University of Wisconsin Digital Collections
Link to University of Wisconsin Digital Collections
Link to University of Wisconsin Digital Collections
The History Collection

Page View

Aufwärts
Jahrgang 15, Nr. 4 (April 15, 1962)

Briefe an die Redaktion,   p. 4


Page 4

inz Brandt wird beklagt, der von droben ge- 
metnen, aiac wir uns weren, newn 
heit unseres Landes schützen werd 
Hätten die freiheitlichen Staate 
Hitler dieses rechtzeitig klargemac 
vielleicht der zweite Weltkrieg 
worden. 
Immerhin, sie haben sich gewehrt. 
Hätten sich die Menschen in Engt 
reich und Amerika damals auch fi 
dienstverwelgerung entscheiden 
ein Europain denKettenderNazis? 
Belsen und Auschwitz? 
IL unU "rU-  1'n.unnnlluuw uftu e'ui|efel nnerilt, eno[r nun 
len.         einmal zum freien Spiel der Kräfte in einer 
n Europas    Demokratie. Die Vielfalt und dilektische 
ht, so wäre  Strukturierung der Parteien und Verbände, 
vermieden   katholische Kirche und evangelische Kirche, 
Arbeitgeber und Gewerkschaften, Bauern- 
verbände und Verbraucherorganisationen usw. 
nd, Frank-   verhindern den Machtmißbrauch und gewähr- 
die Wehr-  leisten eine Alternative. 
olen - für  Wo es noch Entscheidungsfrkiheit und Wahl 
FürBergen-   gibt zwischen zwei Alternativen, da ist auch 
Freiheit. 
t 
s 
:1 
n 
r 
Ae 
;r 
u 
4d 
u'«lcr#sn  Cfl'u irui, i  UtJ55Ici  Mfir-5 i  meii 
Geschichte gelernt, daß Recht und Freihel 
unseres Vaterlandes nicht gegen Arbeiter 
schaft und Gewerkschaft, sondern nur im Ver 
ein mit diesen gegen alle Feinde von links uni 
von rechte verteidigt werden müssen. 
Wir jungen Soldaten wenden uns an die jun 
gen Menschen in den Gewerkschaften: 
Du mußt dich entscheiden 1 
Claus Willemer (Oldenburg) 
Mut wie ein Löwe - 
oder Gedanken 
eines Jugendvertreters 
Große Lotterie 
Z u dem Artikel <Große Lotterie", erschienen 
in Nr. 2 der Illustrierten Zeitung des DGB 
für junge Menschen, ~aufwärts", möchte ich 
Mit dem Ansinnen und der Meinung der Ver- 
fasserin des genannten Artikels über den Luft- 
schutz im Falle eines Krieges mit ABC-Waffen 
und über den Atomtod schlechthin bin ich in 
keiner Weise einverstanden. 
Die Verfasserin sieht meines Erachtens in dem 
unsere Generation bedrohenden Atomkrieg 
Mut wie ein Löwe. 
Schwung wie ein Trampeknstier. 
Takt wie ein Diplomat. 
Ausdauer wie ein Marathonläufer. 
Energie wie ein Motor. 
Ein dickes Fell wie ein Elefant. 
Vielseitigkeit wie ein Zauberer. 
Diese Sitze waren unter der Oberschrlft 
~Was soll ein Jugendvertreer haben?" 
zu lesen (,aufwärts" Nr. 2/tIOM. 
Welcher Jugendvertreter, der diese Sätze liest, 
wird nicht erschrecken? Als Personaijugend- 
vertreter (nicht IGM, sondern DPG) war ich 
getroffen: Das soll ich alles habent Wenn es 
auch ein Werbetext ist, er beunruhigL Deshalb: 
sofortige Gewissenserforschung. 
Habe ich Mut? Doch vorher noch: Was Ist 
Mut? Ich habe mich bemüht, In den Nach- 
schiagewerken, die mir zur Verfügung stehen, 
eine Erklärung zu finden. Der Versuch war ver- 
gebens. Mein Bruder meinte, ich solle unter 
~Courage" nachsehen. Duden: Mut, Tapfer- 
keit. Dieses Ergebnis veranlaßte mich, mir 
Gedanken zu machen über den Mut. Ergebnis: 
Mutig ist der, Mut hat der, der etwas tut, von 
dem er weiß, daß er es tun muß, obwohl er an- 
gefeindet wird. - Ich darf doch hier einiges er- 
ein alles vernichtendes Chaos, einen Unter- 
gang allen weltlichen Seins. Sie glaubt nicht 
an ein Oberiebenan einen durchaus möglichen 
Schutz im Falle eines AtomkrIeges oder, wie 
sie sagt, an die <Gewinnchance bei dieser 
Lotterie". 
Versteht der Laie auch nur sehr wenig vom 
Luftschutz, Strahlenschutz usw., so glaubt er 
doch an die <Große Lotterle"; sagen wir bes- 
ser an seine Chance, auch einen Atomkrieg zu 
überleben. ich finde es nicht überheblich, 
wenn das BundesInnenminIsterium  seine 
Broschüre mit <Jeder hat eine Chance" 
überschreb. 
Sicherlich wissen wir alle, zumindest haben 
wir aber alle eine gewisse Vorstellung davon, 
wie verheerend ein Krieg mit atomaren Waffen 
für uns Menschen sein wird. 
zählen? Es ist kein Bericht darüber wie ein 
Jugendvertreter sein soll, wie Ihn hauptamt- 
liche Gewerkschafter gerne sähen, sondern 
ein Versuch, die Gedanken eines Jugendver- 
treters wiederzugeben. (ich hoffe, ich bin ob- 
jektiv genug.) An Hand der Eigenschaften, die 
ein ,Super-Jugendvertretr" haben soll, will 
ich versuchen, zu schreiben. 
Mut wie ein Löwe. An der Größe, der Kraft 
und an den Fähigkeiten gemessen, die ein 
Löwe hat, vollbringt er keine besonderen Ta- 
ten. Er tut Alltägliches. Trotzdem hat er Mut, 
denn er wird angefeindet. Alltägliches tut wohl 
jeder Jugendvertreter durch sein Dasein, durch 
sein Aufpassen. Das erfordert auch ein wenig 
Mut. Also: Etwas Mut ist vorhanden. 
Mit dem Schwung ist das so eine Sache. So 
beweglich bin ich nicht, daß Ich sagen könnte, 
ich hätte Schwung wie ein Trapezkünstler. - 
Takt. Nichts Besonderes zu sagen. - Ausdauer 
wie ein Marathonläufer. Ich wünsche mir nicht 
jene Ausdauer, die der griechische Läufer 
hatte,an derem Ende derZusammenbruch steht. 
Energie wie ein Motor. Ein Motor hat nur dann 
Energie, wenn er mit Treibstoff versorgt wird. 
Auch ein Jugendvertreter braucht ihn. - Darf 
sich jetztderJugendvertreteretwas wünschen ? 
Interesse und Aufgeschlossenheit der älteren 
In Erkenntnis dieser Tatsache und sicherlich 
auch aus einem alltäglichen Angstgefühl her- 
aus wird gerade in Deutschland in letzter Zeit 
sehr viel für den zivilen Luftschutz, für den 
Strahlenschutz, für den Bau von unterirdischen 
Bunkern usw., für die Katastrophenabwehr 
überhaupt und damit letztlich für den Men- 
schen getan. 
Die Verfasserin des Artikels ,Große Lotterie" 
beteuert, daß heute schon wieder Sirenen zur 
Probe heulen. Bestimmt haben Sirenen in 
einem neuerlichen Krieg nicht mehr die Be- 
deutung wie 1939. Sollte man aber aus diesem 
Grunde keinc Sirenen mehr herstellen und für 
den allgemeinen Luftschutz verwenden? Sol- 
len wir uns den Bau von Bunkern, Stollen und 
Schutzräumen ersparen und das Geld für 
andere Zwecke verwenden? Wir sollten es 
Kollegen, vor allem Einsicht, des wäre meine 
Bitte. Von den Jugendlichen, die vertreten wer 
den sollen, wünscht sich jeder Jugendvertreter 
so auch ich, Mitarbeit. Der Jugendvertrete 
wünscht sich, daß die Jugendlichen, die er ver 
treten soll, mit allen ihren Problemen zu ihn 
kommen, damit er mit ihnen für sie arbeiter 
kann. Ein Motor, der Energie erzeugen soll 
braucht Pflege. Durch Schulung und Schrifter 
versuchen die Gewerkschaften des DGB die 
Jugendvertreter zu unterstützen, sie aufrecht 
zu halten. Das ist eine gute Sache. Vielleicht 
noch etwas kräftiger durch mehr Material, da 
nicht das Allgemeine behandelt, sondern spe. 
ziell auf die Fachgebiete ausgerichtet ist. 
Die Dicke meines Fells ist mittelmäßig. Viel. 
seitigkeit? Ich bin kein Zaubererl 
Ich freue mich, daß der Katalog der guten 
Eigenschaften des ,Super-Jugendvertreters' 
zu Ende ist, ich könnte sonst vielleicht einen 
Jugendvertreter-Minderwertgkeitskomplex be- 
kommen. Auch wenn diese Sätze Werbung 
sind - sie geben zu denken. 
Fazit: Ein ganz durchschnittlicher Jugendver- 
treter (hoffe ich). Aber mit Ernst bei de 
Sache. Genügt das?          Fritz Stahl 
(Und ob das genügtl Rad.) 
tun, wenn uns der Luftschutz völlig unnütz er- 
scheintl 
Jeder weiß aber, daß es anders ist. 
Hiroshima und Nagasaki haben nicht nur ge- 
zeigt, weiche ungeheuerliche Wirkung die 
Atombombe hat, sondern die japanischen 
Millionenstädte haben auch gezeigt, daß es 
einen Schutz gegen die Auswirkungen dieser 
Bombe gibt und daß der Schutz In Japan ge- 
fehlt hat. 
Wir spielen deshalb in der ~Großen Lotterie" 
mit. 
Hoffen wir aber, daß uns Krieg, Bunker und 
Luftschutz erspart bleiben. 
Heinz Kappelhoff (Watrop) 


Go up to Top of Page