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The History Collection

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Aufwärts
Jahrgang 5, Nr. 22 (October 30, 1952)

Schihin, Henri
Die Olympiasiegerin im Pestalozzidorf,   p. [8]


Kurz berichtet,   p. [8]


Page [8]

Sie schlug höckste 6agen aus .Das <Märchen" Von Jeanette
Altwegg 
Die Olympiasiegerin im Pestalozzidorf 
Im internationalen Kindergarten, den Jea- 
nette Altwegg täglich betreut, treffen sich 
Kinder aller Nationen. Für Ihre Tätigkeit 
wird sie mit 120 Franken monatlich ent- 
schädigt. Statt eitlen Ruhms und einer 
Wochengage von 24 000 Franken erntet sie 
den Dank und die Anhänglichkeit armer, 
elternloser Kinder. Ihr Beruf Ist ihr Be- 
rufung und Verpflichtung, Auf die Frage, 
warum sie sich vom aktiven Sport zurlck- 
gezogen habe, antwortete sie: Der Pro- 
fessionalrummel hätte mir niemals zu- 
gesagt. 
Unser Bild oben zeigt sie beim Spiel mit 
einem kleinen, elternlosen Jungen. Jea- 
nette, die während der Olympiade den 
Fotoreportern lächelnd in die Kamera sah, 
hat es nicht gern, wenn die Journalisten 
sie beim Spiel mit den Kindern beobachten. 
Sie will kein Star sein, sie will dienen... 
Es ist wie im Märchen: <Es war einmal* eine 
Olympiasiegerin... und sie lebt heute noch. 
Aber es dürfte ein Kuriosum in unserer sport- 
besessenen Zeit sein, daß ein Land, dem diese 
Olympiasiegerin - wenigstens zur Hälfte - 
angehört, gar zu wenig von ihr weiß. So Ist das 
mit der Schweiz 'und mit der Olympiasiegerin 
1952 im Eiskunstlauf, Jeanette Altwegg. 
Von Geburt ist Jeanette Engländerin. Ihr Vater, 
Vertreter einer großen schweizerischen Export- 
firma aus Winterthur, ließ sich als Brite natura- 
lisieren, nachdem er jahrelang in britischen 
Ländern und Kolonien gearbeitet hatte und 
eine Engländerin zur Frau nahm. 
Zwei Jahre, nachdem die kleine Jeanette in 
Bombay geboren war, ließ sich Vater Altwegg 
1932 in Liverpool nieder, und es schien, als 
würde er sein Geburtsland, die Schweiz, nur als 
Besucher wiedersehen. Mit sechs Jahren begann 
seine jüngste Tochter sich dem Eislauf zu 
widmen. Jeanette hatte Talent und Ausdauer. 
Plötzlich war sie eine leidenschaftliche Eis- 
läuferin geworden, und die Eltern sahen ein, 
daß sie Opfer bringen mußten, um das Kind zu 
fördern. Jeanette erhielt künftig Privatunter- 
richt, und Vater Altwegg fuhr mit ihr in den 
Ferien in die Schweiz, damit sie ihren Eislauf 
statt in rauchigen englischen Hallen in gesunder 
Schweizer Bergluft betreiben konnte. 
Nach dem Kriege (1947) kehrte Familie Ält- 
wegg dann ganz in die Schweiz zurück, nach 
Oberwinterthur, Vorort der Züricher Industrie- 
stadt. Die Schweizer bemerkten wenig davon. 
Man nahm zur Kenntnis, daß die sehr gute eng- 
ische Kunstläuferin schweizerischen Geblüts da 
und dort eifrig trainierte, und buchte auch ihre 
wachsenden Erfolge halb als nationale. Natür- 
lich trainierte Jeanette auch in englischen Hallen 
weiter, wenn anderwärts kein Eis mehr war. 
Mit größtem Fleiß und seltener Hingabe arbei- 
tete sie an der Vervollkommnung ihrer Kunst. 
Publicity war dagegen nicht ihre starke Seite. 
So galt ihr zweiter Platz in der Pflicht der 
Olympischen Spiele 1948 in St. Moritz hinter 
Barbara Ann-Scott als Riesenüberraschung. Aber 
Jeanette wurde in der Kür noch von der Oster- 
reicherin Eva Pawlick übertrumpft, so daß es 
.nur» zur bronzenen Medaille reichte. 
»rmue- a4ýr «mm 
dA" ichneue* dreiteflig. 
Meisterin von England war Jeanette mehrmals 
geworden, zwei Europa- und einen Weltmeister- 
titel eroberte sie 1950 und 1951. In Oslo gelang 
ihr dann 1952 der erträumte große Olympia- 
erfolg. Damit gab sie sich tief glücklich zufrie- 
den. Mit 22 Jahren zog sie sich Zurück. Entsetzt 
schlug sie hohe und höchste Angebote von Eis- 
revuen aus. 
Die Welt nahm ihren Rücktritt zur Kenntnis... 
Es gab neue Sieger zu feiern. Man hörte, daß 
Dick Button den Dollarangeboten erlegen war 
und begriff es - zu leicht. 
In Winterthur sah man Jeanette Altwegg alle 
Tage, grüßte das bescheidene, fröhliche Mäd- 
chen wie seinesgleichen. Sie spricht ja auch den 
einheimischen Dialekt. Seit Jahren ist sie Mit- 
glied des Tennisclubs Winterthur. Jüngst wurde 
sie Meisterin im Einzel und Mixed. Uber die 
Lokalpresse kam die Meldung nicht hinaus. 
Und dann kam Jeanette plötzlich doch noch ein- 
mal in die großen Blätter der Welt. Ursache da- 
zu war ihr Entschluß, Inmitten der saftgrünem 
Berge des Appenzellerlandes   im  Pestalozzi- 
Kinderdorf Trogen zu arbeiten. Kriegswaisen 
aus aller Welt haben hier ihre Heimstätten. In 
jedem Haus wohnen Kinder je einer Nation wie 
eine Familie, betreut von Hauseltern ihrer 
Sprache, idealistisch gesinnten Menschen, die 
,ihren' Kindern Familie und elterliche Liebe 
bieten wollen. 
Jeanette Altwegg ist sehr kinderliebend. Als 
sie einmal droben im Kinderdorf war, hat sie 
sich Gedanken gemacht, die sie nicht mehr ver- 
ließen. Der Olympiasieg hatte ihr tiefe, innige 
Freude bereitet, die Tatsache, persönlich ge- 
feiert worden zu sein, ließ in ihr den Entschluß 
reifen, nun ihrerseits etwas für andere zu tun. 
So ging sie ins Kinderdorf, Letzte Woche reiste 
sie ab. Für ein7 Jahr hat sie sich vorläufig ver- 
pflichtet. 
Jeanette will jetzt für andere etwas tun, und 
sie hat den schönsten Teil erwählt. Sie arbeitet 
für'Kriegerwaisen, für die Ärmsten der Armen, 
und diese werden große Freude daran haben, 
daß eine Olympiasiegerin ihre Schwester gewor- 
den ist, treu Vater und Mutter gehorchend, wie 
man es von Kleineren auch verlangt. Henri Sdihin 
Berufsschuljahr zu  erreichen. In einer 
gemeinsamen Besprechung zwischen Ge- 
werkschaften, den Sachbearbeitern für das 
Berufsschulwesen  in  den  Kultusmini- 
sterien und den Vertretern der Arbeit- 
geber sind gemeinsame Wege zu suchen, 
die der Erhaltung des dritten Berufsschixl- 
jahres dienen. 
Der Jugendliche ohne ordentlichen Lehr- 
vertrag  ist  an  sich  schon  benach- 
teiligt in bezug auf die ihm offenstehen- 
den Bildungsgüter. Aus Verantwortung 
gegenüber diesem Kreis junger Menschen 
und gegenüber der Berufsschule, die außer 
dem berufsbegleitenden Ziele ja auch der 
Vervollkommnung des Allgemeinwissens 
in diesem wichtigen Lebensabschnitt dient, 
ist gerade hier die restlose Erfüllung der 
Berufsschulpflicht besonders notwendig. 
Wettbewerb zur Edangung von Laienspielen 
Der Bundesvorstand des Deutschen Ge- 
werkschaftsbundes  -    Hauptabteilung 
Jugend - schreibt einen Wettbewerb zur 
Erlangung von Laienspielen aus. 
Gesucht werden   Spiele aus folgenden 
Themengruppen: 
a) Sozialkritische Spiele 
b) Gesellschaftskritische Spiele 
c) Spiele aus der Geschichte der 
Arbeiterbewegung 
d) Spiele um die soziale, berufliche und 
seelische Not der Jugend 
e) Spiele, die einen Weg in die Zukunft 
weisen 
f) Politische Spiele (Europaidee usw.) 
Die Spiele müssen bis zum 31. März 
1953 an die genannte Hauptabteilung, 
Düsseldorf, Stromstraße  8, eingereicht 
werden. Das Ergebnis des Wettbewerbs 
wird am 1. Juli 1953 verkündet. Jedes ein- 
gereichte  Manuskript darf  nicht den 
Namen des Verfassers tragen, sondern 
muß mit einem Kennwort versehen sein. 
Die Anschrift des Verfassers muß in einem 
verschlossenen Umschlag, der außen das 
Kennwort trägt, der Manuskriptsendung 
beigefügt  werden.  Die  Einsendungen 
müssen einseitig und nach Möglichkeit 
mit Schreibmaschine geschrieben sein. Die 
Aufführungsdauer darf 60 Minuten nicht 
überschreiten. Es sind folgende Preise 
ausgesetzt: 
1. Preis: 1000.- DM 
2. Preis: 750.- DM 
3. Preis: 500.- DM 
4. u. 5. Preis: 250.- DM 
Das Aufführungs- und Verlagsrecht wird 
außerdem durch einen Pauschalbetrag er- 
worben. Die Hauptabteilung Jugend be- 
hält sich außerdem vor, die prämiierten 
Spiele zur Aufführung zu verwerten. Dem 
Preisrichterkollegium gehören außer Ge- 
werkschaftern Schriftsteller und bekannte 
"Personen der Laienspielbewegung an. Die 
Entscheidung des Preisrichterkollegiums 
ist endgültig. Der Rechtsweg Ist ausge- 
schlossen. 


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