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The History Collection

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Jahrgang 5, Nr. 24 (November 27, 1952)

Ich wollte was erleben in Paris,   p. [7]


Bücher für uns,   p. [7]


Page [7]

um 
BUCHEI 
für. uns, 
Als der Morgen dimmerte, stieg ich aus demKeller. 
Und da erstand vor mir ein Stkchchen Paris, das ich 
noch in keinem Film gesehen hatte: das Paris der dun- 
kein Hinterhöfe, der Mülltonnen und des grauen Elends. 
Mit anderen Augen sah ich Paris. Auf dem Sockel 
des Denkmals saß ein älterer Mann und schlieL In 
einem alten Kinderwagen hatte er Papier gesammelt. 
Paris sah plötzlich nicht mehr so romantisch aus. - 
Ich ging zur Metro, um zu meinem Hotel zu fahren ... 
Unter der Laterne stand sie mit einer Zigarette. Typisch Paris, dachte ich.
Mir fiel ein Film ein, den ich in Deutschland gesehen hatte: Ein Mädchen,
wie 
das da unter der Laterne, spielte die Hauptrolle. Es war sehr lasterhaft
und hatte 
einen Verbrecher zum Freund. Neugierig sah ich das geheimnisvolle Mädchen
an. 
ICH WOLLTE WAS ERLEBEN IN PARIS 
Um  was sagte as  ebeimnisrole Mä  en? 
waren Franzosen. Viellelit kommen me nah, dachue JU. <Du un da  auch 
schon das Laternenmädchen mit einem Mann. Sie tanzten unermüdlich
Jtterbug. 
Und da soß si*, meine Laternenbekanntshaf Auf der Bank 
der Metrostation rauchte sie eine Zigarette. Ich starrte siean 
Und plötzlich fragte sie mich: .Kommen Sie auch aus Deutsch- 
land ...1 Ich binKölnerin und verlebe meinen Urlaub in Paris.' 
8ETTY SMITHis 
Ein Baum wichst In Brooklyn 
Gebr. Weis-Verlag, 530 Selten, OanzleInen 
Als Betty Smith ihren Verlegerfreunden 
erzählte, was für einen Roman sie zu 
schreiben beabsichtige, schüttelten sie den 
Kopf..Schlecht, schlecht», sagten sie. Aber 
die Verleger täuschten sich. Denn dieses 
Buch hat bereits Millionen von Lesern 
über die ganze Welt hin gefunden und 
ist erfolgreich verfilmt worden. Das Buch 
ist besser als der Film. Es reicht tiefer, 
und es zeigt die Trostlosigkeit der Armen- 
viertel einer großen amerikanischen Stadt 
viel schroffer, als es der Film wagen 
durfte. Der eigentliche Reiz dieses Romans 
liegt in der Beschreibung der Gedanken 
und Gefühle jenes kleinen Mädchens, das 
die Schönheit liebt, sowie seines ent- 
zückenden, immer betrunkenen irischen 
Vaters, der meint, der Baum des Lebens 
könne in den Slums von Brooklyn ebenso 
stämmig und fröhlich wachsen wie irgend- 
wo sonst. Wir verlassen die Tochter Frau- 
<je und ihren Bruder Neeley am Ende die- 
ses wahrhaft großen Buches ruhig, weil 
wir das sichere Gefühl haben, daß sie von 
ihrer Mutter das richtige Rüstzeug fürs 
Leben mitbekamen, ein Rüstzeug nämlich, 
das den inneren Menschen aufbaute und 
festigte, ihm das Herz warm behielt und 
die Augen voll Glanz, obwohl diese 
Mutter ihren Kindern nichts vormachte, 
obwohl in jeder ihrer Antworten die 
volle, nackte Wahrheit lag. 
GERHARD SIMSON8 
Fünf Kilmpfer für Gerechtigkeit 
C. He. e*Verlag, 289 Selten, Ganzleinen, 12.50 DM 
Hier wird das Schicksal von fünf Männern 
geschildert, die zu ihrer Zeit gegen Vor- 
urteile, Unrecht, Massenwahn, Irrtümer 
und Unsitten ankämpften. Von den Hexen- 
prozessen bis zur Dreyfusaffäre, von der 
Gründung des Roten Kreuzes bis zu den 
Taten Fridtjof Nansens wölbt sich der Bo- 
gen. Da ist der Leipziger Professor Tho- 
masius, der in Wort und Schrift dem 
Hexenwahn zu Leibe geht. Nach seinem 
Tode (1728) gab es keine Hexenprozesse 
mehr. Da finden wir das seltsame Leben 
des französischen Offiziers Georges Pic- 
quart, der großen Anteil daran hatte, daß 
der jüdische Hauptmann Dreyfus, der auf 
Grund falscher Anschuldigungen wegen 
Landesverrats bestraft wurde, rehabilitiert 
wurde. Der Dritte im Kreis ist Cesare 
Lombroso, der den Gedanken in die Welt 
pflanzte, daß es nicht nur Aufgabe des 
Staates sein könne, Kriminelle zu strafen, 
sondern ihnen zu helfen und sie zu bes- 
sern. Dann begegnet uns Henry Dunant, 
der Bankier und Spekulant, der die Idee 
des Roten Kreuzes in die Welt schleu- 
derte. Und zuletzt: Fridtjof Nansen, For- 
scher und Entdecker, Helfer der Flücht- 
linge und Unterdrückten. 
Ein Buch, schön und lebendig. 
JOHN BUCHAN& 
Trommeln Ober Tranavaal 
Verlag Aschendorf, 240 eiton,zahlreiche Jllu- 
stratlonen, Preis 6,80 DM 
Der Verfasser, dessen literarisches Le- 
benswerk mehr als fünfzig Titel umfaßt, 
schildert in diesem spannenden Buch den 
Kaffernaufstand  vom  Jahre  1906, die 
dbenteuerlichen Begeqnungen und Erleb- 
nisse des neunzehnjährigen David sowie 
das Schicksal des Führers der Aufständi- 
schen, Johannes Lopatas. 
WALTER SCHERFt 
Lautlos wandert der große Br 
Verlag Haus Altenberg, Preis gebunden 2,80 DM 
Fahrtenbücher sind keine Seltenheiten 
mehr. Das vorliegende fällt aus dem üb- 
lichen Rahmen, es spricht von den Dingen, 
an denen wir heute achtlos vorübergehen. 
Scherf weist auf die Schönheiten und den 
Inhalt des Einfachen und Selbstverständ- 
lichen. Alles hat etwas auszusagen: der 
Regen, der Nebel, die Straße, die Her- 
berge, jedes Stückchen Natur und der 
lautlos wandernde Große Bär. Alles Ist 
Erlebnis. Hier wird vom Einfachen und 
Natürlichen gesprochen, von dem, was be- 
rufen ist, uns auszufüllen. 
LLCARS(}Ns 
Geheimnisse des Meeres 
bSedersteln Verlag, 1952,256 felten, Pres 9,80 DM 
Rachel Carson hat so etwas wie einen 
Best-Seller über das Meer geschrieben. 
Selbst wenn man populärwissenschaft- 
lichen Publikationen skeptisch gegenüber- 
steht, wird man zugeben, daß die Ameri- 
kanerin das Problem gut bewältigt hat: 
sie hat eine erstaunliche Menge von erd- 
kundlichen, pflanzen- und tierkundlichen 
Details zu einem sehr gut lesbaren Gan- 
zen verarbeitet. Ihr Rezept: eigenes Stu- 
dium und die Bemühung, alles, wissen- 
schaftlicte Theorie, Forschungsergebnisse 
und Beobachtungamaterial, in eine all- 
gemeinverständliche, nie nach Effekten 
haschende Sprache zu bringen, die ihre 
Poesie aus der Ehrfurcht vor der Schöp- 
fung bezieht. In unserer auch in der 
sprachlichen Mitteilung oft so aufgereg- 
ten Zeit ein sympathisches Buch, das be- 
tuhigt, unterri 


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