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The History Collection

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Aufwärts
Jahrgang 14, Nr. 2 (February 15, 1961)

Hansen, Werner
Vor zehn Jahren starb Hans Böckler,   pp. 2-3


Zimmerman, Annemarie
Bundesjugendplan 1950 und heute,   p. 3


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lichkelten sind nur möglich auf der Grundlage einer slbst- 
gelebten Demokratie. 
Hans Böcklers Leben, sein Beruf und sein persönlicher StIl, 
waren demokratisch. Sein Freund Kurt Schumacher hat das so 
ausgedrückt: 
<Er war einer der wenigen, die durch die Macht nicht verlockt 
und verändert wurden. Für ihn war die Macht nichts, was er als
Person erstrebte. Für Ihn war die Macht stets der Ausdruck der 
Kraft der Arbeiterbewegung. Sie war ihm selbstverständlich 
und darum wußte er sie ohne Eitelkeit unpathetich sicher und 
erfolgreich zu handhaben. Er war Immer Im Auftrag einer Ide 
und eines Zieies tätig. Männer, wie ihn, können die undemokra-
tischen Bewegungen nicht hervorbringen." 
Wir müssen trotz aller Schwierigkeiten versuchen, den Weg 
Hans Böcklers weiterzugehen. Wir müssen wider zu diesem 
gemeinsamen Wollen zurückflnden, um unsere Iden und Auf- 
gabn, zu denen uns Hans Böckler Wihtiges gesagt und vor- 
geleb hat, weiter zu entwickeln und zu vollenden, 
Werner Hansen 
Heute, nach zehn Jahren, können wirsagen, daß die damals herr-
schende Jugendnot beseitigt ist. Es stehen fast so viele Lehr- 
stelien leer', wie 1950 gesucht wurden. Es hat sich alles <norma- 
lisert". Damit ist die zweite Aufgabe des BundesJugendpians: 
die Jugendpflege zur Hauptaufgabe geworden. 1950 wurden die 
Jugendverbände befähigt, dIe Jugendlichen In Ihnen gemäßer
Weise mit den gesellschaftlichen, politischen, kulturellen und 
religIösen Problemen vertrut zu machen. Auch hier ist der 
ktrfolg nicht ausgeblieben. 
Dennoch sind heute die Aktivitäten zerstreut. Es steht nicht 
mehr die drängende Jugendnot als elnigender impuls hinter 
allen Maß3nahmen. Es ist alles eIn wenig zur RoutIne geworden. 
Die noch Immer notwendige Betreuung der Zonenflüchtling.- 
jugend wIrd besorgt, ohne daß es gelungen ist, die Rückwande-
rungseawegung, die unter der Jugend am stärksten .ist, zu 
stoppen. GewIß existieren da und dort Gemeinschaften und 
Gruppen, die es verstanden haben, jugendgemäße Lebns- und 
Geselllgkeltsformen für die nach 1945 Geborenen zu entwik- 
kein, ihre politische Aktivität zu wecken, sie zu bilden. Sind 
aber die wirklichen Probleme dort erkannt, wo weIterhin koordi- 
niert die finanziellen Mittel verteilt werden? 
Seit 1957 ist das BundesfamUlienmlnlsterlumi federfürend für 
den Bundesjugendplan. Ein LieblUngsprogramm von Minister 
Würmeing Ist <Erziehung zu Ehe und Familie". Das ist gewiß
wichtig. Aber Immer noch ist der Schritt von der Schule zum 
Beruf das einschnedendste und nicht seten zerstörende Er- 
eignis Im Leben der Jungen und Mädchen. Viele Befragungen 
haben das ergeben. 
Wäre es nicht wichtIger, mehr Nachdruck auf die Vorbereitung 
für den Beu zu legen, den Abgrund zwischen Schule und 
Familie und Eitritt in das Berufsleben zuzuschüten ? Mit unse- 
rem Hang zur Idlle, der in unseren geselschaftlichen Vorstel- 
lungen vorerrscht, erreichen wir, daß die echte Jugendnot, 
die immer noch Jugendberufsnot ist, nur anders als 1950. ver- 
tuscht wird, ohne aufgehoben zu sein. Und das ist nicht nur 
traurig, sondern auch gefährlich. 
Annemarie Zimmermann 
< aufwäirts", Illustrierte Zeitung des Deutschen Gewerk- 
schaftsbundes für junge Menschen. Erscheint im Bund- 
Verlag GmbH., Köln-Deutz, Schließfach 6. Verlegsilter: 
Wilhelm Biedorf. Verantwortlich flir Inhalt und Gestal- 
tung: Hans DohrenbuJsch. Tel. 831. <aufwärts" er- 
scheint monatlich einmal. Bestellung durch die Post. 
Bezugapreis durch die Post viertelhrlich 1,15 D 
.lnschileßllch Zustellgebühr. Unverlang eingesandten 
Manuskripten muß Rückporto beigefügt werden. Kupfer 
tefduk: DuMont Pres, Köln. 


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