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The History Collection

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Aufwärts
Jahrgang 4, Nr. 6 (March 24, 1951)

Graefen
Immer obenauf,   p. 12


Page 12


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Drei riesige Polizeibeamte
Der Filmschauspieler Georges Delcourt ist
mit 1,40 Meter K–rpergr–þe der Zwerg des
Iranz–sischen Films. K¸rzlich verurteilte ihn
ein Pariser Gericht zu 15 Tagen Haft, weil
er drei riesige franz–sische Polizeibeamte zu
Boden geworfen hatte. Der von Natur aus
sch¸chterne Georges hatte seit dem 14. Le-
bensjahr Jiu-Jitsu  gelernt. Nach langen
1 bungen brachte er es bis zum  Meister des
schwarzen G¸rtels', dem Zeichen des h–ch-
sten Judo-Grades. Bei der Urteilsverk¸ndung
konnte der Richter ein leichtes Zucken in
den Mundwinkeln nicht verbergen, als sein
Blick vom schm"chtigen GeoVges zu den
gewichtigen Dienern der –ffentlichen Ord-
nung ging.
Bewuþtlos abtransportiert
Die F"lle mehren sich, wo selbst Frauen
und M"dchen mit einfachen, aber schmerz-
haften Griffen aufdringliche Wegelagerer zu
Boden zwingen. Der T"ter blieb mit leich-
ter Gehirnersch¸tterung liegen, so daþ die
Polizei den Bewuþtlosen abtransportieren
konnte .. .ä', meldet dann kurz und lakonisch
der Polizeibericht. - Wer die Kniffe und
Griffe der Selbstverteidigung kennt, f¸hlt
sich immer ¸berlegen und kennt keine Min-
derwertigkeitskomplexe, selbst wenn er so
schm"chtig wie Georges Delcourt ist.
Gegen Geld verraten
Jiu-Jitsu hat seinen Ursprung in der indi-
schen Massagekunst. Von den Indern kamen
die geheimen Regeln, wie man einen Bewaff-
neten ohne Waffen besiegen kann, zu den
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Chinesen. Schon um 1500 kannte man die
107 schmerzempfindlichen Stellen des K–r-
pers. Um 1650 soll ein Chinese japanischen
Samurais dieses Geheimnis und die Kunst
der Selbstverteidigung gegen Geld verraten
haben.
K–nnen t–dlich wirken
Im  Jahre  1876  entdeckte  der deutsche
Medizinalprofessor Hofrat Dr. Baeltz, der an
der kaiserlichen Universit"t in Tokio einen
Lehrstuhl hatte, in einem verschlafenen
St"dtchen in der Provinz einen alten Japaner,
der die Polizisten seines Ortes Jiu-Jitsu-
Griffe lehrte. Inzwischen war n"mlich die
Kunst der Selbstverteidigung in Vergessen-
heit geraten. In einem  langen Training
machte er sich die alte Kunst zu eigen und
fand bald heraus, daþ an 8 K–rperstellen
.Jiu-Jitsu-Schl"ge t–dlich wirken, an 16 K–r-
perstellen Griffe Bewuþtlosigkeit verursachen,
an 20 K–rperstellen ohne groþe Kraftanwen-
dung Knochen zerbrochen werden und an
30 K–rperstellen durch Umbiegen oder
Druck l"hmende Schmerzgef¸hle verursacht
werden.
Sanfte Gewalt
Jiu-Jitsu ist also nicht ein ungef"hrlicher
Sport und muþte erst sportf"hig gemacht
werden, damit bei Ubungen nicht gleich
dem Partner die Knochen zerbrochen wer-
den. Die aus dem Jiu-Jitsu entwickelte
Sportart nennt man Judo und wurde von
dem Japaner Kano entwickelt. Beim Judo
treffen sich die Gegner in friedlicher Ab-
sicht und ¸ben die vielen hundert Tricks, die
den Gegner mit "sanfter Gewalt' zu Boden
zwingen. Diese Kunst ist nicht in wenigen
Tagen zu lernen. Viele englische und ameri-
kanische Schulen haben Jiu-Jitsu-Unterricht
auch f¸r M"dchen in den Lehrplan ein-
gebaut. In Deutschland ist diese Sportart
bisher noch viel zu wenig bekannt. Auþer
der Polizei, die auch die weiblichen Beamten
ausbildet, sind es nur wenige Sportvereine,
die sich diese Kunst aneignen.
Siegen durch Nachgeben, das ist Jiu-Jitsu,
ein geschicktes Abfangen und Ausnutzen der
Kr"fte des Angreifers - und eine Schulung
des Selbstvertrauens.
Im n"chsten Heft zeigen wir einige An-
leitungen f¸r Jiu-Jitsu-Griffe.
Test ulnd F,)tno: Grael-n
.Mora Nisse' Karlsson, ¸ber den wir im
Aufw"rts Nr. 1/1951 in unserem Bericht
.Die Spur nach Mora' sprachen, gewann
nun zum siebtenmal den ber¸hmtenWasa-
Lauf ¸ber 90 Kilometer.
Dies geschah bei einem oberbayerischen
Punktspiel der A-Klasse auf einem Platz,
in dessen unmittelbarer N"he ein breiter
Entw"sserungsgraben verl"uft: Der Wett-
spielball war ins Wasser gefallen, und
w"hrend man ihn herausfischte, spielte
man mit dem Ersatzball weiter, und der
herausgefischte Ball wurde derweil ins
Tornetz des Platzvereins gelegt. Als nun
die G"ste angriffen und der einheimische
-Torwart den Ball erhielt, nahm er schnell
einen "Austausch' vor: Er schaufelte,
ohne daþ das Spiel abgepfiffen war, den
Ersatzball in sein Tor und nahm den
.eigentlichen' Wettspielball aus dem Netz,
um damit weiterzuspielen. Zu seiner
und der Zuschauer grenzenloser Verbl¸f-
fung aber pfiff der Schiedsrichter zwei-
mal, deutete zur Mitte und beharrte auch
auf seiner durchaus richtigen Torentschei-
dung. Da es damit 2:0 f¸r die G"ste
stand, war die Partie entschieden - und
zwar durch die Regelunkenntnis des
eigenen Torwarts. Ja, auch ein Aktiver
muþ eben die Regeln kennen...
Vertragsspieler stehen in dem Ruf, erst
ans Verdienen und dann an den Sport
zu denken. Daþ dem nicht so ist, bewies
jetzt der Koblenzer Spitzenfuþballer Jupp
Gauchel. Bei seinem Verein TuS Neuen-
dorf verzichtete Jupp auf sein Vertrags-
spielersal"r zugunsten der Fuþballjugend,
denn er ist Totostelleninhaber.
Italiens Fuþballfunktion"re haben Sorgen.
Insgesamt 43 Ausl"nder wurden im letz-
ten Jahr zur Blutauffrischung der f¸hren-
den Klubs des Landes importiert", und
die eigenen Cracks legen bisweilen eine
mehr als lasche Spielauffassung an den
Tag.
Gegen die erste Sorte Sorgen plant man
jetzt, die in den Vereinen spielenden
Ausl"nder zu reduzieren, um der eigenen
Jugend eine Chance zu geben. Die an-
deren Sorgen sollen mit drastischen Stra-
fen bek"mpft werden. Als erster bekam
Mittelst¸rmer Lorenzi von Internazionale
Mailand diesen neuen Wind' zu sp¸ren.
Bei einem Trainingsspiel gegen die B-
Mannschaft des eigenen Klubs lieþ dieser
teuer gekaufte Star absichtlich eine kunst-
gerecht servierte Vorlage aus, indem er
¸ber den Ball sprang. Der Trainer unter-
brach sofort das Spiel und stellte Lorenzi
energisch zur Rede. Der S¸nder' ant-
wortete unverhohlen: "Ein Torschuþ h"tte
mir ja keine Pr"mie eingetragen. Es ist
doch nur ein Trainingsspiell' Noch in der
Umkleidekabine erhielt Lorenzi ein frisch-
getipptes Schreiben der Vereinsleitung,
mit dem ihm eine Strafe von 50000 Lire
(350 Mark) wegen Faulheit beim Trai-
ning' aufgebrummt wurde. "Nachl"ssig-
keit im Training ist von Schaden auf die
Leistung im Wettkampf', hieþ es in
der Begr¸ndung. Lorenzi machte groþe
Augen. Ihm als ber¸hmtem und gefeier-
tem Star diese strenge Strafe?... Ja, es
weht eben ein neuer Fuþballwind in
Italien!         s


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