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Jahrgang 5, Nr. 24 (November 27, 1952)

[Title page],   p. [1]


Held der Arbeit ging stiften,   p. [1]


Der Herr General Ramcke und ich,   p. [1]


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Held der Arbeit ging stiften 
Ein großes Gelächter geht in diesen Tagen durch ganz 
Deutschland. Ein .Held der Arbeit' floh aus der sowjeti- 
schen Zone nach Westberlin. Er verzichtete, ohne mit der 
Wimper zu zucken, auf eine Prämie von 10 00 DM Ost, auf 
ein unverzinsliches Baudarlehen, auf Reisen und Vorträge 
und auf ein angenehmes Leben als Nachfolger Henneckes. 
Dieser <Held der Arbeit', Wily Knoblauch von den Stick- 
stoffwerken Piesteritz, ließ alles im Stich, und das Satirische 
der ganzen Situation wird erst offenbar, wenn man weiß, 
daß er, während Volkskammerpräsident Dieckmann am 
13. Oktober eine große Rede auf Knoblauchs Leistungen 
hielt, schon in einem Westberliner Flüchtlingslager saß. 
Willy Knoblauch ist 40 Jahre alt und arbeitete in der Karbid- 
fabrik des Sti&stoffwerkes..Ich habe bestimmt gut gearbei- 
tet', erklärte er vor der Berliner Presse, aber mit dem gan- 
zen Zauber wollte ich nichts zu tun haben.» Im Flüchtlings- 
lager habe er dann hinterher gehört, wie Dieckmann ihn ge- 
feiert habe: <Besonders hervorzuheben ist, daß der Kollege 
Knoblauch seine Arbeit unter Einwirkung großer Hitze 
durchführen muß.' Dann ließ Dieckmann .die Ehrenbürger
unseres jungen Staates', die .Helden der Arbeit', hoctleben. 
Am 23. Oktober erhielt Knoblauchs Frau ein Schreiben des 
Sowjetzonen-Ministerpräsidenten Grotewohl: .Möge Ihr Bei- 
spiel dazu beitragen, daß immer weitere Kreise unseres Vol- 
kes beim Aufbau des Sozialismus und eines friedliebenden 
einheitlichen Deutschlands helfen. 
Nach seinem Verschwinden wurde im Werk die Version ver- 
breitet, daß er in Berlin erkrankt sei, und als diese nicht 
mehr zu halten war, daß er gleich darauf in Urlaub gefahren 
sei. Als seine Frau seinen Wochenlohn im Werk abholen 
wollte, wurde dieser zurückgehalten. Schließlich interessierte
sich die Volkspolizei für das Verschwinden des .Helden. 
Am 31. Oktober setzte sich seine Frau mit den Kindern nach 
Westberlin ab, wo sie im Flüchtlingslager ihren Mann traf. 
Gemeinsam wollen sie nun in das Bundesgebiet, wo Willy 
Knoblauch. der gebürtige Berliner, nichts tun will, als ehr- 
lich arbeiten. Von Dekorationen und .Helden der Arbeit' 
hält er nichts.                                    . T. 
Der Herr 
General Ramcke 
So sagte General Ramcke, 
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Der General Ranicke hat bekanntlich vor kurzum eine Rede 
gehalten, die die ganze Welt In Erregung versetzte. Die 
eigentlichen Kriegsverbrecher, so rief der schneidige Krie- 
ger, seien die Alliierten, die Städte eIngeäschert hätten.
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gh 
Zu diesem utngewöbnhiben Foto ist etwas zu sagen: 
e     Ein Mann sitzt auf der Straße und hält sein Kind im Arm.
m      Er sitzt auf der Straße, in jeder Beziehung, Er ist arbeitslos.
Ob's ihm etwas ausmacht? Man braucht ihn nicht zu fragen. 
r-     Man sieht es ihm an, und es sieht uns an - das Elend. Und 
e-     Zorn ist in den Augen, die Erfahrung der Armut und die 
Empörung gegen des Unrecht. Denn es ist Unrecht, daß er 
e     auf der Straße sitzt. Man hat den Mann stillgelegt wie eine 
kd     Maschine. die im Augenblick nicht gebraucht wird. 
-     Der Mensch ist aber keine Maschine. Er braucht zu essen 
Lg     und ein Hemd, Schuhe, einen Anzug, eine Wohnung. Er muß 
arbeiten wenn er essen, wohnen, sich kleiden will. Die Kraft 
seiner ände und die Schärfe seines Verstandes sind sein 
in     Kapital. Der Mann auf der Straße ist nicht Besitzer von 
-     Kohlengruben und Aktienpaketen. Ihm fällt kein Geld in den 
m      Schoß, wenn er müßig sitzt. Er muß seine Arbeitskraft
ver- 
:b     kaufen: die Kraft seiner Hände und die Schärfe seines Ver-
:h     standes. Und jetzt sitzt er da mit seinem Verstand und seiner 
fe     Kraft, und der Zorn der Empörung kocht in ihm. Und dann 
lacht der Bürger, wenn die Gewerkschaften sagen, daß das 
e,     Recht auf Mitbestimmung zur Würde den Menschen gehört, 
Mn     daß  die Arbeitskraft des Mannes auf der Straße kein 
tb     Dreck ist.                       Foto: Henri Carter gresson 


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