
andern aus einem Mittelalter, aus einem Altertum ins zwanzig- 
ste Jahrhundert versetzt werden? Die Juden des Yeen zum 
Beispiel harrten 2000 Jahre in Unterdrückung und Verachtung 
aus, beteten treu zu ihrem Gott, lernten die heiligen Bücher aus- 
wendig und glaubten an eine Prophezeiung, nach der eines 
Tages der große Adler kommen würde, um sie zurückzuführen
in die Heimat Palästina. Sie warteten, sangen, beteten, starben 
und gaben die Prophezeiung weiter an ihre Kinder; sie tanzten 
ohne Schuhe, trugen handgewebte und gestickte Kleider, kann- 
ten keine Maschinen, nur primitive Werkzeuge, keine gepfla- 
sterten Straßen, keine neuzeitliche Medizin, Ernährung, Kör-
perpflege. Und dann erfüllte sich die alte Prophezeiung. Der 
große Adler kam eines Tages in Gestalt eines Flugzeuges und 
brachte die Juden durch die Luft ins Land ihrer Väter. Sie wein- 
ten vor Freude, küßten den geheiligten Boden, dankten ihrem 
Gott. Aber gleich darauf begann der Alltag in einem Lande, in 
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