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The History Collection

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Aufwärts
Jahrgang 4, Nr. 22 (November 1, 1951)

Hg
Ach, bitt' schön, hängt ihn doch auf,   p. 15


Page 15


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Hitiers Kopf zerschmilzt im Wachsfigurenkabinett
und die deutsche Empfindsamkeit
Der Film ãIrgendwo in Europa', den der
ungarische Regisseur Geza von Radvanyi
1947 gedreht hat, ist jetzt in unseren Licht-
spielh"usern zu sehen. Wir konnten uns
nichts mehr w¸nschen, als diesen Film. Der
Ruf, der ihm vorausging, ein Meisterwerk
zu sein, hat sich vollauf best"tigt.
Das Thema des Films ist die Freiheit, seine
Akteure sind Kinder, durch den Krieg von
ihren Eltern weggerissene Kinder. Sie haben
alle das Grauen gesehen, den Schrecken ge-
lernt, Bomben, Erschieþungen, Deportatio-
nen, sie sind nicht an der Peripherie des
Verbrechens vorbeigegangen, sondern sie
waren in seiner Mitte und haben seine blu-
tige Moral fortan zu der ihren gemacht. Sie
k"mpfen, doch der Motor dieses K"mpfens
ist der Hunger. Das zeigt Radvanyi in knap-
ken die Stelle gesetzt, wo das Kind die
Anarchie lernt. Hier ist es nur noch grau-
siges Kuriosum, wenn Hitlers Kopf im
Wachsfigurenkabinett  zerschmilzt,  wenn
ihm das Schwarz der Haare wie Blut in
Mund und Augen l"uft. (Eine Szene, die
in der deutschen Fassung des Films leider
fehlt wie einige andere Szenen, die eine
gewisse deutsche Empfindsamkeit daran er-
innern k–nnte, daþ die vegetarischen Blut-
s"ufer Hitlers deutsche Reisep"sse besaþen.
Es gibt andere Deutsche, die mit Genug-
tuung sehen, wenn der Kannibalismus
wenigstens auf der Leinwand eins in den
Hintern kriegt.)
Die Kinder finden eine Schloþruine. In ihr
ist Essen, und in ihr ist ein Mensch, den sie
fesseln.  Ach, bitt' sch–n, h"ngt ihn doch
auf!'  bettelt ein Kind die Kameraden.
Warum? Nur zum Spaþ! So haben sie es
gesehen, so haben sie es gelernt. In der
Nacht zerschneidet ein Kind die Fesseln des
Erwachsenen. Und nun beginnt die Schule
der Freiheit. Lehrbuch: Die Marseillaise. Es
ist ¸berw"ltigend, wie mit dem Erlernen
des Liedes das Bewuþtsein der Solidarit"t
mit denen aufw"chst, die mit dem Gesang
der Marseillaise gelebt, gek"mpft und gelit-
ten haben, die f¸r die Freiheit gefallen
sind. Und aus diesem Bewuþtsein neben dem
der eigenen Erfahrung wird der Baustein
der Gesellschaft. Der Film macht hier einen
pen Bildern, telegrammartig registrierend,
aber kontinuierlich das Gesamtschicksal zu-
sammenfassend, das er zu gleicher Zeit ana-
lysiert. Sein Mittel ist Optik, und mit ihr
modelliert er die Handlung bis in den diffe-
renziertesten Winkel. Man denke z. B. an die
Szene des Luftalarms auf dem Rummelplatz.
Die Sirene saugt den letzten Sinn aus den
dumpfen Resten des Lebens, die Sirene
t–tet den Platz, noch bevor er zerschossen
wird: kasteit die Spielsachen, zerm¸rbt die
Ketten, an denen die Schaukeln der Kinder
h"ngen. Und in einer Art von Selbsterhal-
tungstrieb gewinnen die Pferdchen ein
Eigenleben, ihre Z"hne funkeln, und die
Drachen wachsen zu Verb¸ndeten der Flie-
ger und der Maschinengewehre. Hier lernt
das Kind das Chaos, hier ist von den Autar-
Merkw¸rdige Behauptung
Kinder dr¸cken sich oft merkwsurdig aus. So merk-
w¸rdig, daþ es fast so aussieht, als flunkerten sie.
Unl"ngst belauschte ich zwei Buben an einer Straþen-
ecke. Im ersten Augenblick hielt ich f¸r baren Un-
sinn, was der eine zum anderen sagte. Er behauptete
n"mlich, c2in Groþvater sei nur sieben Jahre "lter
als sein Vater. Nein, nein, er meinte nicht seinen
Stiefvater. Er meinte seinen richtigen Vater. Nach-
her habe ich ¸ber die Sache nachgedacht. Der Bube
hatte nicht gelogen.
Wie war das m–glich?
Die Turmuhr in Hintersbach ging wieder einmal eine
halbe Stunde nach. Ein neuer Nachtw"chter, der sie
t"glich aufziehen muþte, wollte sie richtig stellen,
das war jedoch nicht so einfach, denn das Turm-
innere war gesperrt, weil die Handwerker einen
Zwischenboden auswechselten So muþte der Mann
m¸hsam auf einem Bauger¸st, wie sie zu beiden
Seiten des Turmes aifragten, zum ersten Zifferblatt
klettern und eine halbe Stunde weiterdrehen. Dann
stieg er langsam nadc unten, verschnaufte eine Viertel-
stunde, kletterte zum anderen Zifferblatt und stellte
auch hier dreiþig Minuten weiter. F¸r die Kletterei
von einem zum anderen hatte er f¸nfzehn Minuten
gebraucht. Unten angelangt, sah er noch einmal zu
den Zifferbl"ttern hoch und wer sprachlos: Beide
gingen jetzt eine halbe Stunde vorl
Belohnungen
Die vier besten Sch¸ler einer Klasse erhielten zur Be-
lohnung B¸cher, Schreibhefte, Bleistifte und Stahl-
federn, die einen Gesamtwert von 21 D-Mark f¸r alle
vier Sch¸ler darstellten. Der beste Schuler erhielt an
Werten ein Achtel mehr als der Zweitbeste, dieser
ein Siebtel mehr als der Drittbeste und dieser ein
Sechstel mehr als der Viertbeste. - Welchen Geld-
wert hatte jeder der Sch¸ler erhalten?
Aufl–sungen aus Nr. 21
.Die Br¸cke'. W a a g e r e c h t: 1. Raufe, 5. Schuh,
8. Basel, 11. Erich, 12. Negus, 13. Leda, 14. Ale, 16
Bett, 18. Sam, 19. Kreis, 20. Ilm, 21. Erek, 23. Man,
24. Atem, 27. Elite, 29. ller, 31. Art, 35. neu, 37. nie,
38. Spuk, 41. 111, 43. Ter, 44. Hal, 45. Heu, 46. Etat,
47. Erg.   S e n k r e c h t:  1. Rosinante,  2, Ulme,
3. Fee, 4. Erdoel, 6. Charme, 7. Uneinigkeit, 8. Bueste,
9. Ast, 10. Lampe, 15. Lea, 17. Tim, 22. Kirsche, 25.
Ern, 26. Arie, 28. Tasche, 30. Euler, 32. Teer, 33. Aula,
34. breit, 36. Eiche, 39. Pat, 40. Ache, 42. Lug.
Der Straþenbahnkontrolleur: Nicht dreizehn M"nner
und 26 Frauen, sondern    15 M"nner und 24 Frauen.
Man muþ zwischen Personen und Fahrg"sten unter-
scheiden.  Schaffner,  F¸hrer  und  Kontrolleur  sind
m"nnliche Personen im Wagen, aber keine Fahrg"ste.
Der ungarisdce Regisseur Geza von Radvanyi
drehte "Irgendwo in Europa'. .Pemn"chst werden
wir auch Frauen ohne Namen' sehen. Auf der
Lorelei drehte er einen Dokumentar-FlIm.
etwas konstruierten Eindruck, dennoch aber
ist er ¸berzeugend. Die kleinen Diebe und
Pl¸nderer bauen ihre Gesellschaft, die sich
verteidigt, die opfert, die befreit. Sie lernen
Hilfe, und sie begegnen der Liebe; sie wer-
den zum Volk.
Der Film ist mit auþerordentlicherUberzeu-
gungskraft und ohne Sentimentalit"t (aller-
dings nicht am Ende der deutsch-synchroni-
sierten Fassung) gemacht, er ist voller Hoff-
nung auf den Menschen, im besonderen den
jungen Menschen.                    Hg.


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