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The History Collection

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Aufwärts
Jahrgang 8, Nr. 20 (September 29, 1955)

Martha bedruckte sich einen Rock,   p. 5


Hadobu
Bonner Pressepolitik,   p. 5


Wurde beschlagnahmt,   p. 5


Page 5

Dm  Witgste Ist der EntWudf. Der Leiter des 
Siebdruckkursus an der Düsseldorfer Volks- 
hochschule, der Maler Köhler-Achenbach, zeigt, 
wie man die Formen findet, die als Arabesken 
einen Rock zieren können. Er entlehnt sie 
denen der Wassertiere eines Aquariums. See- 
pferdchen und Algen-Ornamente beleben einen 
Unistoff lustig. Du kannst natürlich auch andere 
schöne Muster finden. Buchstaben zum Beispiel. 
Martha 
bedruckte sich 
einen Rock 
Martha druckte sich einen Rock (oben). Das 
ist gar nicht schwer. Du kannst es auch. 
Martha wohnte zwar in Düsseldorf. Und in 
Düsseldorf kann man das Drucken in der 
Volkshochschule erlernen. Du aber, du wohnst 
nicht in der nordrhein-westfälischen Landes- 
hauptstadt, Deshalb schickte ,AUFWÄRTS- 
seinen Reporter Heinz Held zur Volkshoch- 
schule. Er fotografierte, Wie es gemacht wird. 
Sieh dir die Bilder genau an ... und dann 
an die Arbeitl Dein neuer Rock ... oder viel- 
leicht sogar dein neues Kleid kann für wenig 
Geld einen ganz und gar persönlichen Schick 
haben. Das Verfahren ist alt. Schon vor etwa 
1000 Jahren wandten es die Chinesen an. In- 
zwischen entdeckten wir Europäer es neu. Die 
Altmeister der modernen Malerei, Matisse, 
Bracque, Picasso, schufen mit Hilfe des Sieb- 
druckes hervorragende Kunstwerke. Martha 
und ihre Freundin machten es ihnen nach. 
Dann braucht mm eienRahmen. In jedem Maler- 
bedarfsgeschäft bekommst du ihn für 2 bis 
3 DM. Verlange dort einen Keilrahmen, wie 
ihn die Künstler verwenden. Mit Reißzwecken 
überspannst du das Holz dann mit Müller- 
gaze oder Glasbattist. Kostenpunkt 2,85 DM 
je Meter. Jedes Textilgeschäft verkauft ihn. 
Der Stoff ist stark und kräftig und trotzdem 
porös. So spannen, daß er keine Falten wirft. 
Mit dem Messerdschneidet nman nun -wie es hier Glrat auf den Tisch legst
du dann die Schablone 
Herr Köhler-Achenbach tut -  das auf eine    mit dem  ausgeschnittenen
 Muster. Darauf 
Schellackschablone gezeichnete Muster aus.   drückst du mit der Oberseite
die auf den 
Achtung, du mußt fein säuberlich schneidenl  Keilrahmen gespannte
Gaze und bügelst da- 
Schneidefeder oderMesser dürfen nicht reißen,  nach mit einem
nicht zu heißen Eisen darüber. 
sondern müssen auf den leisesten Druck deines  Die Schellackschablone
klebt dadurch an der 
Fingers reagieren. Wegen der sorgfältigen    Gaze, und dein ,Druckstock"
ist fertig. Martha 
Wiedergabe und auch, um Kosten zu sparen.   lacht, weil ihr ein Mann hier
zeigt, wie man 
Ein Meter Schablone, 80 cm breit, kostet 5 DM.  bügeln muß. Als
ob sie das nicht längst wüßte. 
So, nun kommt die Farbe. Textil- oder Deka- 
farben sind licht- und waschecht. Eine Dose 
kostet 8,50 bis 15 DM, je nach Größe. Aber 
sie ist sehr ausgiebig, und du kannst mit 
einer solchen Büchse deine ganze Aussteuer 
bedrucken. Herr Köhler-Achenbach streicht sie 
mit einem Spachtel an den Rand der Schablone, 
und zwar soviel, wie er ungefähr zum Be- 
drucken des gesamten Rockstoffes braucht. 
land erhob in Bonn Einspruch gegen den Lei- 
ter des ,Volksbund für Frieden und Freiheit, 
einer Organisation, die Mittel vom Gesamt- 
deutschen Ministerium bezieht. Die Vorwürfe 
waren massiv, denn der Leiter jenes Volks- 
bundes war nicht nur ein früherer Nazi, der 
Verfasser schlimmster antisemitischer Hetz- 
artikel, sondern auch Beisitzer an jenem Volks- 
gerichtshof des Herrn Freisler, der die Männer 
des 20. Juli 1944 an die Pendelgalgen brachte. 
Der Schriftleiter, dem bedeutet wurde, daß 
dieser Mann in Bonn unbedingt gebraucht 
würde, sagte, daß er die Tatsachen nun in 
seiner Zeitung veröffentlichen wolle. Hierauf 
wurde ihm   von einem   Ministeralrat des 
Ministeriums bedeutet, daß er sich damit in 
die Reihe jener Journalisten begebe, wie z. B. 
der Chefredakteur der <Welt', Zehrer, der 
wegen der Berichte über seine Rußilandreise 
als sowjetfreundlich gelte. Ultimativ verlangte 
daraufhin der Chefredakteur der ,Frankfurter 
Rundschau" die Offenlegung der zweifellos in 
Bonn aufgestellten schwarzen Listen von ,ver- 
dichtigen" Journalisten. Antwort erfolgte nicht. 
<Rakel" h ßt das Instrument, mit dem der 
Kursusleiter hier die Farbe regelmäßig über 
die Schablone verteilt. Sie dringt jetzt nur 
in der Form des auf der Schellackschablone 
ausgeschnittenen Musters durch die Gaze und 
verbindet sich mit dem Stoff von Marthas 
Rock. Statt der ,Rakel" kannst du auch einen 
Scheibenwischer oder Fensterputzer verwen- 
den. Er ist billig und sehr leicht zu beschaffen. 
ter Allgemeinen Zeitung», seine Ämter zur 
Verfügung gestellt, nachdem die Mehrheit der 
Herausgeber die von Sethe vertretene poli- 
tische Linie nicht gebilligt hat. Es mag Sache 
der Mehrheit der Herausgeber jener Zeitung 
sein, sich ihren besten Mann hinauszuekeln, 
der die in Deutschland seltene Eigenschaft 
Zivilcourage hat. Solange Sethe in jener Zei- 
tung schrieb, konnte man sie noch als liberal 
bezeichnen, aber nun kommt sie in den fatalen 
Geruch einer Gleichschaltung. Sethe lehnte die 
Außenpolitik der Regierung ab. Es ist bekannt, 
daß Adenauer die klugen und geschliffenen 
Artikel des Mannes nicht mochte und seinen 
Unwillen mehr als einmal ausdrückte. Es ist auch 
bekannt, daß er öffentlich kritisierte, daß die 
Wirtschaft Inserate an eine Zeitung gab, In 
der Sethe die Politik der Regierung nicht ge- 
rade mit Samthandschuhen anfaßte. Das Ziel 
ist erreicht: Sethe geht. Ist das nun ein Sieg? 
Oder ist es nicht vielmehr eine Schlappe des 
Geistes, den ein demokratischer Staat - und 
besonders die Bundesrepublik -   mehr als 
bitter nötig hat? 
Eln Sdaablenemess   gehört auch zum Hand- 
werkszeug des Siebdruckers. Marthas Freun- 
din Inge zeigt es hier unserem Reporter. Im 
Zeichenartikelgeschäft kostet es je nach Qua- 
lität 2 bis 5 DM. Wenn du aber gerade nicht 
gut bei Kasse bist, dann kaufe dir eine 
Schneidefeder für ein paar Pfennig und drücke 
sie In deinen Federhalter. Notfalls tut es auch 
eine Rasierklinge. Schärfe ist die Hauptsache. 
Du mußt mnalkl nidit die ganze Gaze mit der 
teuren Schablone bedecken. Martha tat das 
auch nicht. Sie benutzte kein größeres Stück, 
als das Muster erforderte. Den Rest der Gaze 
klebte sie mit Zeitungspapier zu, damit später 
nicht etwa Farbe aus Versehen durch den 
Stoff dringt. Das Verfahren hat den Vorteil, 
daß man einen mittelgroßen Rahmen für den 
Druck immer von neuem verwenden kann. 
FOr die kleinere Onamente hat sich Martha erst 
gar nicht die Arbeit mit Rahmen und Gaze 
gemacht. Sie legt die Schablone gleich auf 
ihren Rockstoff. Ihre Freundin hält das Schel- 
lackpapler glatt. - Vielleicht hilft auch dir 
eine Freundin? Wenn ihr beide euch in die 
Kosten teilt, wird's ein billiger Spaß. Ubrigens 
- auch deine Brüder können siebdrucken. 
Briefbögen zum Beispiel. Versucht es mal. 
Wurde beschlagnahmt 
Düsseldorf. Die beiden letzten Nummern der 
Zeitung Textil-Bekleidung, Organ der gleich- 
namigen Gewerkschaft, wurden durch zwei 
einstweilige Verfügungen des Amtsgerichts 
Wilhelmshaven   beschlagnahmt. Anlaß dazu 
war die Berichterstattung in der Nr. 17 über 
skandalöse Vorgänge bei den BAWI-Beklei- 
dungswerken in Wilhelmshaven, wo ein Ge- 
werkschaftsvertreter, der von seinem im Be- 
triebsverfassungsgesetz verbrieften Recht der 
Teilnahme   an  einer  Betriebsversammlung 
Gebhratch machen wnllte, auf Betreiben des 
Hadobu 
1 
L 
Bonner Pressepolitik 
Vor kurzem wurde auf den Einspruch eines 
Ministers der Bundesrepublik  der Bonner 
Korrespondent der ,Neue Zürcher Zeitung» 
von der Leitung seiner Zeitung nach Rom ver- 
setzt. Wie sich später herausstellte, hatte der 
Korrespondent Berichte an seine Zeitung ge- 
geben, die nicht der Wahrheit widersprachen, 
sondern, da sie sich kritisch mit politischen 
Vorgängen in Westdeutschland befaßten, eben 
jenem Minister nicht gefielen. Der Vorfall hat 
nicht nur in Deutschland, sondern auch im 
Ausland berechtigtes Aufsehen erregt. In eini- 
gen Zeitungen wurde im Zusammenhang mit 
der Versetzung des Journalisten an die Presse- 
politik des vergangenen Systems erinnert. 
Etwas später ereignete sich  ein  Vorfall, 
! 


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