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Aufwärts
Jahrgang 4, Nr. 5 (March 10, 1951)

Wer verschleppt das Lehrlingsschutzgesetz?,   p. [16] PDF (843.2 KB)


Page [16]


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i Eine              Der b–sartigste Film.  seinen Beruf, sein Land
und f¸r uns alle als O
=i H  sforde        der  jml     gedreht  menschliche Wesen", erkl"rten
die Studenten;
und der Offentlichkeit  der G–ttinger Universit"t. Inzwischen kam K'
s vorgef¸hrt wurde, wai ,Jud S¸þ".     Der   es  in
 einigen  kleineren  St"dten,  W o
a verantwortliche Regisseur war Veit Harlan,  man den Film versuchsweise
startete, zu den
der, um   den  Herren  der zw–lf Jahre    ersten Zwischenf"llen im
Protest gegen die i-
zu dienen und selbst zu verdienen, den Hetz-  Vorf¸hrung des Harlan-Films.
Mit Recht
film  drehte und damit das Volk und die   kann die Offentlichkeit die Herausforderung
s Jugend moralisch vergiftete, um den Tod    des G–bbels-Regisseurs
nicht schweigend hin-
E von Millionen j¸dischen Menschen zu recht-  nehmen.  Mit Recht mulb
jeder rechtlich
fertigen. Der Name Veit Harlan bleibt f¸r  denkende Mensch seine Stimme
erheben
k alle Zeiten mit unvorstellbaren Pogromen   fgegen einen Mann, dessen Name
das deutsche.
. qegen die Juden verbunden.                 Ansehen in der Welt auf das
schwerste
D Dieser Mann, der eine unvergleichliche mora-  sch"digt.
D lische Schuld auf sich geladen hat, zeigt  Wir wollen keine Harlan-Filme
sehen, und es G
ij kein Gewissen und keine Hemmungen. An-    ist das Recht der demokratischen
Meinungs-
E statt sich der Offentlichkeit gegen¸ber zu-  freiheit, ganz offen
auszusprechen, daþ man
x r¸ckzuhalten,  damit sein   ungl¸ckseliger  Verst"ndnis daf¸r
haben muþ, wenn die .
Name in Vergessenheit geriet, machte er   Mittel des Protestes gegen diesen
Mann zu
einen neuen Film, gegen den sich die arbei-  Demonstrationen werden.
tende und studierende Jugend und alle     Die Schuld trifft Harlan, die,
die es ver-
demokratischen B¸rger des Staates in leiden-  s"umten, ihm das Handwerk
zu legen. und S
S schaftlichen Protesten wenden.             die -Gesch"ftsm"nner'', die
ihm den neuen
" ãDer Name Harlan ist eine Schande f¸r      Film finanzierten.
Ar
dem Ablauf des Lehrverh"ltnisses im Falle
der Arbeitslosigkeit eine angemessene ver- G
sicherungsm"þige Arbeitslosenunterst¸tzung
f¸r die Dauer von 26 Wochen erhalten. -
Bundesarbeitsminister Storch erkl"rte in der
Debatte des Bundestages am 21. September
1950: ,Ich bin bereit, von meinem Ministe-
rium  aus alle Wege mitzugehen, um  auf
diesem Gebiet den W¸nschen der Antrag- ,
steller sobald  wie  m–glich  gerecht zu
werden.'
Seitdem sind f¸nf Monate vergangen. Statt
des geforderten Versicherungsschutzes und
statt Verabschiedung des unter Drucksache
1322 eingebrachten Gesetzentwurfs erkl"rt nun
der zust"ndige Abteilungsleiter im Bundes- _
arbeitsministerium, Pr"sident Scheuble, daþ –
Verbilligte Lebensmittel. Brot und Margarine,  die Frage des Versicherungsschutzes
f¸r Lehr- ä
t erhalten die Arbeitsloser in Hamburg-Bergedort linge erst im Zusammenhang
mit der all- r
im Verkaufsraum des ,Arbeitslosen-Hiltswerkes.  gemeinen Reform des AVAG
(Gesetz ¸ber i
Arbeitsvermittlung  und  Arbeitslosenver- i
Wer verschleppt     Die Lehrlinge haben   sicherung) geregelt werden solle.
Dieser
: da Lehrlings        auf Grund einer Ver-   Meinung schlossen sich auch
die Ausschuþ-
't schutzgesetl?      ordnung des eheneali-  mitglieder der Regierungskoalition
an.
gen Ministerrates f¸r  Welche Auswirkungen hat diese Verz–ge-
die Reichsverteidigung vom 24. April 1942  rungs- und Verschleppungstaktik?
Die all-
. nach Beendigung ihrer Lehrzeit keinen Ver-  gemeine Reform des AVAG, die
primitivste
sicerungsschutz mehr gegen Arbeitslosig-    Rechte sichern soll, wird nunmehr
erst nach
keit. Der Deutsche Gewerkschaftsbund hat  Schaffung der Bundesanstalt f¸r
Arbeitsver-
seit 1947 in mehreren Eingaben und Antr"-  mittlung und Arbeitslosenversicherung
 er-
gen (vor Konstitution der Bundesrepublik  folgen k–nnen und damit fr¸hestens
im Som-
an den damaligen Direktor f¸r Arbeit) den  mer oder Herbst 1952 wirksam
werden. Das
. Versicherungsschutz f¸r die Lehrlinge gefor-  bedeutet, daþ
alle Lehrlinge, die 1951, 1952 >
4 dert. Am 21. September 1950 wurde im Bun-  und evtl. 1953 ihre Lehre beenden
und dann
destag ein Gesetzentwurf, der die Forde-  arbeitslos werden, ohne jeden finanziellen
rungen des DGB weitgehend ber¸cksichtigte,  Schutz sind.
unter Zustimmung aller Parteien behandelt.  Der DGB hat f¸r eine derartige
Behandlung *
jedoch anschlieþend dem zust"ndigen Aus-  einer wichtigen Gesetzesvorlage
kein Ver-
schuþ ¸berwiesen. Nunmehr ruht die Druck-  st"ndnis und fordert
deshalb von Bundes- Q
s sache im zust"ndigen Ausschuþ auf unbe-   regierung und Bundestag,
daþ der bean-
stimmte Zeit'.                            tragte  Arbeitslosenversicherungsschutz
f¸r <i
Die dem  Bundestag vorliegende Gesetzes-  Lehrlinge noch vor dem  1. April
1951 ge-
vorlage soll sicherstellen, daþ Lehrlinge mit  setzlich geregelt wird.
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