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The History Collection

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Aufwärts
Jahrgang 4, Nr. 22 (November 1, 1951)

Grisar, Erich
Der Meisterschwimmer,   p. 10


Ein Meter Bratwurst,   p. 10 PDF (705.6 KB)


Page 10


DER MEISTERSCHWIMMER
Unter den Schwimmern hat es zu allen Zei-
ten t¸chtige Leute gegeben. Schon Abraham
a Santa Clara, der lustige M–nch aus Schwa-
ben, weiþ von einem solchen zu berichten.
Er hat ihn zwar nicht selbst gekannt, aber
er hat doch erz"hlen h–ren, daþ ein solcher
einmal bei einem groþen Schiffsungl¸ck als
einziger Passagier den gewaltigen Sturm,
der sonst alles zerst–rte, ¸berstanden hat.
Er war unter Wasser fortgeschwommen, wo
ihm der Sturm ja nichts hatte anhaben k–n-
nen. Zur besonderen Herzst"rkung hatte er
auf seinem Wege noch drei Pfeifen Tabak
geschmaucht.
Ja, sagte Blaukopp, dem ich diese Geschichte
eines Tages erz"hlte, so was kann passieren,
aber gegen den Mann, den ich einmal ge-
sehen habe, war dieser nichts.
Na, na, sagte ich, nun mach's man halbwege.
Brauchst mir nicht zu glauben, nahm Blau-
kopp wieder das Wort, aber was wahr ist,
bleibt darum doch wahr. Und was ich dir
jetzt erz"hle, das ist wahr, aufs Wort.
Na, dann schieþ mal los, sagte ich; denn ich
wuþte schon, was nun kommen w¸rde.
Die Geschichte, begann Blaukopp nun zu
erz"hlen, passierte damals, als ich nach
Amerika fuhr. Es war kurz vor der Abfahrt
unseres Dampfers. Ich stand an der Reling
und sah den Musikanten zu, die uns zum
Abschied das Lied äMuþ i denn, muþ i denn
zum St"dele hinaus' spielten. Eben wollte
das Schiff losmachen, als pl–tzlich ein junger
Mann vor mir auftauchte. Er warf mir einen
Koffer zu und rief: Sind Sie doch so freund-
lich, bester Herr, und heben Sie mir meinen
Koffer auf.
Na, dachte ich, das kann ich ja wohl tun.
Sicher will der junge Mann sich schnell noch
ein paar Zigaretten besorgen, oder er hat
noch einen Brief einzuwerfen. Irgend etwas
w¸rde wohl sein. Mit diesem gab der Damp-
fer ein letztes Sirenensignal, und schon lagen
f¸nf Meter Wasser zwischen Dampfer und
Kai. Von dem jungen Mann jedoch war
keine Spur zu sehen. Nun, ich zerbrach mir
nicht lange den Kopf dar¸ber. Ich nahm den
Koffer mit in meine Kabine, und als wir
acht Tage sp"ter in Neuyork ankamen,
nahm ich ihn mit an Land. Nicht daþ ich
mich an fremdem Eigentum h"tte bereichern
wollen, aber was sollte sonst mit dem Kof-
fer geschehen?
Wer beschreibt jedoch mein Erstaunen, als
ich in Neuyork dicht neben dem Pier, an
dem unser Dampfer festgemacht hatte, eben
jenen jungen Mann auftauchen sah, der mir
in Hamburg seinen Koffer ¸bergeben hatte.
Ja, Mensch, wo kommen Sie denn her,
fragte ich ihn, als er mir den Koffer aus
der Hand nahm und sich bedanken wollte
f¸r die Freundlichkeit, mit der ich mich
seiner Sachen angenommen hatte.
Oh, meinte er, ich wollte nur das Fahrgeld
sparen, und so bin ich neben dem Schiff her-
geschwommen. Und dabei konnte ich den
Koffer ja nicht gut gebrauchen.
Mensch, Blaukopp, rief nun einer, der mit
uns am Tische saþ, da haste uns ja mal
wieder einen aufgebunden.
Aufgebunden?, sagte Blaukopp ganz ent-
r¸stet. Da haben wir es wieder. Ich kann
erz"hlen, was ich will, immer heiþt es, ich
binde euch einen auf. Aber diesmal fangt
ihr mich nicht. Der junge Mann hat n"mlich,
aus lauter Dankbarkeit versteht sich, da-
mals ein Glas Bier f¸r mich bezahlt. Das
haben wir in der Schifferkneipe am deut-
schen Kai in Neuyork zusammen ausgetrun-
ken. Der Ober, der uns bedient hat, ist heute
noch da, ihn m–gt ihr fragen, ob das wahr
ist oder nicht.                Eridc Grisar
Fotos: X. Berke
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Aufl–sungen der zehn Fragen aus Nr. 19
Die zehn gebr"uchlichen Redensarten lauten.
- die Katze im Sack kaufen - den Stier
bei den H–rnern fassen- Spatzen unterm
Hut haben - jemanden einen B"ren auf-
binden - zwei Fliegen mit einer Klappe
schlagen - den roten Hahn aufs Dach
setzen - sein Sch"fchen ins trockene brin-
gen - mit jemanden ein H¸hnchen rupfen
- mit den W–lfen heulen - Eulen nach
Athen tragen -
Die f¸nf Preistr"ger sind:
Hildegard Pschunder, Hamburg 34, Sand-
kamp 24.-Gudrun Thum, (14b) Reutlingen,
Fizionstr. 12.-Else Haubst, (22a) Duisburg-
H¸ttenheim, Rosenbergstr. 5. - Hans Bl"tt-
ner, Kaiserslautern, Humboldtstr. 5. - Hart-
mut Cordsen, Klosterkrug bei Jagel, Kreis
Schleswig, Flugplatz-G"rtnerei.
Jupp hatte eine besondere Liebe zu frischer
Bratwurst. Aber sie schmeckte ihm erst, wenn
noch ein paar Arbeitskameraden in der Fr¸h-
st¸ckspause neben ihm saþen und mit-
futterten.
,Tsag", animierte er einzelne, wir wollen
Bratwurst holen. Tut tu mit?"
Wer tat da nicht mit? Frische Bratwurst braten
konnteJupp wie kein zweiter, Selbst die K–che
aus weltber¸hmten Hotels kamen da nicht mit,
einfach weil sie Jupps Methode nicht kannten
und auch kein Schmiedefeuer hatten. Er
wickelte n"mlich die Wurst viermal in Papier,
warf sie ins Schmiedefeuer, lieþ die fett-
getr"nkte Papierh¸lle abbrennen und hatte
inzwischen ellenlange Dr"hte gl¸hend ge-
macht, die er der L"nge nach blitzschnell in
die Wurst stieþ. Dann brodelte und knusperte
es im Feuer, der liebliche Duft schw"ngerte
den Gaswerkshof und brachte in den gegen-
¸berliegenden Werkst"tten s"mtliche Nasen
zum Schn¸ffeln.
"Ta geff mich dreiþig Pfennig', sagte Jupp und
rief schon wieder den n"chsten Kameraden zu
sich ... Tuste auch mit, Bratwurst brate?'
Bald hatte er sechs Mann zusammen und be-
auftragte den kleinen Fritz, ein Meter Brat-
wurst zu holen. Weil er nun selber keine 30
Pfennig Kleingeld hatte, steckte er die ein-
gesammelten 1.80 Mark in seinen Geldbeutel
und gab ihm einen Zwanzigmarkschein mit.
F¸r zwei Mark und zehn Pfennig gibt es ein
Meter Bratwurst. Das weiþ Jupp aus Erfah-
rung. Und wenn Fritz ein Meter Bratwurst
verlangt, weiþ der Metzger, daþ diese f¸r den
Schmied vom Gaswerk ist. Aber als der Fritz
durchs Tor schritt, begegnete ihm der Mon-
teut Palm, der ihm etwas ins Ohr fl¸sterte.
Darauf blieb Fritz auffallend lange weg. In-
dessen ging R¸benach unruhig vor seiner
Bude hin und her...
,Tunnerkiel!' knurrte er seinem Gehilfen
Franz zu... ,Mer meint balt, tie Wurst w–d
erst gemacht -'
So unrecht hatte er nicht. Denn Fritz hatte
besonders dicke Wurst verlangt und war noch
dabei, dem Metzger beim F¸llen eines arm-
dicken Darmes zu helfen.
Und als tr¸ge er ein kleines Ofenrohr auf der
Schulter, so kam er mit der Riesenstange ¸ber
den Hof. Jupp sah ihn damit ankommen, hielt
sich am T¸rpfosten fest und wuþte nicht, was
er sagen sollte. Und w"hrend er kurz hinter-
einander die Farbe wechselte, fragte er, weil
er schlieþlich doch einmal fragen muþte:
,Wat h"ste tenn taf¸r bezahlt?"
,Zw–lf Mark f¸nfzig."
,Zw–lf Mark f¸nfzig??" - R¸benach kratzte
sich hinter einem Ohr und sagte: Ta gefft et
mich Wunder, tat tu keine Meter Schwarte-
magen gebracht h"st -
(Aus: Schroeder Der lachende Hammer',
200 Seiten, Halbleinen, Thomas-Verlag,
Kempen-Ndrh.)
(D
11" (Alefer
19         P


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