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The History Collection

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Aufwärts
Jahrgang 4, Nr. 6 (March 24, 1951)

Brauns, Curt
Weltmacht Erdöl,   pp. [8]-[9]


Page [8]


Agba-JarI ist eine der Bohrstellen. deren 01 in den Raffine-
rien der Anglo-Iranian-Oll-Comp. In Abadan verarbeitet wird.
Ein gefl¸geltes Wort lautet: Blut ist dicker
als Wasser. Das will besagen: Meere, die
zwischen L"ndern liegen, brauchen die Ver-
bundenheit der Menschen nicht zu st–ren.
Erd–l ist leichter als Wasser, aber daf¸r
trennt es unfehlbar die Staaten so lange, bis
die V–lker sich entschlieþen, die G¸ter der
Erde gemeinsam zu verwalten.
Was ist eigentlich Erd–l? Die Antwort des
Geologen lautet: Erd–l stammt aus der Sub-
stanz unz"hliger abgestorbener tierischer und
pflanzlicher Organismen, die in sauerstoff-
armen, sp"ter verlandeten Meeren fr¸herer
Jahrmillionen bewahrt, von undurchl"ssigen
Deckschichten ¸berlagert wurde und so er-
halten blieb. Ein Verwesungsprodukt also ...
Der Politiker wird antworten: 01 ist Macht!
Kein Tank, kein Flugzeug und kein Unter-
seeboot ist ohne 01 oder seine Destillate zu
bewegen.
Bezeichnete man das 19. Jahrhundert all-
gemein als das der Dampfmaschine, wird das
20. Jahrhundert vermutlich mit dem des Erd-
–ls verbunden werden.
W"hrend in der Fr¸hzeit der Erd–lgewinnung
die Nachfrage nach Lampenpetroleum An-
triebskraft f¸r die Erschlieþung der Olfelder
war, steht heute als wichtigstes Produkt des
Roh–ls das Motorbenzin im Vordergrund.
Erd–l wird durch Bohrungen gewonnen. Die
direkten Produktionskosten des Rohstoffes
Erd–l sind sehr viel geringer als die der
Kohle und des Erzes, die vom Bergmann vor
Ort gebrochen und dann an die Erdober-
fl"che geschafft werden m¸ssen. Daf¸r ist
aber die Aufsuchung der Erd–lvorkommen
ein immer neu gestelltes und kostspieliges
Problem. Die besten Fundst"tten des Gls
k¸ndigen sich zumeist durch keinerlei An-
zeichen an der Erdoberfl"che an. Es findet
sich oftmals in groþer Tiefe und kann noch
aus Tiefen von ¸ber 4000 Meter gef–rdert
werden. Den Tiefenrekord hielt Ende 1949
ein Bohrloch im Staate Wyoming (Nord-
amerika) mit 6255 Meter, das allerdings nicht
f¸ndig wurde. Die tiefste Produktion erfolgt
aus einer Sonde im gleichen Gebiet, die mit
4361 Meter den tiefsten Punkt bezeichnet,
aus dem die Menschheit zurzeit ¸berhaupt
Bodensch"tze gewinnt.
Auch aus dem Untergrunde der Kusten-
gew"sser der Weltmeere wird 01 gewonnen.
Uber dem Golf von Mexiko, der Bucht von
Los Angeles und dem Kaspischen Meer er-
heben sich Bohrt¸rme.
Das Wissen um das 01 als f¸r den Menschen
n¸tzlichen Rohstoff ist uralt. Mit Erdpech,
das nichts anderes als ein Olr¸ckstand ist,
dichtete Noah seine Arche, balsamierten die
Ÿgypter ihre Mumien ein und wurde der
Turm zu Babel erbaut. Als die Kreuzfahrer
im Jahre 1200 Konstantinopel eroberten, lieþ
man brennendes Erd–l auf sie hinabregnen.
(Wir lernten daf¸r die Phosphorbomben
kennen.) Dann wurde es Heilmittel, aber
seine eigentliche Geburtsstunde f"llt auf den
27. August 1859, den Tag, an dem Colonel
Drake in Pennsylvanien mit der ersten 01-
bohrung f¸ndig wurde. Das bis dahin ver-
wandte 01, das inzwischen auch als Licht-
Viele Ulleitungen f¸hren zum gr–þten Ulver-
arbeitungswerk der Welt am Schatt-el-Arab.
spender entdeckt worden war, hatte man von
e0lquellen', zuf"lligen, durch Erdbewegun-
gen verursachten 0lausbr¸chen, abgesch–pft.
Mit der Bohrung begann der Siegeszug des
Erd–ls.
Wo kommen nun die hunderte Millionen
Tonnen Erd–l her, die j"hrlich verbraucht
werden; an welchen Stellen des Erdunter-
grundes lagern die gewaltigen Mengen, die
man in der Zukunft ben–tigen wird? Die ab-
bauf"higen Kohlenfl–ze und Erzlager der
Welt sind, von den Polargebieten abgesehen,
zumeist bekannt, und ihre Ausbeutung kann
auf lange Sicht geplant werden. Anders beim
01. Die im Vergleich zu Kohle und Erz so-
viel geringeren .nachgewiesenen Ulvorr"te'
verf¸hren leicht dazu, eine rasche Ersch–p-
fung der Vorr"te zu errechnen, aber es wird
dabei oft ¸bersehen, daþ ungeheure Strecken
der Erde bis heute ¸berhaupt noch nicht ein-
gehend auf ihre Olf¸hrung hin untersucht
wurden.
Am 1. Januar 1950 waren folgende Erd–l-
reserven der Welt nachgewiesen:
Nordamerika
Vereinigte Stdaten
Kanada
Mexiko
Stþdgmerika
Venezuela
C "lumbien...
Trinidad .
A rgentiiiien
Lt briqe
Gesamntamerika
Westeuropa
Deutschland
(ihrige  .
Vorderasien
Kuwait .
Saudi-Arahien
Iran
Irak
Ðibriqe
Ferner Osten
Indonllesien.
(äbrige
(in 1000 Tonnen) Antei
t   .  3 400 000
160 000
120 0on
3 680 000
.1 400 000
43 000
* . .     37 000
35 000
.    31 900
1 546 900
.5. .  .   . .  226 900
36 000
8 360
Pil i. Pro
30,9
1,5
1.1
33.5
12,7
0,4
0,3
0,3
0,3
14,4
47.5
0,3
0.1
44 360      0,4
1 500 000
1 . 200 000
930 000
.     710000
. .     22 420
4 362 420
140 t00
66 800
206 800
Afrika   . . .       .    .  .  . . . . 28 350
Gesamte westlidie EintluB-
sphare (auþer Amerika) . 4 641 930
Ruþland     . . . . . . . t 050 000
Osteuropa     . . .              68 270
Gesamte russ. Einfluþsph.      . . 1 118 270
13,7
10,9
8,5
6,5
0,2
39.8
1.3
0,6
1,9
0.2
42,3
9,6
0.6
10,2
Interessante Namen und Zahlen sind das,
nicht wahr? Wie oft haben wir diese Namen
nicht in den letzten Jahren gelesen. Mal in
Verbindung mit Anleihen oder Handelsab-
kommen, dann wieder von Ministerkrisen,
Aufst"nden und Wahlen. Und h"tten wir
weitreichende Nasen, dann w¸rden die immer
wieder den Geruch von Erd–l dabei be-
merken. Jedes Mittel ist recht, wenn es gilt,
die Macht ¸ber ein neues Erd–lvorkommen
oder die Ausnutzung bekannter Vorr"te zu
sichern. Diese Zahlen deuten auch auf die
Unterlegenheit Sowjetruþlands hin, das im
letzten Kriege gewaltige Mengen Benzin von
den Vereinigten Staaten erhielt. Die Menge
der Vorr"te sagt n"mlich auþerdem nichts
¸ber die Produktionskapazit"t aus: Da be-
herrschen die USA 71,2 v. H. (Hauptbesitzer
die Standard Oil, die Gr¸ndung Rockefellers);
auf die englisch-holl"ndische Gruppe (zu
mehr als 50 v. H. im Besitz der von Sir
Deterding beherrschten Shell-Gruppe) ent-
fallen 18 v. H. Die Sowjet-Union aber mit
K;Idr,


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